Deutsche Bank sieht sich mit eigener Produktpalette im Zeitplan KfW-Aufschub für Studienkredite verstimmt die Vertriebspartner

Mit ihrer überraschenden Verschiebung des Programms für Studienkredite hat die KfW Bankengruppe ihre potenziellen Vertriebspartner stark verärgert. Gleichzeitig sieht sich die Deutsche Bank jetzt im Vorteil, die mit ihren eigenen Produkten wie geplant im Herbst loslegen will.

pk HB FRANKFURT/M. „Über ihren Beschluss, die Markteinführung des Kredites zu verschieben, hat uns die KfW nicht vorab informiert“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Man bedauere die Entscheidung, weil bereits erhebliche Anstrengungen des genossenschaftlichen Finanzverbundes für eine rechtzeitige Einführung eines neuen Produktbündels rund um den KfW-Studienkredit unternommen worden seien, hieß es weiter.

Die KfW hatte am Sonntag angekündigt, statt im kommenden Wintersemester werde der Startschuss für die Studienkredite erst im Sommersemester 2006 fallen. Man wolle nicht im Bundestagswahlkampf in den politischen Streit um zukünftige Studiengebühren hineingezogen werden, begründete die Förderbank ihre Entscheidung. Der Bund ist mit 80 Prozent an der KfW beteiligt, die Länder mit 20 Prozent. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ist strikt gegen Studiengebühren, während viele unionsregierte Bundesländer dafür sind. Die KfW-Studienkredite sind zwar zur Finanzierung des Lebensunterhalts der Studenten gedacht, eine Abkoppelung des Produkts vom Thema Studiengebühren war aber von Anfang an nicht möglich.

Im Kreis der Vertriebspartner hieß es jedoch, dass die Verzögerung nicht am Wahlkampf liege, sondern an zahlreichen ungelösten Detailfragen. So seien etwa Rechtsprobleme beim Vertragsentwurf für den Kreditnehmer ungelöst. Der BVR erklärte, wesentliche Einzelheiten zu Produktgestaltung und Prozessabläufen seien noch nicht geklärt. Die KfW-Kredite werden üblicherweise über die Institute vor Ort zum Kunden durchgeleitet. Den rund 1 300 Genossenschaftsbanken ist es freigestellt, ob sie den KfW-Kredit im Rahmen eines eigenen Produktbündels vertreiben, ein eigenes Produkt anbieten oder beides kombinieren.

Die Deutsche Bank sieht sich im Gegensatz zur KfW mit ihrem Angebot für das „Studenten-Banking“ im Zeitplan. Spätestens Anfang September erfolge der Marktauftritt, sagte ein Sprecher. Das Angebot bestehe aus Konten, Kreditkarten und Krediten, wobei die Zinssätze effektiv zwischen 5,9 Prozent und 9,9 Prozent variierten. Die Dresdner Bank, die sich ganz auf die KfW verlassen hatte, steht dagegen mit leeren Händen da. Ob sie jetzt ein eigenes Produkt angeht, ist unklar. Die Sparkassen halten an ihrem Plan fest, im Herbst etwas Eigenes anbieten zu können.

Die KfW hatte erklärt, die Gespräche mit allen Bankengruppen und dem Deutschen Studentenwerk seien „weit fortgeschritten.“ Entgegen anders lautenden Spekulationen gebe es auch keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken bei der EU-Kommission. Das KfW-Programm für Studenten sieht für maximal zehn Semester Darlehen von bis zu 650 Euro im Monat vor. Die Zinssätze werden aktuell mit 5,0 bis 5,5 Prozent genannt, die Rückzahlung soll über bis zu 25 Jahre gestreckt werden können.

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