Deutsche Banken nach dem Stresstest
Mit einem blauen Auge davongekommen

Fast alle deutschen Banken haben den Stresstest der EZB bestanden, einige sogar souverän. Zwar liegen ein paar Institute nur knapp über den Anforderungen der EZB, doch auch die Wackelkandidaten nehmen alle Hürden.
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Frankfurt/DüsseldorfNach dem Stresstest atmet die deutsche Finanzbranche auf. „Alle Teilnehmer stehen solide da“, kommentierte Bafin-Präsidentin Elke König das Ergebnis in einer ersten Stellungnahme. Von den 24 deutschen Banken, die am Stresstest teilgenommen haben, ist am Ende nur eine durchgefallen – die Münchener Hypothekenbank.

Dort war man nach Bekanntgabe der Ergebnisse bemüht, das Durchfallen ins rechte Licht zu rücken. „Kapitalausstattung und erfreulicher Geschäftsverlauf stimmen uns sehr zuversichtlich für die Zukunft“, betonte Vorstandssprecher Louis Hagen. Die Münchener hatten ihre Kapitalbasis zum 30. September bereits um 415 Millionen Euro gestärkt. Da dieses Geld im Stresstest noch nicht berücksichtigt wurde und man heute über eine ausreichende harte Kernkapitalquote verfügt, ist das Stresstest-Ergebnis kein Drama für die Münchener. Zusätzlicher Kapitalisierungsbedarf besteht derzeit nicht.

Auch bei anderen Wackelkandidaten aus Deutschland ist der Stresstest glimpflich ausgegangen. Die HSH Nordbank, die einige Marktbeobachter wegen ihrer Schiffskredite als besonders gefährdet sahen, landet im Krisenszenario der EZB bei einer harten Eigenkapitalquote von 6,1 Prozent – und damit über der verlangten Mindestquote von 5,5 Prozent. Grund dafür ist vor allem eine Garantie der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein, die  im Sommer 2013 von sieben auf zehn Milliarden Euro aufgestockt wurde.

Nur knapp über den Anforderungen der EZB landete auch die genossenschaftliche DZ Bank, die im Krisenszenario bei 6,0 Prozent landete. Auch dort gibt man sich gelassen. Mit der nicht berücksichtigten Kapitalerhöhung aus dem Sommer 2014 hätte die harte Eigenkapitalquote bei soliden 11,9 Prozent gelegen.

Ähnlich gut sieht das Ergebnis der beiden größten deutschen Geldinstitute aus: Die Commerzbank erreichte im Szenario eine Kernkapitalquote von 8,0 Prozent. Die Deutsche Bank landet im simulierten Krisenszenario bei 8,8 Prozent. Von Jahresbeginn bis Ende September hatten die deutschen  Institute zusätzliches hartes Eigenkapital von 14,4 Milliarden Euro Eigenkapital aufgenommen, das in den Szenarien der EZB noch nicht berücksichtigt wird. 

Auch nach der Bilanzprüfung, dem so genannten Asset Quality Review (AQR), besteht bei den untersuchten deutschen Banken kaum Wertberichtigungsbedarf. Nur 0,3 Prozent der risikogewichteten Aktiva musste in den Bilanzen angepasst werden. Für die Prüfung hatte die EZB in Deutschland 18.000 Kreditakten und 15.000 Sicherheiten geprüft.

Entsprechend zufrieden gibt man sich beim deutschen Bankenverband. Das europäische Finanzsystem sei durch die Tests „deutlich stabiler geworden“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer. „Allein die deutschen Banken haben seit dem vergangenen Jahr ihre Eigenkapitalpuffer um einen zweistelligen Milliardenbetrag aufgestockt.“ Es sei das Ziel erreicht worden, „sämtliche nationale Altlasten“ offenzulegen, bevor die Europäische Zentralbank die Bankenaufsicht übernehme.

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