Deutsche Bank
„Unsere Bank ist nicht das Reich des Bösen“

Der Finanzvorstand von Deutschlands größtem Geldhaus spricht in Dortmund über seine Vorstands-Ambitionen. Er will mehr über die Fortschritte der Bank reden, während Co-Chef John Cryan bisher zuerst immer tief stapelt.

DortmundOb er sich den Job leichter vorgestellt hat, wird Marcus Schenck, seit Juni Finanzvorstand der Deutschen Bank, gleich zu Beginn auf der Konferenz „On the record“ der TU Dortmund am Freitag gefragt. Kein Wunder, der amtierende Co-Chef John Cryan, der seit Juli im Amt ist, wiederholt seit Monaten, in welch desolatem Zustand sich Deutschlands größtes Geldhaus befindet. Riesige Ineffizienzen, unkalkulierbare Rechtrisiken und eine hoffnungslos veraltete IT seien die Hauptprobleme.

Schenck, graue Halbglatze, rosa Krawatte zum dunkelblauen Anzug, sitzt in der Lounge des Signal Iduna Parks, der Heimat des Bundesligisten Borussia Dortmund und lächelt die Sorgen weg. „Es war ja kein Geheimnis, dass die Deutsche Bank durch eine schwierige Zeit geht“, sagt er. Es gebe Probleme, wo er keine erwartet hätte, aber auch den umgekehrten Fall, bleibt er im Ungefähren. Die Frage, was das denn für unerwartete Probleme wären, kontert er elegant, er könne sagen, was gut laufe. Erste Lacher im Publikum.

Als der Moderator zum dritten Mal ausholt, wie schlimm es der Deutschen Bank doch geht und fragt, ob Schenck sich nicht fühle, als würde er Wasser den Berg hochschieben, wiederspricht Schenck deutlich. Es gebe jeden Tag kleine Fortschritte. „Wir müssen in eine Periode kommen, in der wir bei aller Transparenz auch wieder hervorheben, was gut läuft“, sagt der Deutschbanker.
Die Bank sei bei ihren Kunden beliebt und gehöre zu einem der umsatzstärksten Geldhäuser. Es sei richtig, dass wegen der hohen Kosten vor allem für Rechtsstreitigkeiten am Ende zu wenig übrigbleibe. „Aber in diesem Haus ist nicht alles schlecht“, so Schenck. Auch Cryan hatte zuletzt, die Stärken der Bank herausgehoben, aber die Schwächen nahmen einen deutlich größeren Raum ein.
Dem schlechten Image in der Öffentlichkeit hält Schenck entgegen: „Die Deutsche Bank ist nicht das Reich des Bösen“. Natürlich seien in der Vergangenheit Dinge schief gegangen. Aber die Mitarbeiter seien nach wie vor stolz. „Keiner kommt ins Büro geschlichen und will dabei nicht erkannt werden“, hat Schenck bemerkt.

Der 50-jährige Schwabe, der dialektfrei Hochdeutsch spricht, meistert seinen ersten alleinigen Auftritt als Deutschbanker souverän und deutet bei der Gelegenheit an, dass noch mehr in ihm steckt. Obwohl Finanzvorstände normalerweise wenig mit dem operativen Geschäft zu tun habe, hätte er die Chance auch auf der Kundenseite aktiv zu sein „und das bin ich auch“. Wenn der zweite Co-Chef Jürgen Fitschen im kommenden Mai die Bank verlässt, hinterlässt er eine Lücke als Mister Germany, der den Kontakt zur deutschen Industrie hält. Wird vielleicht Schenck diese Lücke füllen?

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Chef-Sanierer Cryan scheut die Öffentlichkeit

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