Deutsche-Bank-Vergleich
„Enorme Breite an illegalen Aktivitäten“

Die Deutsche Bank trug zur Finanzkrise aktiv bei, so das US-Justizministerium. Ein Grund: Die Bank hatte nichts dagegen, dass selbst Schuldnern „mit geringsten Lebenszeichen“ Kredit gewährt wurde.
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Frankfurt/New YorkDie Deutsche Bank und die amerikanische Justiz haben sich endgültig wegen Verfehlungen des Geldhauses in der Vergangenheit geeinigt. Das US-Justizministerium bestätigt, dass die Bank innerhalb einer kurzen Frist 3,1 Milliarden Dollar Strafe und 4,1 Milliarden Dollar Schadenersatz an Immobilienbesitzer, die finanziell „unter Wasser sind“, und an geschädigte Gemeinden zahlen muss.

Bei diesem Schadenersatz geht es um den Erlass von Kreditraten, aber auch um Hilfen für den Bau günstiger Wohnungen. Hintergrund der Einigung sind die Vergabe und der Weiterverkauf von Immobiliendarlehen, die sich später als nicht werthaltig erwiesen. Es handelt sich um Vorfälle im Vorfeld der Finanzkrise des Jahres 2008. Etwaige zivile Ansprüche von Investoren oder strafrechtliche Belange sind mit der Vereinbarung noch nicht abgedeckt.

John Cryan, Chef der Deutschen Bank, sagte: „Unser Verhalten in dieser Angelegenheit in den Jahren 2005 bis 2007 entsprach nicht unseren Standards und war nicht akzeptabel. Wir entschuldigen uns uneingeschränkt dafür. Wir haben in der Folge viele der betroffenen geschäftlichen Aktivitäten eingestellt und unsere Standards umfassend verbessert. Wir freuen uns, dass wir zu Beginn des Jahres 2017 dieses Verfahren abgeschlossen haben.“

Die Vorwürfe des Ministeriums wiegen schwer, es betont die „enorme Breite der illegalen Aktivitäten“ der Bank. Das Geldhaus musste im Rahmen der Einigung einräumen, dass es gegenüber Investoren falsche und unvollständige Angaben über die verbrieften Darlehen gemacht hatte.

Die Bank habe etwa mehrfach versichert, die Anlagen in den verbrieften Darlehen seien sicher, statt die Investoren über die Risiken aufzuklären. „Um es noch schlimmer zu machen, ermutigte die Bank unverantwortliche Kreditvergabe, die für die Kunden zum Verlust ihrer Häuser führten, weil sie die Raten nicht zahlen konnten“, heißt es weiter.

Die Richtlinien für die Kreditvergabe seien so geändert worden, dass jeder, der auch nur halbwegs lebendig erschien („anyone with half a pulse“), einen Kredit bekommen habe. Diese Sprache ist selbst für die Verhältnisse der US-Behörden ungewöhnlich harsch.

Eine Rolle bei dem Urteil spielte auch die Aussage eines Mitarbeiters der Bank, der offenbar sehr früh offen darauf aufmerksam gemacht hatte, dass die Verkäufe weitergingen, obwohl die Probleme schon absehbar waren. Im Laufe des Jahres 2007 habe die Bank selber mehr und mehr Darlehen zu günstigen Preisen aufgekauft, weil sie mit Problemen behaftet waren, sie dann aber ohne Angaben über diese Probleme teuer weiterverkauft, heißt es weiter.

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  • In den ersten Tagen des April 2008, also vor Leman, war der damalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank Norbert Walter im Ulmer Stadthaus mit auf dem Podium und sagte: (Ich habs fast wörtlich im Ohr!)
    "Es ist die best vorhergesagte Krise aller Zeiten! Auch wir als Deutsche Bank sind darin involviert, wenn auch moderat"
    Und dann beantwortet er auch gleich die Frage"Warum" bevor sie gestellt wurde mit den Worten:
    " In jedem Hype steckt eine Chance! Hätten wir diese nicht genutzt, unsere Anleger hätten uns das nicht verziehen."

    Die Veranstaltung führte das UNW Ulmer Initiativkreises nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e.V. durch und es läßt sich in deren Jahresbericht die Veranstaltung nachlesen.
    Tja, für mich stellt sich da doch die Frage nach dem wahren Schuldigen. Die Wirklichkeit hat doch was von einem 2-Komponentenkleber.
    Und wenn wir auf VW schauen, dann müßte man auch einmal die Frage erörtern, in wieweit die Aktionäre von den kriminellen Machenschaften der VW-Manger profitiert haben. Ohne diese wäre der zurückliegende Aktienkurzverlauf ein flacherer gewesen und Hehlerware darf man in unsererm Rechtsstaat auch nicht behalten.
    Aber es gab immer schon ein Herrenrecht und wird auch in Zukunft so bleiben. Nur solche Exzesse können die größten Ausläufer erodieren.

    Rolf Kuntz, Senden b. Ulm

  • Dieses Spiel haben doch ALLE Banken in Europa und den USA gespielt und wird heute immer noch gespietl.
    Der Kreditnehmer soll so lange wie möglich durch den Darlehnskredit an eine Bank gebunden werden damit die Bank solange wie möglich ihre Zinsen vom Kunden bezahlt bekommt. Die Kredit-Zinsen sind nämlich der Ertrag/Gewinn einer Bank. Und bei der Bank wird der Zinssatz auf das Guthaben eines Kunden IMMER NIEDRIGER sein als der Kreditzins.
    Und wie geht jetzt das Spiel...die Banken wollen den Kunden einen Kredit mit einer möglichst hohen Kreditsumme schmackhaft machen und gleichzeitig den Kunden aber auch auf Lange Zeit an diesen "hohen" Kredit binden damit man natürlich lange genug die Zinsabgabe des Kunden einkassiern kann.
    Und beides erreicht man mit der Angabe eines sehr niedrigen Tilgungssatz = Rückzahlungsbetrag des Kredites. So werden auch "hohe" Kreditsummen für einen, der sich eigentlich nicht diese Kreditsumme leisten kann, attraktiv von den Banken aufgepäppelt. Geringer Tilgungssatz und niedrige Zinsen....diese Mischung wird vielen Kreditnehmern den Boden unter den Füssen wegziehen. Spätestens dann, wenn die Wirtschaftslage in Deutschland in den nächsten 2 Jahren einbrechen wird. Die Kreditschuld bleibt ja bei so einen Konstrukt über Jahrzehnte in den Büchern stehen....und Monat für Monat verlangt die Bank natürlich weiter ihren Zins. Auf die Tilgung kommt es der Bank da gar nicht an...Tilgung bedeutet für die Bank nämlich, dass der Kunde Fisch vom Haken gelassen werden muss.
    Der schlimmste Kunden für die Banken ist also ein Kreditnehmer, der seinen Kredit so schnell wie möglich wieder zurückbezahlt.

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