Deutsche Bank und Kirch-Verfahren
War Fitschen nur ein Mitläufer?

Fitschen, Ackermann, Breuer – die aktuelle und einstige Elite der Deutschen Bank muss sich wegen des Vorwurfs des Prozessbetrugs verantworten. Die Angeklagten zweifeln an der Objektivität der Staatsanwaltschaft.
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MünchenDeutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht so tief in Betrugsversuche zulasten des früheren Medienmoguls Leo Kirch verstrickt wie die vier Mitangeklagten. Fitschen habe weniger energisch als seine Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann und zwei weitere Ex-Vorstände versucht, in dem von Kirch betriebenen Schadenersatzprozess die Justiz zu täuschen, sagte Staatsanwältin Christiane Serini am Dienstag vor dem Landgericht München bei der Verlesung der Anklage. Fitschen habe vor Gericht mündlich nicht gelogen, sei jedoch an falschen schriftlichen Erklärungen beteiligt gewesen.

Breuer bestritt ein Interesse der Bank an solchen Aufträgen von Kirch. Doch das damalige Gericht glaubte ihm nicht und sprach von einem Täuschungsversuch, obwohl Breuer Rückendeckung von seinen Vorstandskollegen bekam. Serini schilderte am Dienstag das Vorgehen der Banker als Verschwörung, mit der Kirch um seinen Schadenersatzanspruch habe betrogen werden sollen. „Die Angeklagten begannen damit gemeinsam, den vom Angeklagten Dr. Breuer bereits zuvor gefassten und von ihm am 25.02.11 begonnenen Tatplan fortzuführen.“

Doch während Breuer, Ackermann und die mitangeklagten Ex-Vorstände Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck falsch ausgesagt hätten, habe Fitschen versucht, sich herauszuwinden. „Fitschen hielt sich nicht an die zumindest stillschweigend geschlossene Vereinbarung“, sagte Serini. „Der Angeklagte Fitschen machte bei seiner Anhörung vage und in sich nicht schlüssige Angaben.“ Er habe versucht, Falschaussagen zu vermeiden, ohne dabei die Abwehrstrategie seiner Kollegen zu torpedieren. Damit habe er sich des schweren Betrugs mitschuldig gemacht. Im äußersten Fall drohen den Angeklagten bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Als die Angeklagten im Gerichtssaal eintrafen, hatte lediglich Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ein souveränes Lächeln übrig. Die Mitangeklagten, der amtierende Co-Chef Jürgen Fitschen und Ex-Chef Rolf Breuer, blickten dagegen deutlich ernster drein, als sie am Morgen auf der Anlagebank des Münchner Landgerichts Platz nahmen.

„Es wird jetzt ungemütlich“, hatte Fitschen kurz vor Beginn des Betrugsprozesses bereits in einem Interview prophezeit. Nun ist es also soweit. Mitten im Umbau der Deutschen Bank muss er seinen Chefsessel auch noch regelmäßig mit der Anklagebank in München tauschen. Zusammen mit vier ehemaligen Top-Managern ist er wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt.

Schon kurz vor sieben Uhr war der Platz vor dem Strafjustizzentrum im Münchner Westen von Fernsehscheinwerfern beleuchtet. Erste Journalisten und Anwälte haben sich an diesem regnerischen Morgen schon Stunden vor dem Prozessauftakt eingefunden, um einen der wenigen Sitzplätze zu ergattern. Wartend stehen sie vor dem Sitzungssaal.

Kommentare zu " Deutsche Bank und Kirch-Verfahren: War Fitschen nur ein Mitläufer?"

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  • Dr. Breuer hat bestimmt nicht nur diese Leiche in seinem Keller und Ackermann wird nicht nachstehen.

    Dessen ungeachtet stimme ich Ihren Ausführungen zu. Ich bin jedesmal unbeschreiblich erstaunt, wenn unsere Politiker, namentlich unser Bundespräsident und unsere Bundeskanzlerin vom Ausland Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit einfordern und in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich selbst nicht organisieren.

    Selbst eine Verurteilung der Angeklagten besagt nicht, dass das Urteil auf Basis der Gesetze sondern lediglich nach dem Prinzip der Unabhängigkeit der Justiz erfolgte. Deshalb sollten wir - ob wir für oder gegen die Angeklagten sind - von einem Schauprozess ausgehen.

  • Glauben Sie etwa, dass dies auf der Gegenseite anders ist? Wenn man Kenner der Szene hört, dann verweisen diese auf die " Unabhängigkeit der Justiz", nicht auf die Gesetzeslage.

    Das besagt genug.

    Der Unterschied zum Mollath-Prozessdürfte wohl darin liegen, dass die hier Angeklagten Manager nicht so einfach in der Psychiatrie verschwinden werden, ohne dass jemand - wie im Fall Mollath - nachfragt.

    Der Name Ecclestone ist im Beitrag erwähnt. Das Verfahren war ja eine Posse für sich. Ecclestone wurde vorgeworfen den BayernLB-Vorstand mit Geld gefügig gemacht zu haben. Wie war denn der Ausgang des Prozesses vor diesem Richter. Gegen Zahlung eines riesigen Geldbetrages hat der Richter auf die strafrechtliche Beurteilung verzichtet.

    Die Analyse kann doch nur zu dem Ergebnis führen, dass zweifache Geldzahlungen eine einzelne Schmiergeldzahlung wieder rechtlich einwandfrei erscheinen lassen.

    Rechtsstaat? Rechtsstaat in Deutschland? Gäbe es ihn, hätten wir bestimmt etwas davon gehört. Eine gänzlich unabhängige Justiz scheinen wir zu haben.

    Das wird sehr schwer für die Angeklagten, sind sie doch aus ihrem beruflichen Umfeld anderes Qualitätsniveau gewöhnt.

  • Das Ganze hat den Charme der Anti-Mafia-Prozesse in den USA der Siebziger. Die Paten sitzen auf der Bank und jeder weiss, sie haben ordentlich Dreck am Stecken, nur keiner weiss genau was und wie man es ihnen mit rechtsstaatlichen Mitteln nachweisen soll. Aber eines ist sicher: die auf der Bank verkörpern das organisierte Verbrechen.

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