Deutsche Bank
Steueraffäre macht Aufsichtsrat misstrauisch

Bereits zwei Kanzleien hat die Deutsche Bank mit der Überprüfung möglicher Betrügereien im CO2-Handel beauftragt. Aber das reicht offenbar noch nicht, um alle kritischen Fragen des Aufsichtsrats zu beantworten.
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FrankfurtDie Kontrolleure der Deutschen Bank sehen offenbar Nachholbedarf bei der internen Aufklärung der CO2-Umsatzsteueraffäre. Aufsichtsratsmitglied Georg Thoma hat in seiner Funktion als Leiter des Integritätsausschusses bereits vor mehreren Monaten eine eigene Anwaltskanzlei mit Nachforschungen beauftragt. Unter dem Projekt „Huntsman“ soll diese die bisherigen Ermittlungen überprüfen.

Damit wühlt sich nach Informationen des Handelsblatts bereit die dritte Anwaltskanzlei durch Unterlagen und Aufzeichnungen. Eine der wichtigsten Fragen dabei: Wann erfuhren hochrangige Manager und Vorstände von den Betrugsrisiken und wann hätten sie Verdacht schöpfen müssen?

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt bereits gegen 26 Mitarbeiter oder ehemalige Mitarbeiter der Bank im Zusammenhang mit einem betrügerischen Umsatzsteuerkarussell mit CO2-Emissionsrechten. Die Bank war Teil eines internationalen Systems, mit dem Händler im Jahr 2009 zu Unrecht mindestens 800 Millionen Euro Umsatzsteuer kassiert hatten. Die illegalen Geschäfte fanden im Investmentbanking statt, das damals vom heutigen Co-Chef Jain geleitet wurde. Bei 17 der 26 Beschuldigten gehe es um den Verdacht der Steuerhinterziehung, bei fünf um Geldwäsche. Gegen vier Beschuldigte wird wegen des Verdachts der Strafvereitelung ermittelt.

Zunächst hatte die Deutsche Bank die Anwaltskanzlei Clifford Chance mit einer Überprüfung der Affäre beauftragt, deren Erkenntnisse wurden dann von der Kanzlei Linklaters überprüft – bevor der Aufsichtsrat zusätzlich seine eigenen Anwälte einschaltete.

Spiegel Online berichtete, dass Rechtsvorstand Christian Sewing am 14. April den Vorstand über erste Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen informierte, aber ohne Namen zu nennen. Lediglich die belasteten Manager selbst unterrichtete er danach davon, dass sie betroffen seien. Am Dienstag sei dann der Integritätsausschuss informiert worden. Ein Sprecher der Bank wollte sich zu den Informationen nicht konkret äußern. Er betonte lediglich: „Unsere Untersuchung des CO2-Sachverhalts dauert an und sie umfasst alle relevanten Fakten, die in Frage kommen. Wir kooperieren mit den entsprechenden Behörden.“

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Steueraffäre macht Aufsichtsrat misstrauisch

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Ermittlungen gegen Vorstände Fitschen und Krause

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