Deutscher Markt: Nur wenig Hoffnung für Finanzinvestoren

Deutscher Markt
Nur wenig Hoffnung für Finanzinvestoren

Für Finanzinvestoren sind in Deutschland die guten Tage schon lange vorbei. Daran wird sich auch in diesem Jahr wenig ändern. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.
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FrankfurtNoch im Frühjahr vergangenen Jahres kamen die Großen der Finanzinvestoren ins Schwärmen, wenn sie von der Zukunft sprachen. David Rubinstein, ein Pionier der Branche, der mit Carlyle einen der Top-Private-Equity-Fonds weltweit führt, sah gar goldene Zeiten kommen. Zeiten, nach denen die Branche in Deutschland heute verzweifelt sucht und sie nicht findet. Schon im zweiten Halbjahr 2011 hatte die Finanzkrise tiefe Spuren in der Private-Equity-Branche hinterlassen. Und das neue Jahr steht für die Beteiligungsgesellschaften ebenfalls unter keinem guten Stern.

Die meisten Investoren rechnen frühestens in sechs Monaten mit einer spürbaren Erholung. „Zurzeit befinden wir uns in einer sehr schwierigen Marktphase. Es gibt nur wenige Private-Equity-Transaktionen. Meistens sind diese kleiner, da größere Deals nur schwer zu finanzieren sind“, sagt Martin Suter, der bei der Investmentbank Rothschild das Geschäft mit Finanzinvestoren im deutschsprachigen Raum führt.

Nachdem sich europäische Banken bei der Finanzierung der Deals zurückgehalten hätten, lägen viele Transaktionen derzeit auf Eis. Einige Geldhäuser hätten kein oder nur ein geringes Interesse an Leveraged-Buy-outs, also an Übernahmen mit einem hohen Fremdfinanzierungsanteil.

Der Grund: Die Banken stünden „mehrheitlich unter großem Druck, ihre Bilanzen zu reduzieren“, ergänzt Suter. Kleine Deals seien aber weiterhin möglich, allerdings müsse eine breitere Gruppe von Finanzpartnern angesprochen werden, die einen Teil der Kredite übernehmen soll, als dies bislang der Fall war.

Die deutschen Finanzinvestoren haben die Durststrecke nicht verlassen, die bereits im zweiten Halbjahr 2008 begonnen hat. Während die Branche 2006 mit einem Transaktionsvolumen von knapp 51 Milliarden einen Rekord markierte, sank der Wert im vergangenen Jahr nach einer Erhebung der Beratungsgesellschaft Ernst & Young auf nur noch 5,3 Milliarden Euro.

Die Schuldenkrise in Europa, der starke Rückgang der Aktienkurse und eingetrübte Konjunkturaussichten verunsicherten. Alexander Kron, Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei Ernst & Young, erwartet frühestens in der zweiten Jahreshälfte eine Belebung bei Private Equity. Die Hoffnung wird auf nächstes Jahr verschoben. Dann könne sich das Blatt zum Guten wenden, da die Finanzinvestoren unverändert hungrig seien und den deutschen Markt für attraktiv hielten, so Kron.

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  • Der Markt für Kreditverkäufen ist auch recht tod. Das Klumpenrisiko eines Multi Millionenkredit möchte keiner haben. Wenn so eine Firma Probleme bekommt, hat die Bank auch ein Problem.

  • Ich glaube, man kann es mit pauschalen Aussagen, wer welche Interessen verfolgt, sich nicht immer so leicht machen.

    Hier meine Erfahrung mit Finanzinvestoren:

    Vor mehreren Jahren verkaufte ein Miteigentümer meines damaligen Arbeitgebers seinen Unternehmensanteil an den anderen Miteigentümer.

    Der Deal wurde von Finanzinvestoren abgewickelt. Der Kaufpreis wurde dem Unternehmen angelastet, dh. der Verschuldungsgrad des Unternehmens erhöhte sich und Eigenkapital eines Finanzinvestors wurde zusätzlich eingebracht, welches allerdings nur bis 2012 zur Verfügung steht.

    Die Kosten der Übernahme belasten die Unternehmung langfristig und stehen für andere Investitionen nicht mehr zur Verfügung. Wesentliche Forderungen der Finanzinvestoren wurden auch noch – in Kombination mit andren Ansprüchen - verbrieft und in „kleinen“ Stücken weiterverkauft.

    Persönlich fand ich die Sache nicht so schlecht, da ich eine einen Forderungbrief für Euro 50.000 Ende 2009 zum Kurs von 14 % gekauft habe und jetzt aufgrund der guten Konjunktur davon auszugehen ist, dass 2012 dieser mit einer Quote von fast 100 % (zzgl. Dividenden) zurückgezahlt wird.

  • Die Finanzinvestoren sind wesentlich für die Wirtschaftskrise verantwortlich. Bedenkt man z.B. die Machenschaften bei ATU: ein solides Unternehmen wurde ruiniert, ähnlich bei Märklin - dort war es schon deutlich kriminell.
    Immer das gleiche Muster: Kauf , Aussagen, Zerstören.
    Das Geld fließt in Taschen der reichen Eigner, die Beschäftigten werden vom Steuerzahler mit H4 bzw. Aufstockung aufgefangen.
    Typische Umverteilung von unten nach oben, DIE Ursache der Krise.

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