Deutsche Bank
Schwaches Investmentbanking sorgt für Milliardenverlust

Ein schleppendes Investmentbanking macht Deutschlands größter Bank zu schaffen, außerdem lasten Rechtsstreitigkeiten auf dem Institut. Der Verkauf einer Beteiligung soll die Finanzausstattung verbessern.

Ende mit Schrecken: Im vierten Quartal des Jahres 2015 hat die Deutsche Bank einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro nach Steuern gemacht. Das teilte das Institut am späten Mittwochabend mit. Die Bank leidet unter anderem an einem schleppenden Geschäft im Investmentbanking.

In dem Segment waren die Erträge im Geschäft mit Börsengängen und anderen Kapitalmarkttransaktionen laut Daten von Thomson Reuters im Gesamtjahr um 20 Prozent zurückgegangen – deutlich stärker als bei der Konkurrenz. Schlimmere Einbußen als die Deutsche Bank musste kein anderes Geldhaus unter den globalen Top 15 hinnehmen. Das Gleiche gilt für den Marktanteil, der bei den Frankfurtern um 0,6 Prozentpunkte sank.

Für das Gesamtjahr 2015 weist die Bank vorläufig einen Verlust vor Steuern in Höhe von 6,7 Milliarden Euro aus. Bereits im dritten Quartal hatte der seit Juli 2015 amtierende Co-Chef John Cryan die Bilanz gründlich aufgeräumt und Abschreibungen und Wertminderungen in Höhe von 5,8 Milliarden Euro verbucht. Für Rechtsstreitigkeiten hat die Bank zum Jahresende 5,2 Milliarden Euro beiseite gelegt und eine weitere Milliarde für Abfindungen und Kosten für einen Konzernumbau und Stellenstreichungen.

Bis Ende des zweiten Quartals soll der fast 20-prozentige Anteil an der chinesischen Hua Xia Bank verkauft werden. Das werde die sogenannte harte Kapitalquote von jetzt „rund elf Prozent“ um 0,5 bis 0,6 Prozentpunkte anheben.

Zu den noch nicht abgeschlossenen juristischen Auseinandersetzungen zählen Vorwürfe des Umgehens von Sanktionen gegen Russland. Dabei drohen vor allem in den USA noch empfindliche Strafen. Zuletzt hatte auch ein Verfahren wegen der möglichen Benachteiligung von Kunden bei einem Handelssystem für Devisen („Autobahn“) für Aufsehen gesorgt.

Experten hatten zwar mit einem dicken Minus gerechnet. Sie hatten dabei aber ein Minus von etwas mehr als fünf Milliarden Euro auf dem Zettel. „Wenn nicht ein Wunder passiert, werden wir einen Verlust für 2015 ausweisen“, hatte Cryan schon Ende Oktober angekündigt. Für 2014 hatte das Institut noch rund 1,7 Milliarden Euro Gewinn ausgewiesen - mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

Das Milliardenminus trifft die Deutsche Bank nach einem turbulenten Jahr: Co-Chef Anshu Jain musste gehen, seit Juli ist der Brite Cryan der neue starke Mann an der Konzernspitze. Der Abtritt von Co-Chef Jürgen Fitschen (67) ist beschlossene Sache.

Für den Konzern ist es der größte Jahresverlust und der zweite seit 2008. In der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank erstmals in einem Gesamtjahr rote Zahlen geschrieben und rund 3,9 Milliarden Euro Verlust gemacht.

Analysten haben angesichts der Schrumpfkur Zweifel, wie die Deutsche Bank dauerhaft Geld verdienen will. Das Institut will zum Beispiel mehr Geschäft mit Superreichen und vor allem Unternehmenskunden machen. Aktuell läuft die US-Konkurrenz davon: JPMorgan, Citigroup, Morgan Stanley, Bank of America und Wells Fargo vermeldeten sämtlich Milliardengewinne für 2015.

Details zu den Zahlen des vierten Quartals und des Gesamtjahres will die Deutsche Bank am 28. Januar vorlegen.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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