Deutsche Bank und Postbank
Szenarien für die Zukunft einer Zweck-Ehe

„Wie eine schlechte Ehe“: Die Trennung von der Postbank war für die Deutsche Bank schon beschlossene Sache, doch nun könnte alles ganz anders kommen. Folgende Szenarien sind für die Zukunft der Geldhäuser denkbar.

FrankfurtSeit 2010 gehört die Deutsche Postbank mehrheitlich zur Deutschen Bank. Ein Fremdkörper ist sie im Konzern gleichwohl geblieben. Weder lief die technische Integration so glatt wie gedacht, noch fanden die Mitarbeiter zueinander. „Postbanker und Deutschbanker würden lieber heute als morgen getrennte Wege gehen“, berichtet ein Insider. „Aber es ist wie in einer schlechten Ehe: Man kommt nicht so einfach los voneinander.“

Die Trennung von der Postbank war für die Deutsche Bank schon beschlossene Sache. Denn Deutschlands größtes Geldhaus muss wegen der ab 2019 geltenden strengeren Kapitalvorschriften schrumpfen – und zwar ordentlich. Nun deutet sich allerdings an, dass alles auch ganz anders kommen kann. Die folgenden Szenarien sind denkbar:

Schnelle, schmerzhafte Trennung: Der Verkauf

Die Postbank mit 14 Millionen Kunden, 19.000 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von 149 Milliarden Euro steht zum Verkauf, das hat Deutsche-Bank-Chef John Cryan erst im Mai nochmals betont. Allein: Die Interessenten stehen nicht gerade Schlange.

Denn im Niedrigzinsumfeld ist das auf die Masse ausgerichtete Privatkundengeschäft der gelben Filialen keine Goldgrube. Das einzig konkrete Angebot kam Finanzkreisen zufolge bisher von der österreichischen Bawag, hinter der der Finanzinvestor Cerberus steht. Er stößt in den Frankfurter Doppeltürmen aber auf Skepsis.

Unverbindliche Interessenbekundungen gab es auch von Banken in China und dem spanischen Rivalen Santander, wie mehrere Insider berichten. Zahlen wollten alle nur kleines Geld. Die Commerzbank, die ihr Filialnetz eher zurückbaut, zeigt – zumindest öffentlich – kein Interesse, mit der Postbank eine große deutsche Privatkunden-Bank zu schmieden.

Ein Verkauf wäre die schnellste Lösung – aber wohl auch die schmerzhafteste und teuerste. Denn die 4,5 Milliarden Euro, mit denen die Bonner Tochter zu Jahresbeginn noch in den Büchern der Deutschen Bank stand, gelten heute als Mondpreis. Branchenkenner schätzen den tatsächlichen Wert eher auf zwei bis 2,5 Milliarden Euro.

Gezahlt hatte die Deutsche Bank gut sechs Milliarden Euro. Daher drohen erneut Abschreibungen. Ein Großinvestor fordert dennoch: „Verkaufen, lieber heute als morgen. Die Postbank macht zehn Prozent der Bilanzrisiken aus. Das wäre schon mal ein Befreiungsschlag. Dann kann man nach vorne schauen.“

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Szenarien für die Zukunft einer Zweck-Ehe

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Trennung auf Raten oder Zweck-Ehe?

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