Deutsche Pfandbriefbank
Wenn selbst die „gute Bank“ zur „Bad Bank“ wird

Der Österreich-Schock frisst sich in die Bücher von Geldhäusern wie der Deutschen Pfandbriefbank. Eine aufgekündigte Bürgschaft Kärntens schockt vor allem das deutsche Geldwesen. Viele Banken sehen nur einen Ausweg.
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MünchenEigentlich sollte die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) die „gute Bank“ sein. Das Münchener Institut ist die Nachfolgerin der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), die in der Finanzkrise vor dem Aus gestanden hatte. Die HRE wurde damals aufgespalten, die guten Teile der Bank wurden auf die pbb übertragen, die schlechten HRE-Wertpapiere landeten in der FMS Wertmanagement.

Doch es zeigt sich: Auch die pbb hat Papiere in ihren Büchern, die einst als solide galten und sich jetzt als Ausfälle entpuppen. Forderungen von insgesamt 395 Millionen Euro gegenüber der österreichischen Heta sind das Problem.

Die Heta ist die „Bad Bank" der Hypo Alpe Adria. Auch das Kärntner Institut hatte sich verspekuliert, musste vom österreichischen Staat aufgefangen werden und wird nun unter dem Namen Heta Asset Resolution abgewickelt.

Zahlreiche Banken und Versicherungen haben in der Vergangenheit Papiere der Hypo Alpe Adria gekauft, weil sie mit einer Ausfallbürgschaft des österreichischen Bundeslandes Kärnten versehen waren und daher als besonders sicher galten. Doch Anfang März verhängte die österreichische Finanzmarktaufsicht ein Moratorium über die Heta. Die Bürgschaften für Heta-Verbindlichkeiten waren damit außer Kraft gesetzt und eine Schockwelle verbreitete sich durch das Finanzsystem. Die Gläubiger müssen nun ihre Bilanzen bereinigen.

Abschreibungen um 79 Millionen Euro aufgestockt

Zahlreiche Institute klagen wegen des österreichischen Vorgehens. So hat die NRW Bank in Frankfurt Klage eingereicht. Die Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen klagt auf die vollständige Rückzahlung ihrer Bonds im Nominalwert von 275,5 Millionen Euro.

Die pbb hatte in einer ersten Reaktion auf die Nachrichten aus Österreich eine Wertberichtigung in Höhe von 120 Millionen Euro vorgenommen. Doch das reichte nicht. Am späten Mittwochabend verschickte sie eine Mitteilung mit der Nachricht, die Abschreibungen um 79 Millionen Euro aufzustocken.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte in der Woche nach Ostern die Branche aufgefordert, Anleihen und Kredite an die Heta um mindestens 50 Prozent abzuschreiben, wie das Handelsblatt zuerst berichtet hatte. Dieser Vorgabe folgt die pbb jetzt.

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FMS Wertmanagement und andere reichen Klagen ein

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  • Nun, dann sollte halt gepfändet werden.
    Kärnten hat ein Einkommen, nämlich Steuern, oder?

    Wenn ich eine Bürgschaft unterschreibe, bin ich schliesslich auch dran, warum sollte das bei einem Bundesland anders sein?

  • Das Problem war und ist, dass weltweit Risiken aufgebaut werden und dafür gute Zinsen genommen wurden (derzeit eher nicht). Wenn es dann schief geht, soll wer anderes dafür haften. Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste. So kann es nicht weitergehen. Chance und Risiko müssen wieder in einer Hand sein. Ich weiß nicht, ob der Staat Österreich für seine Bundesländer haften muß. Wenn es so ist, ist das aber falsch. Wenn jeder sich darauf verlassen kann, dass wertlose Bürgschaften von anderen eingelöst werden müssen, dann ist Moral Hazard doch Tür und Tor geöffnet, siehe Finanzmarktkrise.

  • Interessant was sie so alles schreiben immer davon ausgehen, daß der Staat seine
    Schulden begleicht. Der Staat hat aber nie vor, seine Schulden zu bezahlen
    und hat es auch am Ende nie wertgleich getan. Warum auch. Im Zweifel schöpft er neues Geld. Es gibt mehr Geld als Heu auch wenn sie es nicht glauben.

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