Deutsche Bank

Vorstandschef Cryan braucht gute Nachrichten

Deutschlands größtes Geldhaus veröffentlicht die Erträge für einzelne Sparten im Detail. Daraufhin startet die Aktie der Bank eine kleine Erleichterungsrally.
Update: 06.04.2016 - 13:15 Uhr
Vorstandschef John Cryan Cryan hatte die Investoren bereits auf einen schwachen Jahresstart vorbereitet. Quelle: Reuters
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Vorstandschef John Cryan Cryan hatte die Investoren bereits auf einen schwachen Jahresstart vorbereitet.

(Foto: Reuters)

Die Deutsche Bank hat erstmals seit der von Co-Konzernchef John Cryan angekündigten Neuausrichtung des Kreditinstituts die Erträge für die Sparten Asset Management und Wealth Management gesondert ausgewiesen. Im Rahmen der Neuausrichtung wurden die bis dahin in einem Geschäftsbereich zusammengefassten Sparten voneinander getrennt.

Die Erträge aus dem Asset Management stiegen 2015 gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, wie die Bank am Mittwoch auf der Basis neuer Berechnungen mitteilte. Im Wealth Management ergab sich demnach ein Plus von 13 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Die aggregierten Ergebnisse der beiden Sparten hatte die Bank im Januar veröffentlicht. Vor dem Hintergrund schwindender Erträge will die Deutsche Bank ihren Marktanteil im Geschäft mit wohlhabenden Kunden und mit institutionellen Investoren steigern.

Cryan ist der neue starke Mann
Die Vorstandschefs der Deutschen Bank
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Hermann Josef Abs (1957-1967, oben links): Der gelernte Banker handelt in den 50er Jahren das Londoner Abkommen über deutsche Auslandsschulden aus. Ministerangebote von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schlägt er aus. Als Aufsichtsratsvorsitzender von zeitweise bis zu 30 Aktiengesellschaften erlangt Abs später enormen wirtschaftlichen Einfluss in der Bundesrepublik.

Franz Heinrich Ulrich (1967-1976) und Karl Klasen (1967-1969): Die erste Doppelsitze besteht, bis Klasen 1970 Präsident der Bundesbank wird. Ulrich setzt sich gegen den „Ausverkauf“ der deutschen Wirtschaft ins Ausland ein. Die Deutsche Bank übernimmt etwa 29 Prozent des Grundkapitals der Daimler-Benz AG von der Familie Flick.

John Cryan (ab Juli 2015)
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Anfang Juli löst der Brite John Cryan zunächst Anshu Jain in der Doppelspitze mit Jürgen Fitschen ab. Seit Mai 2016 führt er die Deutsche Bank allein. John Cryan war von 2012bis 2014 Präsident Europa von Temasek, dem Staatsfonds Singapurs. Von 2008 bis 2011 war er Finanzvorstand der UBS. Er hatte die Bank als Finanzchef durch die Krise nach der Lehman-Pleite geführt. Als klar war, dass der damalige Chef Oswald Grübel den heutigen CEO Sergio Ermotti befördern würde, trat Cryan bei der Schweizer Großbank „aus persönlichen Gründen“ zurück. Seit 1987 hatte Cryan verschiedene Funktionen im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne. Er verfügt über einen Abschluss der Universität Cambridge.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen (2012-2015/16)
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Jain verdiente jahrelang als oberste Investmentbanker Milliarden für die Deutsche Bank. Viele Probleme des Hauses haben ihre Wurzeln in der von ihm geführten Sparte. Fitschen kämpft derzeit noch an zwei Fronten: Intern läuft immer noch die Aufarbeitung der Altlasten. Mitten im Umbruch bei der Deutschen Bank bindet ihn auch noch der Fall Kirch. Im Strafprozess vor dem Landgericht München wehrt sich Fitschen gegen den Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs im Schadenersatz-Verfahren um die Kirch-Pleite.

Josef Ackermann (2002-2012)
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Der Schweizer polarisiert wie kaum ein anderer Bankmanager. Im Mannesmann-Prozess zeigt er 2004 im Gerichtssaal das Victory-Zeichen, 2005 streicht er tausende Stellen und verkündet zugleich ein Renditeziel von 25 Prozent. Die Deutsche Bank wird unter Ackermann eine weltweit führende Investmentbank, er steuert sie ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise.

Rolf-Ernst Breuer (1997-2002)
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Als „Mister Finanzplatz“ baut er Frankfurt zu einem internationalen Finanzstandort aus. Ein Rückschlag ist 2000 die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank. Später äußert sich Breuer kritisch zur Kreditwürdigkeit Leo Kirchs. Der Medienkonzern bricht zusammen, der Unternehmer verklagt Breuer und die Deutsche Bank. Eine juristische Dauerfehde beginnt.

Hilmar Kopper (1989-1997)
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Kopper baut das Investmentbanking aus und richtet die Bank zunehmend international aus. Eine der größten Pannen ist der Crash des Immobilien-Imperiums von Jürgen Schneider. Aus Koppers Bemerkung, offene Rechnungen in Höhe von 50 Millionen Euro seien „Peanuts“, wird das Unwort des Jahres 1994.

Alfred Herrhausen (1985-1989)
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Der Politikwissenschaftler will die Deutsche Bank zu einem Institut mit Weltstatus umbauen. Er fädelt große Übernahmen anderer Geldhäuser ein. Das „Allfinanz“-Konzept (Finanzprodukte aus einer Hand) wird zum Vorbild für andere deutsche Banken. Herrhausen kommt 1989 durch ein Attentat der RAF ums Leben.

Das neuerdings von Quintin Price geleitete Asset Management - der, gemessen an den Erträgen, kleinste von insgesamt vier Geschäftsbereichen des Konzerns - erwirtschaftete 2015 eine auf dem durchschnittlichen, den Aktionären zurechenbaren materiellen Eigenkapital basierende Eigenkapitalrendite von 43 Prozent und ließ damit die anderen Sparten hinter sich.

Die Zahlen sorgten für eine Erleichterung bei den Investoren. Der Aktienkurs des größten Geldhauses in Deutschland stieg gegen Mittag um rund 1,5 Prozent auf 14,20 Euro führte die Gewinnerliste im Dax an.

Vorstandschef John Cryan hatte die Investoren bereits auf einen schwachen Jahresstart vorbereitet, Finanzvorstand Marcus Schenck den Ton in einem Interview mit der Börsen-Zeitung Mitte März 2016 noch einmal verschärft.

2015 hatte die Bank unter dem Strich ein Minus von 6,8 Milliarden Euro verbucht. Denn die andauernden Rechtstreitigkeiten und der erneute Konzernumbau belasten die Bilanz. Und auch in diesem Jahr ist ein Verlust nicht ausgeschlossen.

  • Bloomberg
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