Deutsche Bank
Schwarzes Loch Kirch-Prozess

Deutsche-Bank-Chef Fitschen kommt bei den Ermittlungen wegen möglichen Prozessbetrugs im Fall Kirch immer mehr in Bedrängnis. Auch andere Manager stecken bereits tief im Strudel um Lügen und Beschwichtigungen.
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Düsseldorf„Not helpful“ - so lautet das Urteil der eigenen Anwälte der Deutschen Bank im Kirch-Prozess. Wie das Handelsblatt in seiner Donnerstagsausgabe berichtet, hat die Bank bei einer internen Untersuchung festgestellt, dass einige Aussagen von ehemaligen Topmanagern der Bank vor Gericht nicht der Wahrheit entsprachen. Die Rechtsabteilung fasste das Ergebnis unter dem Stichwort „Not helpful“ zusammen – und präsentierte es auf einer Vorstandssitzung im Februar 2012 als Argument für eine außergerichtliche Einigung mit den Kirch-Erben. Auch Fitschen nahm an dieser Sitzung teil.

Die Staatsanwaltschaft München droht ihm mit Anklage wegen „versuchtem mittäterschaftlichem Prozessbetrugs“.

Der Fall zeigt einmal mehr: Das Kirch-Desaster kostet die Deutsche Bank nicht nur richtig viel Geld, sondern wirft auch ein schlechtes Bild auf ehemalige und - schlimmer noch - auf aktive Manager des Institutes. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen nicht nur gegen Fitschen und den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wegen möglichen Prozessbetruges, sondern auch gegen Deutsche-Bank-Rechtsvorstand Stephan Leithner, der als möglicher Nachfolger Fitschens gilt.

Nach Informationen von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ schlug Fitschen das Angebot der Behörde aus, das Ermittlungsverfahren gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen. Die Staatsanwaltschaft soll jetzt eine Anklage gegen Fitschen, Ackermann, Breuer und zwei weitere Ex-Vorstände vorbereiten, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Laut „Welt“ hat auch Leithner die Einstellung der Ermittlungen gegen eine Geldbuße zurückgewiesen.

Auf der Liste der Staatsanwaltschaft stehen zudem Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer und der ehemaligen Vorstand Tessen von Heydebreck. Auch ihnen will die Staatsanwaltschaft nachweisen, dass sie im jahrelangen Rechtsstreit um die Pleite des Medienimperiums von Leo Kirch vor Gericht gelogen haben, um Schadenersatzansprüche abzuwenden. Inzwischen ist sogar eine Kanzlei in den Fokus der Ermittler geraten, die die Bank in dem Verfahren vertrat. Bereits am 18. März waren Büros der Anwälte durchsucht worden.

Der Streit mit den Erben des früheren Medienunternehmers Leo Kirch zieht sich inzwischen mehr als zehn Jahre hin - und wird die Bank wohl noch einige Zeit länger beschäftigen.

Die Familie Kirch macht die Bank und den damaligen Vorstandschef Rolf Breuer für die Pleite des Medienimperiums mitverantwortlich und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Auslöser war ein Interview Breuers im Februar 2002, in dem er öffentlich Zweifel an der Kreditwürdigkeit des wankenden Kirch-Konzerns genährt hatte. Wenig später musste Kirch Insolvenz anmelden. „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, hatte Rolf Breuer damals gesagt.

Ein verhängnisvoller Satz.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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