Deutsche Börse
Gericht lässt Kengeter nicht vom Haken

Das Amtsgericht Frankfurt lehnt einen Vergleich ab, mit dem das Insider-Verfahren gegen Carsten Kengeter beendet werden sollte. Die Chancen auf einen neuen Vertrag für den Deutsche-Börse-Chef sinken damit weiter.
  • 0

FrankfurtSeit neun Monaten hält das Ermittlungsverfahren gegen Vorstandschef Carsten Kengeter die Deutsche Börse schon auf Trab. Und am Montagabend haben sich die Hoffnungen des Unternehmens zerschlagen, dass diese Leidenszeit bald ein Ende hat. Denn das zuständige Amtsgericht Frankfurt hat einen Vergleich abgelehnt, auf den sich die Deutsche Börse, Kengeter und die Staatsanwaltschaft Mitte September verständigt hatten.

„Dem Gericht erscheint eine Fortführung der Ermittlungen angesichts der Bedeutung des Verfahrens derzeit opportun“, erklärte die Deutsche Börse in einer Pflichtmitteilung an die Märkte. Die weitergehenden Ermittlungen könnten „von einer Einstellung des Verfahrens mangels hinreichenden Tatverdachts bis hin zur Anklageerhebung führen“. Das Gericht habe den Fall an die Staatsanwaltschaft zurückgegeben, die nun über das weitere Vorgehen entscheiden werde.

Kengeter hatte sich im Dezember 2015 im Rahmen eines Vergütungsprogramms mit Aktien der Deutschen Börse eingedeckt. Die Ermittler glauben, er habe damals schon über die inzwischen geplatzte Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) verhandelt, und werfen ihm Insiderhandel vor. Zudem hat die Deutsche Börse die Märkte aus Sicht der Ermittler zu spät über die Gespräche mit der LSE informiert.

Das Unternehmen und der Vorstandschef haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Dennoch stimmten sie vor einem Monat einem Angebot des Staatsanwalts zu, die Verfahren gegen die Zahlung eines Geldbetrags einzustellen. Die Deutsche Börse sollte wegen Organisationsverschuldens ein Bußgeld von 10,5 Millionen Euro überweisen, Kengeter selbst 500.000 Euro.

Die Zeit läuft gegen Kengeter

Doch die Finanzaufsicht Bafin machte Finanzkreisen zufolge anschließend in einer Stellungnahme an das Gericht klar, dass sie den Vergleich ablehnt. Eine vergleichsweise billige Einstellung wäre aus Sicht der Behörde ein falsches Signal, schließlich hat die EU erst kürzlich schärfere Sanktionen bei Verstößen gegen das Wertpapierhandelsgesetz ermöglicht, hieß es in Aufsichtskreisen. Zudem sei die Bafin grundsätzlich der Ansicht, dass der Fall weiterverfolgt werden sollte.

Die Stellungnahme der Bonner Behörde war nicht bindend. Dennoch schloss sich das Gericht nun ihrer Sichtweise an. Der Staatsanwalt kann nun weiter ermitteln, das Verfahren einstellen oder Anklage gegen Kengeter erheben. Sollte er weiter ermitteln und über ein Amtshilfeersuchen auch im Umfeld der LSE in Großbritannien weitere Informationen einholen, könnte das nach Einschätzung von Experten mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Hinzu kommt, dass die Bafin und die hessische Börsenaufsicht nach dem Abschluss der Ermittlungen in separaten Verfahren auch noch Kengeters Eignung als Vorstandschef prüfen wollen. Aufsichtskreisen zufolge gibt es in den Fachabteilungen beider Behörden Zweifel an der Zuverlässigkeit des Börsen-Chefs.

Die Zeit läuft in jedem Fall gegen Kengeter, schließlich gilt sein Vertrag bei der Deutschen Börse nur noch bis Ende März. Und der Aufsichtsrat des Unternehmens hat deutlich gemacht, dass er sich mit einer möglichen Vertragsverlängerung erst nach einem positiven Votum der Aufsichtsbehörden befassen würde.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Dienstag, es sei möglich, dass die Ermittlungen bis über das Ende von Kengeters laufendem Vertrag hinaus andauerten. Kengeter, der seine Unschuld beteuert, hat sich bislang Hoffnungen auf eine Vertragsverlängerung gemacht. Ein Sprecher der Börse sagte, noch sei völlig unklar, welchen Umfang die Ermittlungen annehmen würden und wie hoch dadurch die zeitliche Belastung Kengeters ausfallen werde.

Andreas Kröner
Andreas Kröner
Handelsblatt / Finanzkorrespondent

Kommentare zu " Deutsche Börse: Gericht lässt Kengeter nicht vom Haken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%