Deutsche Börse und London Stock Exchange Kengeter will Finanzplatz Frankfurt teuer verkaufen

Beim Zusammenschluss der Deutschen Börse und der London Stock Exchange sei der Standort London nicht verhandelbar. Carsten Kengeter will dagegen, dass der Standort Frankfurt bei Verhandlungen nicht zu billig wegkommt.
Update: 25.02.2016 - 15:45 Uhr
Als Chef für die fusionierte Firma vorgesehen. Quelle: Reuters
Carsten Kengeter

Als Chef für die fusionierte Firma vorgesehen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtBei der geplanten Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) sind die wichtigen Posten schon vergeben. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wird nach Handelsblatt-Informationen aller Voraussicht nach den zusammengeschlossenen Börsenbetreiber lenken. Ein Sprecher der Deutschen Börse sagte dazu am Donnerstag, sein Unternehmen kommentiere Spekulationen nicht. LSE-Verwaltungsratschef Donald Brydon soll seinen Posten nach Handelsblatt-Informationen auch im fusionierten Unternehmen übernehmen. Der seit sieben Jahren amtierende LSE-Chef Xavier Rolet würde ausscheiden.

Der Sitz der Dachgesellschaft für den größten europäischen Börsenbetreiber soll London werden. Dies sei „nicht verhandelbar“ für die Vertreter der London Stock Exchange, schrieb das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf eine eingeweihte Person. Die „Financial Times“ schränkte ein, der Ausgang der Abstimmung über einen Verbleib Großbritanniens in der EU könnte die Wahl des Konzernsitzes noch beeinflussen.

Kengeter scheint das nicht so eng zu sehen: Er ist vom Wert der angestrebten Fusion mit der Londoner Börse für den Finanzplatz Frankfurt überzeugt. „Mir würde es im Traum nicht einfallen, irgendetwas unter Wert zu verkaufen. Ich glaube, das ist eine faire Angelegenheit sowohl quantitativ als auch qualitativ“, sagte Kengeter bei einer Veranstaltung des Union International Club am Donnerstag in Frankfurt. „Ich würde diese Gespräche nicht führen, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass das für den hiesigen Standort und für die Deutsche Börse Gruppe das absolut Beste ist.“

Die größten Börsenbetreiber der Welt
Platz 10: BM&F Bovespa
1 von 10

Die Bedeutung der brasilianischen Börse hat in den vergangenen Monaten stark gelitten. Das Land steckt tief in der Rezession. Neben den hausgemachten Problemen lastet auch die globale Konjunktureintrübung auf dem südamerikanischen Schwellenland. Die Börse in Brasilien hat sich dementsprechend katastrophal entwickelt. Auf Jahressicht hat der Bovespa über 15 Prozent verloren. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung reicht es deswegen nur für den zehnten Platz.

Marktkapitalisierung: 4,6 Milliarden Euro*

*Stand: 23. Februar 2016

Platz 9: Singapore Exchange
2 von 10

Die Singapore Exchange ist 1999 aus der Fusion der Stock Exchange of Singapore und der Singapore International Montary Exchange hervorgegangen. Insgesamt sind knapp 800 Unternehmen an der Börse in Singapur gelistet.

Marktkapitalisierung: 5,0 Milliarden Euro

Platz 8: ASX
3 von 10

Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten hat auch Australien hart getroffen. Vor allem die Geschäfte mit dem Hauptabnehmer China verlaufen schleppend. Die jahrelang glänzend verlaufenden Geschäfte im Eisenerzhandel sind nicht mehr so gewinnbringend. Auf Jahressicht hat die ASX knapp 15 Prozent verloren. Das ging an der Marktkapitalisierung nicht spurlos vorbei.

Marktkapitalisierung: 5,3 Milliarden Euro

Platz 7: Japan Exchange Group
4 von 10

Die Börse in Tokio hat ein lange Geschichte. Gegründet wurde sie 1878. Seit 1999 gibt es keinen Parketthandel mehr, sondern nur noch den elektronischen Börsenhandel. Neben dem Tokyo Stock Exchange existierte noch die Osaka Securities Exchange, 2011 fusionierten sie. Die Japan Exchange Group ging 2013 an den Start und ist laut Marktkapitalisierung die siebtgrößte der Welt.

Marktkapitalisierung: 7,6 Milliarden Euro

Platz 6: Nasdaq
5 von 10

Die Nasdaq startete im Februar 1971 als vollelektronische Handelsplattform. Ihre ganz große Zeit hatte die Nasdaq in den 90er-Jahren. Inzwischen muss sie hart um Marktanteile kämpfen. Das Wahrzeichen der Börse im Herzen New York ist die Wand mit Bildschirmen. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung liegt die Nasdaq zwar noch vor der Japan Exchange Group, doch der Abstand zu den Spitzenplätzen ist groß.

Marktkapitalisierung: 9,5 Milliarden Euro

Platz 5: London Stock Exchange
6 von 10

Die London Stock Exchange (LSE) könnte bald mit der Deutschen Börse fusionieren. Das Interesse der Deutschen ist allerdings nicht neu. Bereits 2004 buhlten die Deutsche Börse um die LSE. Damals scheiterten die Verhandlungen, weil den Londonern das Angebot zu niedrig war. Die LSE ist mit 3000 handelnden Unternehmen aus über 70 Ländern der internationalste aller Handelsplätze und über 300 Jahre alt.

Marktkapitalisierung: 12,2 Milliarden Euro

Platz 4: Deutsche Börse
7 von 10

Bei einem Zusammenschluss könnte das fusionierte Unternehmen aus Deutscher Börse und LSE zu einem der größten Börsenbetreiber der Welt aufsteigen. Aktuell liegen die Deutschen schon auf Platz 4.

Marktkapitalisierung: 15,9 Milliarden Euro

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) hatten nach Marktgerüchten am Dienstag ihre Absicht öffentlich gemacht, zusammenzugehen. Bis spätestens 22. März muss nun nach britischen Vorgaben entweder ein bindendes Angebot gemacht oder der Deal vorerst abgeblasen werden. „Wir müssen uns in irgendeiner Form anbinden an die Liquiditätspools anderer Finanzzentren, die in der Regel größer sind als die Liquiditätspools in Frankfurt“, sagte Kengeter.

Der seit Juni amtierende Börsenchef sieht den geplanten Zusammenschluss auch als politisches Statement gegen einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens („Brexit“). Es gehe darum, „den europäischen Gedanken, das europäische Projekt durch vorausschauendes Handeln“ zu bestärken. „Das ist das Grundmotiv für diese Transaktion.“ Es sei wichtig, „dass eine europäische Finanzmarktinfrastruktur in Europa bleibt und nicht irgendwo anders landet oder von irgendwo anders bestimmt wird“, sagte Kengeter.

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