Deutsche Bank
Unruhe vor Verhandlung im Kirch-Prozess

Der Prozess der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank geht in die heiße Phase. Am Freitag sehen sich die Parteien vor Gericht wieder. Berichte über einen kostspieligen Vergleich machen die Runde. Die Bank dementiert.
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DüsseldorfAm Freitag wird der Prozess um Schadenersatz für die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch am Oberlandesgericht München fortgesetzt. Bereits am Mittwoch sorgt die Auseinandersetzung wieder für Aufsehen. Das „Manager Magazin“ hatte berichtet, dass die Deutsche Bank an einem Vergleichsvorschlag arbeite.

Die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollten den Streit bis zum Februar 2013 vom Tisch haben, hieß es in dem Bericht. Das Magazin bezifferte eine mögliche Vergleichssumme auf mehr als eine Milliarde Euro.

Die Deutsche Bank dementierte am Mittwochmittag. „Der Bericht ist völlig aus der Luft gegriffen“, sagte ein Sprecher des Kreditinstituts. Es gebe auch keine internen Vorgaben in der Bank, bis wann der Streit geklärt werden müsste. Ein Kirch-Sprecher hatte zuvor der Nachrichtenagentur Reuters lediglich gesagt: „Uns liegen keine solchen Informationen vor.“

Die Kirch-Seite fordert von der Deutschen Bank im laufenden Prozess 2,0 Milliarden Euro Schadenersatz wegen vorsätzlicher Schädigung und weitere 1,3 Milliarden Euro in einem noch anhängigen Verfahren über Kirchs Beteiligung am Axel-Springer-Verlag.

Leo Kirch hatte die Bank im Jahr 2002 auf Schadenersatz verklagt. Der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer hatte in einem Fernsehinterview Zweifel an der Kreditwürdigkeit von Kirchs Medienimperium geäußert. Die Kirch-Gruppe ging zwei Monate später im April 2002 in die Insolvenz.

Das Oberlandesgericht hatte schon im März eine Zahlung von 775 Millionen Euro für sämtliche Forderungen als Vergleich vorgeschlagen – die Verhandlungen darüber verliefen aber erfolglos. Es wird damit gerechnet, dass die Richter dem neuen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und dem Geschäftsführer der Kläger, Hans Erl, am kommenden Freitag ihre Meinung deutlich machen und erneut zu einem Vergleich auffordern werden. Eine Verurteilung der Deutschen Bank gilt nach den jüngsten Äußerungen des Gerichts aber als nicht ausgeschlossen.

Deutsche-Bank-Chef Fitschen wird dem Prozess am Freitag fernbleiben. Das teilte die Deutsche Bank am Dienstag mit. Richter Guido Kotschy hatte zwar ein persönliches Erscheinen Fitschens angeordnet, die Zivilprozessordnung lässt es aber zu, dass er sich von Mitarbeitern aus der Rechtsabteilung vertreten lässt. Das deutet darauf hin, dass kein Vergleich zustande kommt.

Sollte die Deutsche Bank vor dem Oberlandesgericht eine Niederlage kassieren, könnte sie vor den Bundesgerichtshof ziehen - wenn dieser Schritt zugelassen wird.

 
Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Deutsche Bank: Unruhe vor Verhandlung im Kirch-Prozess"

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  • @GustavMahler,
    meiner Meinung nach müßte das Bankgeheimnis schon längst abgeschafft werden weil damit Missbrauch betrieben wird.
    Beispiele: Steuerhinterziehung/Insolvenzverschleppung
    Der Schuldner soll mit dem Bankgeheimnis geschützt werden und der Gläubiger bleibt auf der Strecke.
    Denken Sie mal darüber nach!






  • Ich habe 1969 bei einer deutschen Grossbank gerlernt. Damals sagte man uns Lehrlingen, dass man als Mitarbeiter keine Informationen über Kundenbeziehungen innerhalb der Bank und schon garnicht ausserhalb der Bank weiterträgt. Ein paar Jahre später kam ich in die Kreditabteilung der Bank. Da wurde ich nochmals belehrt, die mir zugänglichen Informationen keinesfalls ausserhalb der Abteilung zu verwenden und auch keine Meinungen über Kunden im privaten oder öffentlichen Rahmen abzugeben. Stichwort: Bankgeheimnis.
    Das Interview von Herrn Dr. Breuer habe ich damals gesehen. Mir ist der Atem gestockt. Wie kann ein Bankvorstand sich vor laufenden Kameras so äussern?

  • Naja wenn man bedenkt, das die nur 2 Monate gebraucht haben um insolvent zu werden, ist da was wahres dran an den Zweifeln.
    Zum Vergleich: Griechenland hätte ohne die Zweifel auch weiterhin Geld bekommen und der Sumpf wäre immer grösser geworrden.

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