Deutsche Börse und Nyse
Francioni macht Druck

Der Wille ist da, die grundsätzliche Einigung auch - aber noch fehlt einiges, bis die Deutsche Börse und die Nyse Euronext wirklich fusionieren. Woran es nicht fehlt, ist die blanke Notwendigkeit. Das belegen nicht zuletzt die gestern Abend vorgelegten Zahlen der Deutschen Börse. Die Konkurrenz in aller Welt schläft nicht.
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Düsseldorf/Frankfurt/New York/TokioNicht jeder Mitarbeiter innerhalb der Deutschen Börse ist mit Vorstandschef Reto Francioni einer Meinung, dass die geplante Fusion mit der Nyse Euronext erforderlich ist. Das gilt vor allem für die Arbeitnehmervertreter, die einen Stellenabbau befürchten.

Doch die gestern Abend vorgelegten Zahlen belegen, dass sich etwas ändern muss bei dem Börsenbetreiber: Die Deutsche Börse hat 2010 nur noch rund anderthalbmal so viel verdient wie ihr Fusionspartner NYSE Euronext. Unter dem Strich stand bei der Deutschen Börse ein Überschuss rund 638 Millionen Euro.

Der Konzern hat im Schlußquartal unter hohen Abschreibungen im Zusammenhang mit der 2007 übernommenen US-Optionsbörse ISE gelitten hat. Operativ rutschte der Konzern in die Verlustzone. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag bei minus 219 Millionen Euro nach einem Verlust von 166,3 Millionen Euro im vierten Quartal 2009. Im letzten Jahresviertel 2010 beliefen sich die Abschreibungen auf 450 Millionen Euro.

Die durchwachsenenen Zahlen der Deutschen Börse sind nur ein Beleg dafür, warum der Zusammenschluss mit der Nyse Euronext, so notwendig ist. Beide Börsenbetreiber stehen mächtig unter Druck und drehen den Spieß nun ein Stückweit um. Für die Branche hat der geplante Zusammenschluss der beiden Schwergewichte weitreichende Folgen. Der Druck auf die anderen werde jetzt deutlich steigen, sagt etwa Larry Tabb, Gründer der New Yorker Börsenberatungsfirma Tabb Group. "Wir werden bald noch weitere Fusionen sehen". Letztlich könnten drei bis fünf global agierende Konzerne übrig bleiben, schätzt Rich Repetto, Analyst beim Broker Sandler O'Neil in New York.

Hinweise darauf gibt es viele. Gestern meldete sich beispielsweise Edemir Pinto zu Wort. Man halte nach möglichen "Geschäftsverbindungen" Ausschau, ließ der Chef der brasilianischen Börse BM&F Bovespa im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters wissen. Interessant seien Handelsbetreiber in China und Indien - oder die Chicagoer Rohstoffbörse CME. Die wiederum soll ein Konkurrenzangebot für Nyse Euronext vorbereiten, wie gestern zeitweise in den USA spekuliert wurde. "Reine Spekulation", sagte Nyse-Chef Niederauer. "Wir beobachten die Entwicklung der Branche wie alle anderen Beteiligten", hieß es bei der CME in Chicago.

Unter Hochdruck verhandeln auch die Londoner Börse (LSE) und ihre Konkurrentin aus Toronto (TMX) über einen Zusammenschluss. Während die Kanadier nach wie vor skeptisch sind, wirbt LSE-Chef Xavier Rolet für eine Fusion. Es gehe darum, sich Wachstumschancen in den Schwellenländern und an den Rohstoffbörsen zu sichern. Aus der Fusion zwischen LSE und TMX würde die weltweit größte Börse für Rohstoffwerte entstehen.

Mit Spannung erwarten Experten, wie die großen Börsen in Asien auf die Allianzen im Westen reagieren. In der vergangenen Woche hatte bereits die Börse in Hongkong, der nach Marktkapitalisierung bislang noch größte Handelsbetreiber der Welt, angekündigt, sich verstärkt nach Partnern umzuschauen.

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