Deutsche-Bank-Vorstand Sewing
Der nette Filial-Schließer und Postbank-Verkäufer

Seit heute ist Christian Sewing der neue Chef des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank. Der Manager gilt als Hoffnungsträger des Instituts. Doch er steht vor einer schwierigen Aufgabe.
  • 0

FrankfurtChristian Sewing ist er gerade mal zehn Stunden und ein paar Minuten im neuen Job, als er das erste Mal vor Publikum tritt. Er ist jetzt neuer Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, gleich soll er vor Bankern auf einem Kongress in Frankfurt sprechen. Seine erste Amtshandlung auf der Bühne: Das Richten des eigenen Krawattenknotens.

Schließlich stand in einem Zeitungsporträt über ihn, dass sein Schlips lockerer sitze als der seiner Kollegen. „Meine Kinder fanden das ganz cool“, sagt Sewing – und schon hat er die Zuhörer auf seiner Seite.

Bodenständig, souverän und doch irgendwie lässig: So einen dürfte der seit heute amtierende Vorstandschef der Bank, John Cryan, gut gebrauchen können. Sewing gilt als Hoffnungsträger bei der Deutschen Bank. Über Jahrzehnte war deren Name auch ein Versprechen: Wenn die „Deutschland AG“ eine Hausbank hatte, dann war es diese. Doch längst scheint Deutschlands größte Bank mehr mit ihren eigenen Skandalen als mit ihren Kunden beschäftigt.

Dagegen genießt Sewing bislang einen makellosen Ruf. Es gibt kaum jemandem in der Bank, der ihm kein gutes Zeugnis ausstellen würde. Erst im Januar war er vom Aufsichtsrat zum Rechtsvorstand ernannt worden, nun hat er zusätzlich auch das Privat- und Firmenkundengeschäft übernommen. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte ihn beim Vorstandsumbau geadelt: „Aufgrund seiner umfangreichen Erfahrung und Persönlichkeit ist er der Richtige, um diesen für die Bank so wichtigen Kernbereich in eine neue Wachstumsphase zu führen.“

Denn Sewing hat einen Geschäftsbereich geerbt, der im Zentrum der „Strategie 2020“ des Konzerns steht – und der erst einmal eingedampft wird. Die Bank will sich von der Postbank trennen – und verliert damit rund die Hälfte der Privat- und Firmenkunden. Auch wenn Sewing vor den anwesenden Bankern vor allem Optimismus verbreitet, kündigt er deutliche Veränderungen an. „Die Deutsche Bank ist noch nicht überall dort, wo wir sein wollen“, sagt er. An Filialschließungen führe angesichts der hohen Kosten kein Weg vorbei.

Seite 1:

Der nette Filial-Schließer und Postbank-Verkäufer

Seite 2:

Von 700 Filialen bleiben 500 übrig

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Vorstand Sewing: Der nette Filial-Schließer und Postbank-Verkäufer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%