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Deutsche Börse nimmt neuen Anlauf

Die Deutsche Börse startet einen neuen Versuch, eine europäische Mega-Börse zu schaffen. Geht es nach den Plänen von Börsenchef Reto Francioni, soll sich die Frankfurter Börse mit Euronext zusammenschließen. Francionis-Vorgänger strebte eine Fusion mit der Londoner Börse ein.

HB FRANKFURT. Die Deutsche Börse will sich mit Euronext zur größten europäischen Börse zusammenschließen. "Eine Fusion von Deutscher Börse und Euronext wäre ein großer Schritt zu einer Integration des gesamten europäischen Finanzmarktes", sagt Reto Francioni, seit November Vorstandschef der Deutschen Börse, am Mittwoch in Frankfurt. Auf diese Weise würde die "erste europäische Börsenorganisation" entstehen, die weltweit von Bedeutung wäre. Bisher habe es Gespräche, aber noch keine Verhandlungen gegeben, sagte Francioni. Hauptsitz eines gemeinsamen Börsenkonzerns soll Frankfurt sein.

Die umworbene Euronext reagierte reserviert auf die Offerte aus Deutschland. Der Vorschlag werde geprüft, sagte ein Sprecher. Bereits vor zwei Wochen hatte die von der Pariser Börse beherrschte Euronext mit offiziellem Sitz in Amsterdam klargestellt, dass eine Zentrale in Frankfurt nicht in Frage komme. Stattdessen plädiert Euronext für Amsterdam als „neutralen Platz“. Euronext entstand 2000 aus dem Zusammenschluss der Börsen in Amsterdam, Brüssel und Paris. Inzwischen gehört auch der Handelsplatz in Lissabon dazu.

Francionis Vorgänger an der Spitze der Deutschen Börse, Werner Seifert, strebte eine Fusion mit der Londoner Stock Exchange (LSE) an. Er scheiterte im vergangenen Jahr mit seinem Plänen vor allem am Widerstand von Hedgefonds um den britischen Fonds TCI. Mit einer Fusion mit Euronext wären die Fonds dagegen einverstanden, weil sie den Aktienkurs in die Höhe treibt, verlautete in der Branche. Francioni wies Behauptungen zurück, er verfolge die Fusion nur, um Großaktionäre zu besänftigen. „Wir stehen keineswegs unter Druck“, sagte der Börsenchef.

Francioni erklärte weiter, bei einer Fusion müßten die Interessen der jeweiligen Finanzplätze berücksichtigt werden. Die Leitung der Geschäftsbereiche solle so auf die bestehenden Standorte von Deutscher Börse und Euronext verteilt werden, dass es zu einem „fairen Ausgleich“ zwischen den beteiligten Finanzzentren komme. Die nationalen Kassamärkte sollten auf keinen Fall angetastet werden. Sein Ziel sei eine „Fusion unter Partnern“.

Der Börsenchef versuchte zudem, kartellrechtliche Bedenken gegen einen Zusammenschluss zu zerstreuen. Diese beträfen, wenn überhaupt, den Bereich Wertpapierverrechnung (Clearing). Die umsatzstärkste Sparte Clearstream (Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren) sei kein Thema.

Die europäischen Börsen ringen seit fast einem Jahrzehnt um eine Konsolidierung der Branche, die viele Experten wegen des ständig steigenden Kostendrucks auf die Anbieter für dringend geboten halten.

Gute Jahreszahlen stärken Francioni jetzt offenbar den Rücken bei seinen Fusionsplänen. Die Deutsche Börse steigerte 2005 ihren Umsatz um 13 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss kletterte von 266 Millionen Euro auf 427 Millionen Euro. Der Aktienkurs erreichte am Morgen kurzzeitig ein Rekordhoch und lag am Mittwoch Nachmittag mit 106,50 Euro um knapp ein Prozent über dem Stand des Vortages. Die Dividende soll von 70 Cent je Aktie auf 2,10 Euro erhöht werden.

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