Deutsche Börse: Ein Scheitern kann sich niemand erlauben

Deutsche Börse
Ein Scheitern kann sich niemand erlauben

Die Fusion von Deutscher Börse und Nyse Euronext ist eine Zweckehe. Dennoch wird sie gelingen. Ein Scheitern kann sich keiner von beiden erlauben. Ein Kommentar von Thorsten Giersch.
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Die Zahlen, die die Deutsche Börse für 2010 vorgelegt hat, darf man wohl solide nennen. Klammert man die Abschreibungen auf die US-Tochter ISE und weitere Einmaleffekte aus, stand unter dem Strich ein höherer Gewinn als im vergangenen Jahr. Und auch die Analystenerwartungen konnte die Börse auch toppen.

Doch bei genauerem Hinsehen verdeutlicht das Zahlenwerk genau, wo die Probleme des Konzerns stecken: Der Gewinnanstieg basiert im Wesentlichen auf massiven Kosteneinsparungen, die Zinseinnahmen sind weggebrochen und die Umsätze treten auf der Stelle. Nun mögen die Zinsen irgendwann mal wieder anziehen, wenn die Notenbanker ihre expansive Geldpolitik satt sind. Auf einen schnellen Umsatzaufschwung zu wetten, wäre angesichts des harten Wettbewerbs der Börsenbetreiber dagegen fahrlässig. Und die Kosten lassen sich auch nicht ewig weitersenken. Die Deutsche Börse hat hier schon sehr viel Potenzial ausgeschöpft.

Die Jahresbilanz ist damit der beste Beleg dafür, warum es für die Deutsche Börse zur Zweckehe mit den Kollegen aus New York und Paris keine Alternative gibt. Nur ein Zusammenschluss schafft die Möglichkeit weiterer deutlicher Kostensenkungen. Und auch operativ kann die Verbindung Früchte tragen: Im von Computern und Automatismen dominierten Börsenhandel gilt die Devise: "Big is beautiful". Dort, wo die Liquidität im Handel groß ist, zieht sie weitere Liquidität an.

Die Manger in Frankfurt und New York haben die Zeichen der Zeit erkannt. Und sie wissen beide, dass es sich nicht um eine Liebesheirat handelt. Das erhöht die Chancen, dass das Projekt gelingt.

Wichtig ist, dass die Verantwortlichen ihre Eitelkeiten außen vor lassen, wenn es darum geht, die kritischen Punkte zu klären: Wie sollen die genannten Synergien von 450 Millionen Euro genau gehoben werden? Wo gibt es die heftigsten Einschnitte?

Von den Antworten sind die Verantwortlichen noch weit entfernt. Den ersten Streit gab es ja schon bei der Namenswahl. „DB Nyse Group“ ist verworfen. Warum sollte die Deutsche Börse vorne stehen, fragen die Amerikaner.

Solche Kleinigkeiten dürfen das Projekt nicht gefährden. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Und an schlechter Erfahrung mit gescheiterten Fusionen mangelt es der Deutschen Börse wahrlich nicht. Einen weiteren Fehlschuss kann sich der Konzern nicht erlauben.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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