Deutsche Bank
Zu viele offene Fragen

Die Kritik der Bafin wiegt schwer: Die Deutsche-Bank-Elite soll Zinsmanipulationen gebilligt haben. Aufsichtsratschef Achleitner hat Ex-Chef Jain dennoch verteidigt. Wenn die Bank neu starten will, muss sie das erklären.
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FrankfurtEs gibt wohl nichts, was die Deutsche Bank lieber loswerden würde als ihre jüngere Vergangenheit. Aber selbst der Rücktritt von Co-Vorstandschef Anshu Jain reicht nicht, um die Geister der Skandale zu bannen. Ein Führungswechsel ist eben noch kein Neuanfang, und von dem ist die Deutsche Bank noch immer weit entfernt.

Zu schwer wiegen die Vorwürfe, die die deutsche Finanzaufsicht Bafin in ihrem Bericht zu den Manipulationen des globalen Referenzzinses Libor zusammengetragen hat. Gleich vier amtierende Vorstände und zwei weitere Top-Manager des Instituts müssen sich harsche Kritik gefallen lassen. Schwache Kontrollen, schwere Versäumnisse bei der Aufarbeitung des Skandals und eine Kultur, bei der nur die Gewinne zählten – allein die Vorwürfe gegen Ex-Vorstandschef Jain ziehen sich über fünf Seiten des Berichts hin.

Der neue Mann an der Spitze John Cryan will all diese Probleme eigentlich hinter sich lassen. Aber die Sünden der Vergangenheit machen seine ohnehin schon extrem harte Aufgabe noch schwieriger. Cryan muss jetzt nicht nur bis Ende Oktober die Details der neuen Strategie ausarbeiten, er muss auch die Führung der Bank neu ordnen. An einem gründlichen Vorstandsumbau führt kein Weg vorbei.

Aber nicht nur der Druck auf Cryan wächst. Auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner bringt der Bafin-Bericht in Erklärungsnot. Noch immer sind viele Fragen rund um den Abgang von Jain ungeklärt. Am 11. Mai ging der Bericht der Aufseher bei der Deutschen Bank ein.

Zwar ist das Geldhaus unangenehme Post von der Großbankenkontrolleurin der Bafin, Frauke Menke, mittlerweile gewöhnt. Aber die Wortwahl fällt dieses Mal so eindeutig aus, dass Achleitner und seinen Kollegen im Aufsichtsrat eigentlich hätte klar sein müssen, dass Jain kaum noch zu halten ist. Zumal sich beinahe zeitgleich der Widerstand einflussreicher Großinvestoren aufbaute, die unmissverständlich klar machten, dass sie das Vertrauen in Jain verloren haben.

Trotzdem stattete der Aufsichtsrat unter Achleitners Führung Jain noch am Vorabend des Aktionärstreffens mit mehr Macht aus. Zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben bekam der Vorstandschef jetzt auch die Verantwortung für die Umsetzung der neuen Strategie übertragen. Angesichts der beißenden Kritik der Bafin und des sich klar abzeichnenden Aktionärsaufstands ein völlig unverständlicher Schritt.

Die Deutsche Bank dementiert bis heute, dass es der Druck der Bafin war, der Jain am Ende aus dem Amt trieb. Wenn dem so ist, dann bleibt das Bild eines wankelmütigen unentschlossenen Aufsichtsrats, dem übrigens damals auch der neue Chef John Cryan angehörte. Ein erster Schritt für einen echten Neuanfang wäre es, wenn die Bank all die Merkwürdigkeiten rund um den plötzlichen Führungswechsel aufklären würde.

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