Deutsche Börse Carsten Kengeter tritt zurück

Nach den monatelangen Ermittlungen wegen Insider-Handels zieht Carsten Kengeter die Reißleine und tritt von seinem Chef-Posten beim Frankfurter Börsenbetreiber zurück. Der CEO verlässt den Dax-Konzern zum Jahresende.
Update: 26.10.2017 - 18:21 Uhr Kommentieren

Deutsche-Börse-Skandal: „Kengeter war schon lange untragbar“

Deutsche-Börse-Skandal: „Kengeter war schon lange untragbar“

DüsseldorfNach quälenden neun Monaten zieht Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter die Konsequenz aus einer Insideraffäre und tritt zurück. Der ehemalige Investmentbanker räumt seinen Posten zum 31. Dezember 2017, wie der Dax-Konzern nach einer Krisensitzung des Aufsichtsrates am Donnerstag mitteilte.

„Der Aufsichtsrat hat den Rücktritt mit großem Bedauern akzeptiert“, teilte das Unternehmen mit. Wer Kengeters Nachfolger werden soll, wolle man „in Kürze“ bekanntgegeben. Kengeter werde den Konzern so lange weiter führen und habe dafür „das volle Vertrauen des Aufsichtsrats“. Kengeter selbst erklärte, die Entscheidung sei ihm schwergefallen. „Angesichts der öffentlichen Vorwürfe und Behauptungen will ich mit diesem Schritt vor allem die Deutsche Börse schützen“, sagte er laut Mitteilung. „Ich werde mein Verfahren mit Sorgfalt zu Ende bringen. Für die Deutsche Börse mache ich mit meiner Entscheidung den Weg frei für einen Neuanfang.“

Im Februar hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den 50-Jährigen aufgenommen. Es ging um ein lukratives Aktiengeschäft in Millionenhöhe aus dem Jahre 2015 – vor dem Bekanntwerden der Fusionspläne mit der Londoner Börse LSE. Der Versuch, mit der Zahlung von Geldbußen eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens zu erreichen, war Anfang der Woche am Widerstand des Frankfurter Amtsgerichts gescheitert, die sich damit der Lesart der Finanzaufsichtsbehörde Bafin anschloss.

Kengeter hatte im Rahmen eines speziell für ihn geschnürten Vergütungsprogramm Mitte Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro Deutsche-Börse-Aktien gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Der Konzern packte 69.000 weitere Anteilsscheine drauf. Gut zwei Monate nach dem Aktiengeschäft machten Deutsche Börse und LSE ihre – inzwischen gescheiterten – Fusionspläne öffentlich, was die Kurse trieb.

Die Ermittler werfen Kengeter vor, schon im Sommer 2015 mit der LSE-Führung Gespräche über einen Zusammenschluss der beiden Unternehmen geführt und das Aktiengeschäft in diesem Wissen getätigt zu haben. Aufsichtsrat, Vorstand und Kengeter persönlich hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. Nun jedoch gehen die Ermittlungen weiter.

Zwischenzeitlich hatte sich der Konzern mit der Staatsanwaltschaft auf eine Einstellung gegen Geldauflagen verständigen können: Kengeter hätte 500 000 Euro aus seinem Privatvermögen an die Staatskasse zahlen sollen. Die Börse war bereit, zwei Geldbußen in Gesamthöhe von 10,5 Millionen Euro zu akzeptieren.

Dabei ging es um die Rolle des Unternehmens im Zusammenhang mit den Insidervorwürfen sowie die Kritik, die Börse habe die Finanzmärkte zu spät über die Fusionsgespräche mit der LSE informiert. Das Amtsgericht entschied sich aber gegen einen Deal. Angesichts des Gewichts der Vorwürfe und der Stellung des Beschuldigten sei eine Einstellung nicht angemessen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter.

Den Verantwortlichen bei der Deutschen Börse lief die Zeit davon: Der Aufsichtsrat hatte sich darauf festgelegt, erst nach dem Abschluss aller Verfahren über eine Verlängerung von Kengeters Ende März 2018 auslaufendem Vertrag zu entscheiden.

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