Deutsche Banken: Privatkunden bringen wieder gutes Geld

Deutsche Banken
Privatkunden bringen wieder gutes Geld

Die Banken verdienen in Deutschland mit Privatkunden wieder Geld, wie eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting zeigt. Doch die Aussichten sind ungewiss, auch wegen der Krise in Japan.
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Frankfurt

Auswirkungen der Krise in Japan auf das weltweite Privatkundengeschäft der Banken hängen sehr stark davon ab, wie lange die Unsicherheit um den Reaktorunfall anhält. "Wenn die Katastrophenhelfer die Lage beispielsweise in vier Wochen im Griff haben sollten, würde sich die Havarie auf das Retailgeschäft kaum auswirken. Dann könnten die Banken davon ausgehen, dass die Kunden sich nicht dauerhaft auf defensive Anlageprodukte konzentrieren werden, die in der Regel geringere Margen abwerfen", sagt Reinhard Messenböck, Partner und Bankenexperte bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG).

Vor dem GAU in Japan hatte sich die Stimmung und Geschäftslage im Retailgeschäft der Kreditinstitute deutlich aufgehellt. Während die US-Banken noch mit den Auswirkungen der Hypothekenabschreibungen und dem schwieriger werdenden Kreditkartengeschäft zu kämpfen haben, steigen die Gewinne der europäischen Institute. Sowohl der Index für die Einnahmen als auch das Barometer für die Gewinne vor Steuern im Massenkundengeschäft hat sich im vierten Quartal 2010 erholt, die Profitabilität liegt in Europa mit 85 Indexpunkten deutlich über den Krisenjahren 2008 und 2009.

"In Deutschland waren die untersuchten Banken erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise durchweg in den schwarzen Zahlen", sagt Messenböck. BCG wertet überwiegend die Zahlen der börsennotierten Großbanken aus, aber auch die Volksbanken und Sparkassen hatten 2010 mit Zuwächsen beim Vorsteuergewinn von 27 Prozent respektive gut 20 Prozent sehr gut abgeschnitten. Die Wertpapiererträge erholen sich und die Zinsüberschüsse sprudeln, beobachtet Messenböck. Zwar sei die Anzahl der Wertpapierdepots in Deutschland geschrumpft, gleichzeitig aber deren Kurswert gestiegen, meldet die Postbank. Ende 2010 habe der Gesamtwert der Papiere 809 Milliarden Euro betragen und somit um neun Prozent höher gelegen als Ende 2009. Dadurch haben sich die Wertpapiererträge leicht erholt, zumal der Anteil des Aktienvermögens im Depot laut Postbank seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 um fast 55 Prozent zugelegt hat.
Allerdings könnte das günstige Umfeld aus der aktuellen Zinsstruktur und einer relativ gut laufenden Börse auch wieder schnell drehen, warnt BCG-Experte Messenböck. Deshalb versuchten die Banken jetzt, den Vertrieb deutlich zu stärken, um auch langfristig die Erträge zu steigern und Marktanteile zu gewinnen.

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