Deutsche Bank
Vorstand Leithner wechselt zu EQT

Die Finanzaufsicht Bafin kritisierte den Österreicher scharf für seine Rolle im Libor-Skandal. Nun verlässt der Top-Manager die Deutsche Bank und heuert bei einem schwedischen Finanzinvestor als Partner an.

FrankfurtDer Umbruch an der Spitze der Deutschen Bank geht weiter: Der für Personal und das Europageschäft zuständige Vorstand, Stephan Leithner, verlässt das Institut, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Sie bestätigten damit einen Bericht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“. Leithner werde in den nächsten Monaten einer von vier deutschen Partnern des schwedischen Finanzinvestors EQT. Die Bank und EQT wollten die Informationen nicht kommentieren.
Der Österreicher, der 2012 in den Vorstand der Deutschen Bank aufgerückt war, gilt als einer der profiliertesten Fusionsberater in Europa. Nach drei Jahren in einem kundenfernen Vorstandsjob habe er wieder zurück auf die Dealseite wechseln wollen, sagt einer, der Leithner gut kennt.

Zu Leithners Wechselbereitschaft dürfte allerdings auch beigetragen haben, dass seine Position innerhalb der Bank als angeschlagen gilt: Er zählte zu den Deutsche-Bank-Managern, deren Rolle im Skandal um manipulierte Zinssätze die deutsche Finanzaufsicht Bafin kritisiert hatte. In ihrem Bericht machte die Aufsicht Leithner zwar nicht für die Manipulationen der Händler verantwortlich, warf ihm allerdings Defizite bei der internen Untersuchung des Skandals vor. Außerdem bestehe der Verdacht, dass Leithner gegenüber der Prüfungsgesellschaft EY nicht die volle Wahrheit gesagt habe.

Auch in der Geldwäsche-Affäre in Russland stand Leithner unter Druck: In der Moskauer Niederlassung sollen zweifelhafte Gelder über bis zu 6 Milliarden Dollar gewaschen worden sein. Die Bank will ihr Investmentbanking in Russland nun schließen. Leithner ist Aufsichtsratsvorsitzender der russischen Tochtergesellschaft. Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank wird es kritisch gesehen, dass die zweifelhaften Transaktionen erst nach Hinweisen der russischen Zentralbank aufgefallen sind.
Deutsche-Bank-Chef John Cryan erhält durch Leithners Abgang nun jedenfalls mehr Spielraum beim von ihm geplanten großen Umbau des Instituts. Ende Oktober will der neue starke Mann an der Spitze des Instituts Details zur neuen Strategie der Bank bekannt geben. Im Zusammenhang mit dem anstehenden Umbau soll es auch weitere personelle Veränderungen in den oberen Führungszirkeln geben. Unter anderem ist die Abschaffung des erweiterten Vorstandes, des so genannten Group Executive Committees, im Gespräch. Das ist die Führungsebene unterhalb des Vorstands.

Daniel Schäfer ist Ressortleiter Finanzen.
Daniel Schäfer
Handelsblatt / Leiter Finanzzeitung
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%