Deutsche Börse und LSE

Finanzminister geht nicht auf Konfrontationskurs

Der hessische Finanzminister deutet Entgegenkommen in der Diskussion um den Standort der europäischen Superbörse aus Deutscher Börse und LSE an. Regulierung und Sitz müsse man auseinanderhalten, sagt Thomas Schäfer.
In Deutschland gibt es viel Kritik am Vorhaben, den Holdingssitz der Börse in London anzusiedeln. Quelle: dpa
Superbörse

In Deutschland gibt es viel Kritik am Vorhaben, den Holdingssitz der Börse in London anzusiedeln.

(Foto: dpa)

FrankfurtTrotz erheblicher Zweifel am Londoner Firmensitz des neuen Gemeinschaftsunternehmens der Deutsche Börse und London Stock Exchange ist die Holding-Struktur für den Genehmigungsprozess der hessischen Landesregierung nicht entscheidend.

„Regulierung und Sitz der Holding muss man auseinanderhalten“, erklärte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) im Interview mit Bloomberg News. „Der hessische Wirtschaftsminister wird schlicht nach Recht und Gesetz prüfen.“

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wirbt in Deutschland für den Zusammenschluss, um international gegenüber den US-Börsen wettbewerbsfähig zu sein. Mit der geplanten Fusion im Wert von 25 Milliarden Euro soll der größte Börsenbetreiber in Europa entstehen. Kengeter soll das neue Unternehmen führen, die Holding in London angesiedelt und das Tagesgeschäft an ihren bisherigen Standorten in Frankfurt und London unverändert weitergeführt werden.

Ende Juli haben bereits die Aktionäre dem Zusammengehen zugestimmt. Die EU-Kommission und hessische Landesregierung prüfen noch die Fusionspläne. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte sich kurz nach Bekanntwerden der Fusion skeptisch zum Sitz der Holding geäußert. Es müsse geklärt werden, „ob das Land seinen Aufsichtspflichten entsprechen kann, wenn der Sitz der Holding in Großbritannien sein soll“.

Die Bedenken bestehen weiter. „Der Sitz der Holding ist immer noch ein Thema und ich glaube, dass die britische Seite noch Zeit braucht, um einzusehen, dass das Modell an dieser Stelle noch eine Veränderung erfahren sollte“, sagte Schäfer. Doch mit Blick auf das anstehende Genehmigungsverfahren stellte der Minister klar, dass man den Sitz der Holding und die börsenrechtliche Genehmigung „sicherlich ein Stück voneinander trennen“ muss.

Die größten Börsenbetreiber der Welt
Platz 10: BM&F Bovespa
1 von 10

Die Bedeutung der brasilianischen Börse hat in den vergangenen Monaten stark gelitten. Das Land steckt tief in der Rezession. Neben den hausgemachten Problemen lastet auch die globale Konjunktureintrübung auf dem südamerikanischen Schwellenland. Die Börse in Brasilien hat sich dementsprechend katastrophal entwickelt. Auf Jahressicht hat der Bovespa über 15 Prozent verloren. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung reicht es deswegen nur für den zehnten Platz.

Marktkapitalisierung: 4,6 Milliarden Euro*

*Stand: 23. Februar 2016

Platz 9: Singapore Exchange
2 von 10

Die Singapore Exchange ist 1999 aus der Fusion der Stock Exchange of Singapore und der Singapore International Montary Exchange hervorgegangen. Insgesamt sind knapp 800 Unternehmen an der Börse in Singapur gelistet.

Marktkapitalisierung: 5,0 Milliarden Euro

Platz 8: ASX
3 von 10

Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten hat auch Australien hart getroffen. Vor allem die Geschäfte mit dem Hauptabnehmer China verlaufen schleppend. Die jahrelang glänzend verlaufenden Geschäfte im Eisenerzhandel sind nicht mehr so gewinnbringend. Auf Jahressicht hat die ASX knapp 15 Prozent verloren. Das ging an der Marktkapitalisierung nicht spurlos vorbei.

Marktkapitalisierung: 5,3 Milliarden Euro

Platz 7: Japan Exchange Group
4 von 10

Die Börse in Tokio hat ein lange Geschichte. Gegründet wurde sie 1878. Seit 1999 gibt es keinen Parketthandel mehr, sondern nur noch den elektronischen Börsenhandel. Neben dem Tokyo Stock Exchange existierte noch die Osaka Securities Exchange, 2011 fusionierten sie. Die Japan Exchange Group ging 2013 an den Start und ist laut Marktkapitalisierung die siebtgrößte der Welt.

Marktkapitalisierung: 7,6 Milliarden Euro

Platz 6: Nasdaq
5 von 10

Die Nasdaq startete im Februar 1971 als vollelektronische Handelsplattform. Ihre ganz große Zeit hatte die Nasdaq in den 90er-Jahren. Inzwischen muss sie hart um Marktanteile kämpfen. Das Wahrzeichen der Börse im Herzen New York ist die Wand mit Bildschirmen. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung liegt die Nasdaq zwar noch vor der Japan Exchange Group, doch der Abstand zu den Spitzenplätzen ist groß.

Marktkapitalisierung: 9,5 Milliarden Euro

Platz 5: London Stock Exchange
6 von 10

Die London Stock Exchange (LSE) könnte bald mit der Deutschen Börse fusionieren. Das Interesse der Deutschen ist allerdings nicht neu. Bereits 2004 buhlten die Deutsche Börse um die LSE. Damals scheiterten die Verhandlungen, weil den Londonern das Angebot zu niedrig war. Die LSE ist mit 3000 handelnden Unternehmen aus über 70 Ländern der internationalste aller Handelsplätze und über 300 Jahre alt.

Marktkapitalisierung: 12,2 Milliarden Euro

Platz 4: Deutsche Börse
7 von 10

Bei einem Zusammenschluss könnte das fusionierte Unternehmen aus Deutscher Börse und LSE zu einem der größten Börsenbetreiber der Welt aufsteigen. Aktuell liegen die Deutschen schon auf Platz 4.

Marktkapitalisierung: 15,9 Milliarden Euro

Trotz Bedenken zur Standortwahl räumt man in der hessischen Landesregierung ein, dass es mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union einen weiteren guten Grund für die Börsenfusion zwischen London und Frankfurt gibt. „Die Fusionsüberlegungen haben mit und ohne Brexit eine individuelle Logik“, so Schäfer. Ohne Brexit wäre es ein europäisches Bollwerk gegenüber den großen Börsen in den USA und im asiatischen Raum. „Mit Brexit hat eine fusionierte Börse die zusätzliche Komponente einer möglichen Brückenfunktion zwischen Kontinentaleuropa und dem frisch aus der EU ausgeschiedenen Großbritannien - allerdings unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen.“

Mit Blick auf das Genehmigungsverfahren mahnte Schäfer somit: „Durch den Brexit wird die zu beurteilende Rechtslage aber sicher nicht weniger komplex als sie ohne das Ausscheiden Großbritannien sowieso gewesen wäre.“

  • Bloomberg
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