Deutsche Bank Wer für die Kirch-Millionen zahlt

Mit 925 Millionen Euro kauft sich die Deutsche Bank aus dem Verfahren mit den Kirch-Erben heraus. Anlegerschützer kritisieren den Vergleich scharf. Geht die Deutsche Bank jetzt gegen ihren Ex-Vorstandschef Breuer vor?
Update: 20.02.2014 - 15:04 Uhr 12 Kommentare
Der verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch machte die Deutsche Bank bis zuletzt für die Pleite seines Medienkonzerns verantwortlich. Quelle: dpa

Der verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch machte die Deutsche Bank bis zuletzt für die Pleite seines Medienkonzerns verantwortlich.

(Foto: dpa)

Frankfurt/DüsseldorfDie Deutsche Bank hat heute einen ihrer wichtigsten Prozesse zu den Akten gelegt. Der Streit mit den Kirch-Erben um ein fatales Fernsehinterview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf-E. Breuer hatte über zehn Jahre die Gerichte beschäftigt. Nun haben sich die Parteien außergerichtlich geeinigt.

Der berühmte Satz Breuers „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zu stellen.“ wird damit zu einem der teuersten Sprüche der Wirtschaftsgeschichte.

Nach Angaben aus Finanzkreisen wird der Vergleich am Donnerstagvormittag im Oberlandesgericht München notariell besiegelt. Anwesend sind die Anwälte der Kirch-Erben, der Rechtsbeistand von der Kanzlei Hengeler Mueller für Ex-Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer sowie Vertreter der Rechtsabteilung der Deutschen Bank. Der Vergleich beläuft sich auf insgesamt 925 Millionen Euro, und setzt sich aus einer Basiszahlung über 775 Millionen Euro plus diverser anderer Aufwandsposten zusammen. Der Vergleich werde aufgrund der vorhandenen Risikovorsorge zu einer Ergebnisverringerung von rund 350 Millionen nach Steuern in vierten Quartal 2013 führen, erklärte die Bank.

Insgesamt ist die außergerichtliche Einigung damit etwa 100 Millionen Euro teurer als beim Vergleichsanlauf unter dem früheren Vorstandschef Josef Ackermann. Die Erben von Medienunternehmer Leo Kirch geben sich zufrieden. „Wir begrüßen die Einigung, auch wenn wir uns gewünscht hätten, dass Leo Kirch dies noch erlebt hätte“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. „Der angerichtete Schaden wird allerdings nur in Teilen wieder gut gemacht.“ Die Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain lassen per Pressemitteilung erklären: „Mit der heutigen Vereinbarung legen wir einen altbekannten und langjährigen Rechtsstreit bei. Nach unserer Einschätzung liegt dies im besten Interesse unserer Stakeholder.“

Das sehen nicht alle so: „Schlussendlich zahlen dafür die Aktionäre“, ist sich Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sicher. Heute notiert die Aktie der Deutschen Bank knapp zwei Prozent im Minus. Aktionärsschützer werden sich den Vergleich genau ansehen.

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12 Kommentare zu "Deutsche Bank: Wer für die Kirch-Millionen zahlt"

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  • dann sollte breuer ja wohl bald den karlspreis bekommen. Oder hat er den schon?

  • Und deshalb, liebe Kinder, gibt es Gerichte, die sich die Beweise anschauen und entscheiden dürfen. Sonst finden sich irgendwelche Klugscheisser im Internet, die immer eine Meinung haben und irrsinnig glauben, alles über jeden wissen zu müssen.

  • Mich würde interessieren, wohin das (Vergleichs-)Geld fliesst. Wenn die Äußerungen von Herrrn Breuer doch zu einer Insolvenz der ganzen Kirch-Gruppe geführt haben, müssten doch eigentlich die Insolvenzverwalter und mit ihnen die Gläübiger die Nutznießer sein?

  • Da brauchen sich die Anlageschützer gar keine Gedanken machen: im Gegensatz zu Ackermanns vollmundigen Erklärungen, werden diese 925 Millionen vom Steuerzahler mitgetragen.
    Wie?
    Über die Steuererklärungen der DB, weil, die zahlt hierzulande schon längst keine Steuern mehr.

    Dafür schraubt Jain, man glaubt es kaum, weiter am Libor herum.

  • Auf jeden Fall kommt Herr Breuer ins Guinessbuch der Rekorde unter "Teuerstes jemals auf der Welt geführtes Interview".

  • Vollmichsau,
    Was die SDK hier ablässt ist eine für Aktionärsschützer, wirklich mehr als "Dankeschön", sondern zeigt, dass diese Vertreter gar kein Interesse an der Vertretung von Aktionären haben, sondern ihr eigene Interessen nur wahrnehmen wollen, weil sie in einigen Aufsichtsräten mit drin sitzen und dabei auch auf Vertreter der Deutschen Bank stoßen.
    Wer solche Vertreter wählt sollte gleich aus dem Schutz[Dunst-]kreis austreten.
    In Amerika hat die Deutsche Bank schon einen Vergleich mit Aktionären geschlossen, weil die dort höhere Ansprüche ausgesetzt worden wäre.
    In Deutschland will kein Gericht den Mumm aufbringen, gegen dieses Institut vorzugehen.
    In diesem Fall war Herr Dr. Gauweiler als Vertreter von Kirch beteiligt und da hatte die Deutsche Bank arg zu knappern.
    Das Ergebnis kennt jeder.
    Aber bei einem Vertreter, wie Niedig & Co, kann man das vergessen.
    Prozessiere auch noch gegen die Deutsche Bank, aber die "unabhängige" Richterschaft in Deutschland ist ein auf die Bankenfreundlichkeit hinauslaufendes Ziel soweit gediehen, da kann man nur noch auf die Straße gehen !!!
    Die "unabhängigen" Richter in Deutschland, ist wie Fallobst im Herbst.

  • Nicht alles was an Recht so gesprochen wird ist auch richtig ! Denn klar ist das L.Kirch mit seinen Firmen immer pleite war. Kann auch nicht anderes sein wenn nur eine Hand voll diese "Firmen" schwarze Zahlen schrieb. Diese Firme ist nicht durch die Äußerung der Deutschen Bank
    in die Pleite gegangen. Warum darf man das nicht sagen wenn man Kredite geben soll ?

  • Ja, Breuer sollte für seine Aussagen geradestehen und die Aktionäre haben solche Risiken über ihre Dividenden zu tragen. Woran will die SdK sich jetzt aufhängen? Sie haben mit diesem Ergebnis und dessen Effekten rechnen müssen. Jetzt muss Rolf-Emil Breuer alleine als Verantwortlicher für alle anderen geopfert werden. Aber wer sagt, dass er alleine und völlig unabhängig agierte?
    Die Deutsche Bank heizt nicht ohne Grund jetzt ihre Bonisysteme an. Unter diesem Leistungsdruck ist ihre Reaktion jetzt entscheidend.

  • wenn ein normaler Mensch das Breuer-Interview ließt, denkt er sich na und was hat er denn gesagt eigendlich NICHTS.
    Schlaue Anwälte und überforderte Staatsanwälte und Richter machen 1 Mrd. Euro daraus.

  • Die Frage, wer bezahlt ist immer wieder rührend. Der Ertrag wird geschmälert. Akionäre, MA über Stellenabbau, Kunden über Gebühren, die Steuer über weniger Steuer auf Ertrag...alle die an dem Umsatz "hängen" zahlen.
    Blick ins BWL Buch verschaftt Sicherheit. - RMGVK

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