Deutsche Bank vor Gericht
Börsig bestreitet Komplott gegen Leo Kirch

Die Vorstandsetage der Zentrale der Deutschen Bank ist heute leer: Denn Ackermann und andere Top-Kräfte sitzen im Münchener Gericht auf der Zeugenbank. Es geht um den guten Ruf des Hauses - im Kleinkrieg gegen Leo Kirch.
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MünchenDas Justizdrama zwischen Leo Kirch und der Deutschen Bank ist in eine neue Runde gegangen. Die gesammelte Führungsspitze des Kreditinstituts hat heute ihren großen Auftritt. Den Anfang machte Aufsichtsratschef Clemens Börsig. Am Nachmittag wird unter anderem Vorstandschef Josef Ackermann erwartet.

Es ist kurz vor zehn Uhr, als Börsig den großen Saal des Münchener Oberlandesgerichts betritt. Die Zuschauerreihen sind gut gefüllt, dem Promi-Aufmarsch wollen sich Journalisten, Anwälte und Schaulustige nicht entgehen lassen. Börsig nimmt erst einmal in der Pressereihe Platz. Ein "bisschen modest", ein wenig gewöhnlich sei der Saal ja, stellt Börsig fest - und zu warten sei er eigentlich auch nicht gewöhnt.

Mit ein paar Minuten Verspätung geht es dann aber doch los. Im dunklen Anzug mit roter Krawatte nimmt auf dem Zeugenstuhl Platz. Sein Vorgänger als Aufsichtsratschef, Rolf Breuer, sitzt bei den Anwälten zu seiner Linken.

Börsig war damals Finanzvorstand bei der Deutschen Bank. An die Sitzung Anfang 2002 erinnere er sich noch, sage Börsig. Thema seien die vorläufigen Zahlen und der Umbau der Führungsstruktur gewesen. Man habe auch kurz über die Lage bei Kirch gesprochen. Der Vorstand habe kein Interesse an einem Mandat der Kirch-Gruppe gehabt.

Börsig sagte, die Bank sei nach einem Gespräch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit Breuer aus Verantwortung bereit gewesen, „eine Schiedsrichterrolle“ zu übernehmen: Wenn zum Beispiel der
Medienunternehmer Rupert Murdoch Teile von Kirchs Film- und Fernsehkonzern übernehmen wollte, würde die Bank zunächst Kirch fragen, ob er die Bank beauftragen wolle. Damit habe sie jeden
möglichen Interessenkonflikt vermeiden wollen. „Das haben wir nicht gemacht, weil wir es erhofft hatten, sondern um ganz sauber dazustehen“, betonte Börsig.

Auch Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck betonte, er erinnere sich nicht, ob die Deutsche Bank damals schon für eine Vermittlerrolle angesprochen worden sei. Man sei sich aber einig gewesen, dass man zu allererst den Kunden Kirch befragen wolle, falls Dritte Interesse an Teilen der Kirch-Gruppe zeigen würden.

Das Schaulaufen der Topmanager setzte am Nachmittag IT-Vorstand Hermann-Josef Lamberti fort. An konkrete Wortlaute oder Details der Sitzung könne er sich nicht mehr erinnern. "Meine Interpretation der Protokollnotiz ist, dass wir schlussendlich dort empfohlen haben, mit allen Parteien im Gespräch zu bleiben." Eine wirkliche Erhellung brachten die Vernehmungen der Manager bislang also nicht, denn diese stützten sich wie Lamberti bei ihren Erinnerungen vor allem auf das Protokoll der Sitzung.

Viele Fragen bleiben weiter offen. So hatte die Deutsche Bank im Jahr 2007 auf einer Hauptversammlung erklärt, der Vorstand habe bei der fraglichen Sitzung beschlossen, von sich aus an Kirch heranzutreten, ob er Beratung wolle. Dagegen beteuerte Börsig, nach seiner Erinnerung sei bei der Sitzung kein solcher Beschluss gefasst haben.

Der Saal unter dem Dach des Oberlandesgerichts im vierten Stock des Gerichts ist die perfekte Bühne für das Justizspektakel. denn so gewöhnlich ist er nun auch wieder nicht. Die hohe Giebeldecke mit den restaurierten Holzbalken gibt dem lichtdurchfluteten Raum eine loftartige, fast schon sakrale Anmutung.

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