Deutsche Tochterfirma Verkauf von Generali Leben auf dem Prüfstand

Der Verkauf der deutschen Tochter Generali Leben könnte dem italienischen Versicherungskonzern Generali Analysten zufolge etwa eine Milliarde Euro bringen. Doch was wird aus ComosDirekt und AachenMünchener Leben?
Update: 13.07.2017 - 18:24 Uhr Kommentieren
Der italienische Versicherungskonzern trennt sich vielleicht von seiner deutschen Tochter. Quelle: dpa
Generali

Der italienische Versicherungskonzern trennt sich vielleicht von seiner deutschen Tochter.

(Foto: dpa)

Frankfurt/LondonDer Verkauf der deutschen Tochter Generali Leben könnte dem italienischen Versicherungskonzern Generali Analysten zufolge etwa eine Milliarde Euro bringen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Mittwoch erfahren, dass der Konzern aus Triest die US-Investmentbank Morgan Stanley beauftragt hat, die Chancen für einen Verkauf von Generali Leben auszuloten. Es wäre der mit Abstand größte Bestand an Lebensversicherungen, der in Deutschland den Besitzer wechselt. Die UBS schätzte den Erlös, den Generali erzielen könnte, auf 700 bis 900 Millionen Euro. „Das scheint strategisch vernünftig“, urteilte Analyst Colm Kelly am Donnerstag. Damit ließen sich einige Probleme lösen. Die Credit Suisse glaubt sogar an einen Verkaufserlös von mehr als einer Milliarde Euro.

Mögliche Käufer für das Portfolio mit mehr als 44 Milliarden Euro Kapitalanlagen seien bereits angesprochen worden, sagten Insider. Für Generali Leben dürften sich vor allem Abwickler wie Viridium, Frankfurter Leben und Athene interessieren. Die Münchener Generali Leben hatte das Neugeschäft mit klassischen Lebensversicherungen mit langfristigen Garantien Ende 2015 eingestellt. Damals waren 1,35 Millionen Verträge im Bestand, aktuellere Zahlen gibt es nicht. In Generali Leben war die traditionsreiche Volksfürsorge aufgegangen.

2017 bekommen Sie noch mal weniger
Lebensversicherung
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Die schwierigen Zeiten für Kunden von Lebensversicherungen finden kein Ende. Auch im nächsten Jahr bekommen deutsche Sparer für ihr Lieblingsprodukt in Sachen Altersvorsorge geringere Gutschriften als bisher. Nachdem die drei Schwergewichte Allianz, Axa und Ergo ihre laufende Verzinsung für das nächste Jahr bekannt gegeben haben, gilt es als ausgemachte Sache, dass die Kleineren der Branche nachziehen und bis Jahresende ebenfalls gesunkene Renditen für 2017 präsentieren.

Rendite im Abwärtssog
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Die Gesamtrendite der klassischen Lebensversicherung ergibt sich aus mehreren Komponenten. Zum einen aus dem Garantiezins, dessen Höhe bei Abschluss der Versicherung für die gesamte Laufzeit festgelegt wird. Gerade hier mussten Sparer in der andauernden Niedrigzinsdürre Abschläge hinnehmen. Zum anderen aus dem Überschuss, der aus den angelegten Geldern erwirtschaftet wird. Garantiezins und Überschussbeteiligung bilden zusammen die laufende Verzinsung. Hinzu kommen noch Schlussüberschuss, Sockelbetrag und der Anteil an den Bewertungsreserven.

Allianz
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Die beste Verzinsung bietet derzeit die Allianz mit ihren neuaufgelegten Policen. Mit einer laufenden Verzinsung von 2,9 Prozent und 0,8 Prozent aus Schlussüberschuss und Bewertungsreserven ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,7 Prozent. Der Trend geht weg von den klassischen Kapitallebensversicherungen. Die neuartigen Policen sind eine Reaktion der Versicherer auf die schwierigen Niedrigzinsen. Sie zeichnen sich durch einen geringeren Garantiezins aus, weisen aber eine höhere Flexibilität auf, was den Spielraum in der Geldanlage geht. Gesichert sind sie durch eine Bestandsgarantie auf die Einlagen. Um Kunden zu locken, versprechen sie eine höhere laufende Verzinsung. Denn die Konzerne wissen: Ohne gewisse Garantien und Sicherheiten wird man deutsche Sparer nicht überzeugen.

R+V
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Wie andere große Lebensversicherer zahlt auch die R+V zahlt ihren Kunden im kommenden Jahr eine geringere Überschussbeteiligung. Die Gesamtverzinsung sinkt 2017 um 0,4 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent. Die laufende Verzinsung liegt dann noch bei 2,7 Prozent und damit wohl immerhin über dem Marktdurchschnitt.

Allianz Klassik
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Auch wenn die Versicherer angesichts der niedrigen Zinsaussichten nicht mehr zu den klassischen Kapitallebensversicherungen raten, sind sie immer noch die beliebteste Vorsorgeklasse. Hier verwaltet Marktführer Allianz ganze zehn Millionen Verträge, was den Münchenern eine Kapitalstärke verschafft, mit der sie die Konkurrenz überbieten können. Von 3,1 Prozent fällt die laufende Verzinsung für 2017 auf 2,8 Prozent. Mit Schlussüberschuss und Sockelbetrag ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,4 Prozent für das kommende Jahr.

Axa Leben
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Der weltgrößte Erstversicherer Axa aus Frankreich bietet für seine deutsche Lebensversicherungstochter 3,4 Prozent an Gesamtrendite an. Sie setzt sich aus aus 2,9 Prozent laufender Verzinsung und 0,5 Prozent an Sockelbetrag zusammen. Experten der Ratingagentur Assekurata rechnen nach den neuen Zahlen der großen Versicherer, dass sich das Niveau der laufenden Verzinsung 2017 im Schnitt bei rund 2,6 Prozent einpendeln wird.

Alte Leipziger
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Die Lebensmittelsparte des Versicherungskonzerns Alte Leipziger-Hallesche bietet ihren Besitzern 2017 ein Rendite von insgesamt 3,15 Prozent, von denen 2,65 Prozent die laufende Verzinsung ausmachen. Sparer müssen branchenweit vor allem beim Garantiezins Abstriche hinnehmen. Betrug dieser vor einigen Jahren noch vier Prozent, kommt er aktuell auf 1,25 Prozent und 2017 lediglich 0,9 Prozent.

Generali betonte, ein Verkauf von Portfolios in Deutschland sei nur eine von mehreren Möglichkeiten. „Dieser Prüfprozess läuft noch“, sagte ein Sprecher. Generali Leben sei von der Niedrigzinsphase stärker betroffen als die deutschen Schwesterfirmen CosmosDirekt und AachenMünchener Leben. Diese hatten sich schon früher auf fondsgebundene und Risiko-Lebensversicherungen konzentriert, weil diese kapitalschonender sind. Generali Leben habe sich in den vergangenen beiden Jahren stark auf Kostensenkungen und Kapitalmanagement konzentriert. „Dadurch ist die Gesellschaft heute in einer sicheren und gesünderen Lage“, sagte der Sprecher. Morgan Stanley wollte sich nicht äußern.

Generali-Chef Philippe Donnet will mit dem Verkauf von 13 bis 15 Töchtern bis 2018 mindestens eine Milliarde Euro erlösen. Zum Verkauf stehen auch die Einheiten in den Niederlanden und in Belgien. Die Generali-Aktie legte am Donnerstag 1,5 Prozent zu.

Der Verkauf geschlossener Bestände von Lebensversicherungen zur Abwicklung – im Fachjargon „Run-off“ genannt – gilt in Deutschland noch als Tabu. Bisher haben nur eine Handvoll meist kleiner Bestände den Besitzer gewechselt: Zuletzt ging die Arag Lebensversicherung an die Frankfurter Leben, hinter der die chinesische Fosun und die BHF-Bank stehen. Einige Versicherer – wie der Branchenriese Ergo – wickeln Bestände ohne Neugeschäft lieber selbst ab als sie zu verkaufen.

Lebensversicherer stehen angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen immer mehr unter Druck. Die Finanzaufsicht BaFin fordert hohe Rückstellungen für die langfristigen Zins-Garantien, die sie gegeben haben und die sich heute kaum noch erwirtschaften lassen. Die Abwicklungsfabriken setzen dagegen auf effiziente Bearbeitung und Größenvorteile. Die Bafin wacht darüber, dass die Kunden nicht schlechter gestellt werden.

  • rtr
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