Deutsche Börse buhlt um Euro-Clearing
Ein Köder für die Brexit-Flüchtlinge

Die Deutsche Börse geht in die Offensive: Im Kampf um die Abwicklung von Derivatgeschäften macht sie den umworbenen Großbanken nun ein verlockendes Angebot. Sie sollen am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden.
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FrankfurtDer Kuchen, um den alle kämpfen, ist riesig. 469 Milliarden Euro beträgt das Nominalvolumen an Zins-Swaps in Euro, das täglich gehandelt und über das Londoner Clearinghaus LCH abgewickelt wird. Bei diesen Instrumenten, mit denen sich Unternehmen und Investoren gegen Zinsschwankungen absichern, haben die Briten fast ein Monopol. Über 95 Prozent aller Geschäfte laufen über LCH.

Doch dabei soll es nach dem Willen vieler europäischer Politiker und Finanzmarktaufseher nicht bleiben. Sie sind der Ansicht, dass das Geschäft nach dem Brexit auf den Kontinent verschoben werden muss. Neben Paris, wo eine Tochter von LCH beheimatet ist, rechnet sich vor allem die Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing in Frankfurt gute Chancen aus – und geht nun mit einem neuen Modell in die Offensive.

Zusammen mit sechs Großbanken hat das Unternehmen in den vergangenen Monaten klangheimlich ein Konzept entwickelt, durch das eine Verlagerung von Clearinggeschäften für alle Beteiligten schmackhafter wird. Denn die zehn größten Kunden sollen künftig am wirtschaftlichen Erfolg von Eurex Clearing beteiligt werden – und in einem Kunden-Komitee und im Aufsichtsrat bei wichtigen Entscheidungen eingebunden werden. Mit von der Partie sind die Deutsche Bank, die Commerzbank sowie die großen US-Institute Bank of America Merrill Lynch, Citi, JP Morgan und Morgan Stanley.

Abwicklungshäuser wie Eurex Clearing und LCH stellen sich im Handel zwischen Käufer und Verkäufer und springen ein, falls einer der Beteiligten ausfällt. So sollen die Transparenz und Sicherheit des Finanzsystems erhöht werden. Im Rahmen des Brexit stehen die Banken, die zu den größten Clearing-Kunden gehören, nun vor gewaltigen Herausforderungen. Denn sie müssen ihr milliardenschweres Euro-Clearinggeschäft bis zum Austritt Großbritanniens im März 2019 möglicherweise verlagern.

„Diese marktorientierte Initiative nutzt den Kunden und stärkt den gesamten Finanzmarkt, da sie Wahlmöglichkeiten und Wettbewerb fördert“, sagt Eurex-Clearing-Chef Eric Müller. Auch die beteiligten Banken zeigen sich zufrieden. Der Vorstoß erhöhe die Flexibilität „und steigert die Auswahl für unsere globale Kundenbasis“, erklärt Citi-Manager Jerome Kemp. „Dieses Programm ist ein konstruktiver Beitrag und wird dem Markt helfen, die politischen und regulatorischen Herausforderungen in unserer Industrie zu meistern“, betont sein Kollege Sam Wisnia von der Deutschen Bank.

Auch der hessische Finanzminister Thomas Schäfer lobte den Vorstoß. „Damit wächst der Wettbewerb im Clearing-Markt, auch wenn wir alle heute noch nicht wissen, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen verändern werden“, erklärt der CDU-Politiker. „Der Finanzplatz Frankfurt wird davon profitieren, denn das Clearing wird für deutsche und internationale Player attraktiver.“

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Frankfurt macht's wie London

Kommentare zu " Deutsche Börse buhlt um Euro-Clearing: Ein Köder für die Brexit-Flüchtlinge"

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  • Der Chef ist in London ob er ein paar Krümmel für die EU-Loser hat ?

  • Falls das Euro Clearinggeschäft in London verbleibt ist das genau so logisch, wie den Sitz der EZB nach Zürich zu verlegen. Mein Gott, gib der EU dieses bischen Kraft und Selbstvertrauen ...

  • DEUTSCHE BÖRSE
    Kunden sollen Teil des Erfolgs erhalten
    Datum:
    09.10.2017 11:21 Uhr

    ------------------------

    Der KUNDE erhält ZAHLTAG und NICHT ERFOLG !

    WEIL die Aktienkurse bei dem DAX momentan bei 13000 Punkte sich befinden und diese Blase wird platzen !!!

    Der Kunde bezahlt dann den hohen Preis da er alles verliert !!!

    Wer Aktien kauft entlastet die Unternehmer !!!
    Die Unternehmer könnten dann mit diese Gelder bei sich investieren !

    Doch was soll man Investieren wenn die Politik ( etwa der Europäischer Union eher zerstört ) die Erfolge stark demoliert !!!

    Dann sollten firmen sich die eigene Aktien eher zurück kaufen als die Gelder bei der EZB zu belassen !!!

    Geld ist weltweit eher unnötig und überflüssig, und Aktien sind nur tatsächlich wert was dessen Unternehmen her geben !

    WAS GIBT DEUTSCHLAND HER WAS AUS CHINA NICHT BESSER UND BILLIGER NACH DEUTSCHLAND IMPORTIERT WERDEN KÖNNTE ???

    WOZU NOCH MIT " MADE IN GERMANY " ANGEBEN ???

    ===>>> " MADE IN GERMANY DIESEL ABGAS-SKANDAL ? "

    Und wenn man in ganz Deutschland den Manager fragt welche Zukunftsperspektiven diese für sich selber und ihre eigene Zukunft sehen erfragen würde, dann würde man fest stellen können dass die meiste davon sich schon in andere Kontinente umgeschaut hatten ob dort sich für diese selber keine bessere Perspektiven anbieten würden als in den momentanen firmen in Deutschland !

    Wenn es für Manager so perspektivlos aussieht wie soll es dann für den kleinen Facharbeiter aussehen in der Zukunft ? Erst recht düster für die Permanente 30 MILLIONEN EU-DAUER-ARBEITSLOSEN !!!

    Also sind die Firmen auch nicht das Wert was diese momentan auf der große DAX-BLASE darstellen !!!

    Der Kleinanleger verliert dabei am meisten wenn die Blase platzt weil Er/Sie meistens das einzigster vermögen da hinein gebuttert hatte !!!

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