Deutsche Banken und der Fußball-Skandal
„Die Fifa steht auf der schwarzen Liste“

Die deutsche Bankenwelt jubelt still. In der Korruptionsaffäre beim Weltfußballverband Fifa taucht kein hiesiges Geldhaus in den Ermittlungsunterlagen auf. Die Deutschen fürchteten wohl den schlechten Fifa-Ruf.
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FrankfurtÄrger, nein danke! Bevor Banken heute neue Kundenbeziehungen eingehen, prüfen ihre Controlling-Abteilungen genau, ob sie sich damit Probleme ins Haus holen könnten. Der Weltfußballverband Fifa ist für viele deutsche Geldhäuser deshalb bereits seit langem ein rotes Tuch, wie mehrere Banker der Nachrichtenagentur Reuters sagten. „Die Fifa steht bei uns schon einige Zeit auf der schwarzen Liste, weil die Reputationsrisiken zu groß sind“, berichtet ein Mitarbeiter eines großen deutschen Geldhauses. „Wir wollen mit denen nicht gemeinsam in der Zeitung stehen“, heißt es auch bei einer anderen deutschen Bank. Die Gefahr für den eigenen Ruf sei größer als der mögliche Ertrag.

Durch die jüngsten Entwicklungen bei der Fifa fühlen sich viele Geldhäuser bestätigt. Ermittler aus den USA und der Schweiz gehen dem Verdacht nach, dass bei der Vergabe von Weltmeisterschaften Schmiergeld geflossen ist. Präsident Joseph Blatter hat wegen des größten Korruptionsskandals in der Geschichte der Fifa am Dienstag seinen Rücktritt erklärt. In der Anklageschrift der US-Ermittler finden sich die Namen diverser globaler Banken, über die verdächtige Geschäfte abgewickelt wurden. Deutsche Institute sucht man vergebens.

Banker führen das auch darauf zurück, dass es hierzulande immer wieder kritische Berichte über das Geschäftsgebaren der Fifa gegeben hat. Geschäfte mit dem Weltverband wären vor diesem Hintergrund zu brisant gewesen, sagte eine mit dem Thema vertraute Person. Außerdem sei es auch eine Lehre aus der Finanzkrise, dass Banken bei der Auswahl von Kunden gewissenhafter vorgehen müssten als in der Vergangenheit. „Das Thema hat an Bedeutung gewonnen.“ Die Fifa selbst gibt sich gelassen. Die Frage, ob der Verband Probleme habe, seine Bankgeschäfte abzuwickeln, verneinte Sprecherin Delia Fischer.

Glückspiel, Waffenhandel, Prostitution

Europa hat die Vorschriften für Banken in diesem Bereich 2005 verschärft, um die „Nutzung des Finanzsystems zum Zwecke der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung“ zu verhindern, wie es in der entsprechenden EU-Richtlinie heißt. In anderen Regionen der Welt gibt es ähnliche Regeln, die unter dem Begriff „Know Your Customer“ („Kenne Deinen Kunden“) - kurz KYC - bekannt sind. Sie verpflichten Institute, potenzielle Kunden und die Herkunft deren Gelder zu überprüfen. Gibt es den Verdacht, dass Geld gewaschen oder illegale Geschäfte abgewickelt werden sollen, muss die Bank den Kunden abweisen.

Grundsätzlich gebe es drei Kategorien von Namen, die auf schwarzen Listen landeten, sagte ein Banken-Insider. Ganz oben stehen demnach Unternehmen und Personen, gegen die Sanktionen verhängt wurden. Zur zweiten Kategorie zählen Firmen aus umstrittenen Branchen wie Glücksspiel, Waffenhandel oder Prostitution. Hinzu kommen Projektfinanzierungen, die bestimmte Umwelt- und Sozialstandards - die sogenannten Äquator-Prinzipien - nicht erfüllen. Das kann etwa beim Bau von Staudämmen oder Kohlekraftwerken in Naturschutzgebieten der Fall sein.

Der Umgang mit Kunden der dritten Kategorie - zu der auch die Fifa zählt - ist für die Finanzinstitute besonders schwer. Hier können sich die Banker nicht auf interne oder externe Vorschriften berufen, sondern müssen ihrem Bauchgefühl vertrauen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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