Deutsche Bank
Zu viele Freunde sind auch nicht gut

Eigentlich müsste John Cryan glücklich sein über die vielen Solidaritätsbekundungen der vergangenen Tage. Doch die Sache hat einen Haken: Die Hilfsangebote könnten die entscheidenden Verhandlungen für die Zukunft stören.
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FrankfurtSeit es der Deutschen Bank schlecht geht, hat sie plötzlich viele Freunde. Die Dax-Konzerne scharen sich um das größte heimische Geldhaus und könnten sich nach Informationen des Handelsblatts im Notfall sogar an einer Kapitalerhöhung beteiligen. Die Nachrichtenagentur Reuters hat gehört, dass auch der größte Aktionär der Bank, die Herrscherfamilie des Scheichtums Katar, bei einer möglichen Kapitalerhöhung mitziehen könnte.

Und dann sind da noch die Investmentbanker, die im Moment jede Menge gute Ideen entwickeln, wie man der Bank helfen könnte – eben mit besagter Kapitalerhöhung oder auch mit einem Börsengang der wertvollen Sparte Asset Management.

Die meisten Analysten halten es inzwischen für ausgemacht, dass die Deutsche Bank noch einmal Milliarden einsammeln muss, um ihre im Vergleich zu vielen Konkurrenten dünne Kapitaldecke aufzufüllen. Eine Kapitalerhöhung könnte nach Schätzungen von Investmentbankern um die fünf Milliarden Euro einbringen. Das ist in etwa das Maximum, bis zu dem das Institut Aktien mit einem Rabatt auf den aktuellen Kurs ausgeben kann, ohne eine neue Genehmigung der Aktionäre einzuholen.

Den Wert des Asset-Managements schätzen Analysten auf acht bis zehn Milliarden Euro. Eine Platzierung von 25 Prozent an der Börse könnte demnach bis zu 2,5 Milliarden Euro einbringen. Und wenn sich das Geldhaus dann noch entschließen würde, die Boni radikal zu kürzen, könnten noch einmal zwei bis drei Milliarden Euro zusammenkommen – Optionen gibt es also genug.

Das Problem dabei: Bislang bleibt Vorstandschef John Cryan offiziell eisern bei seiner Linie, dass die Bank trotz der jüngsten Vertrauenskrise keine frischen Milliarden braucht. Ob Cryan selbst daran glaubt? Auf jeden Fall wird er all die Solidaritätsbekundungen auch mit einem weinenden Auge sehen, selbst wenn sie den schwer ramponierten Aktienkurs steigen lassen. Von einem Tief von 10,90 Euro haben sich die Papiere mittlerweile wieder auf 12,06 Euro erholt.

Doch das macht Cryan nicht uneingeschränkt glücklich: Die Bank steckt in einer prekären Zwickmühle. Auf der einen Seite besteht die Gefahr, dass der Absturz an den Märkten in eine Vertrauenskrise eskaliert. Auf der anderen Seite aber darf die Bank, auch wenn das nach den heftigen Turbulenzen der vergangenen Tage und Wochen absurd erscheinen mag, auch nicht kerngesund erscheinen.

Grund: Das Geldhaus arbeitet gerade mit Hochdruck an einem milliardenschweren Vergleich mit den US-Behörden für dubiose Immobiliendeals. Kommt die Strafe auch nur in die Nähe der angesetzten 14-Milliarden-Dollar-Marke, mit der das Washingtoner Justizministerium die Verhandlungen eröffnete, hat die Bank ein echtes Problem, weil ihre Rückstellungen für alle Rechtsstreitigkeiten nur bei 5,5 Milliarden Euro liegen. Und genau diese Differenz ist der unmittelbare Auslöser für den Ausverkauf der Aktie.

John Cryan weiß genau, dass er nicht nur eine möglichst schnelle, sondern auch eine möglichst günstige Lösung mit den US-Behörden erreichen muss, wenn er der Bank eine echte Atempause und Raum zum Manövrieren verschaffen will.

All die Hilfsangebote der vergangenen Tage signalisieren den Amerikanern aber, dass die arme Deutsche Bank vielleicht doch gar nicht so arm ist und sich durchaus ohne größere Probleme noch ein paar Milliarden besorgen könnte. Genau das aber könnte die Strafe am Ende in die Höhe treiben und die tiefste Krise in der Geschichte des Frankfurter Geldhauses noch einmal verschärfen.

Vor dem hoffentlich schnellen Abschluss der aktuellen Vergleichsverhandlungen in den USA wird sich Cryan deshalb wohl nur im absoluten Notfall für eine Kapitalerhöhung oder den Verkauf von Teilen der Bank entscheiden. Und danach droht ja noch eine weitere potenziell hohe Strafe wegen der Geldwäscheaffäre, in die die Bank in Russland verwickelt war.

Eigentlich müssten die Frankfurter auch noch die Beilegung dieses Skandals abwarten. Danach aber werden wohl alle Freunde der Bank reichlich Gelegenheit haben, ihre Solidarität mit dem wichtigsten deutschen Geldhaus zu beweisen.

Kommentare zu " Deutsche Bank: Zu viele Freunde sind auch nicht gut"

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  • Wo bleibt die notwendige sozialisierung dieser Bank oder wer, ausser der geliebte Steuerzahler, soll all die Strafen bezahlen ?

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