Devisengeschäfte gestoppt

Französische Banken verlieren Vertrauen

Französische Banken geraten immer stärker unter Druck. Wegen ihres starken Engagements in griechischen Bonds stoppt China Devisengeschäfte mit ihnen. Und auch Siemens zieht offenbar drastische Konsequenzen.
Update: 20.09.2011 - 12:03 Uhr 26 Kommentare
Die französischen Banken geraten unter Druck. Quelle: dpa

Die französischen Banken geraten unter Druck.

(Foto: dpa)

Paris/DüsseldorfDie Schreckensmeldung kam am vergangenen Mittwoch: Die Ratingagentur Moody's stufte die Bonität der französischen Großbanken Société Générale (SocGen) und Crédit Agricole (CA) herab. Das hatte sich zwar schon angedeutet hatte. Dennoch sackten die bereits stark gebeutelten Aktien der Institute ab.

Jetzt geht es weiter mit den Schreckensmeldungen, auch wenn es bisher nur Indizien, Gerüchte und Medienberichte sein. So hat laut der Nachrichtenagentur Reuters eine große chinesische Staatsbank bestimmte Devisengeschäfte mit mehreren europäischen Geldhäusern gestoppt. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten, es handele sich unter anderem um die französischen Banken Societe Generale, Credit Agricole und BNP Paribas.

Grund sei die Schuldenkrise in Europa. Ferner betroffen sei die Schweizer Großbank UBS wegen ihres milliardenschweren Handelsskandals. Gestoppt worden seien alle Devisenswap- und Devisentermingeschäfte.

Zudem gibt es laut Medienberichten einen weiteren Fall, der darauf hindeutet, dass die Privatwirtschaft das Vertrauen in französische Banken immer mehr verliert: Siemens soll vor rund zwei Wochen zwei Wochen mehr als 500 Millionen Euro an Barmitteln von einer französischen Großbank abgehoben haben. Das berichtete die  "Financial Times" und beruft sich auf informierte Kreise. Das Geld soll demnach nun bei der der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen. Um welche Bank es sich genau handele, ist noch nicht bekannt – es soll aber nicht die BNP Paribas sein.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet davon: Im Juli, vor der Veröffentlichung der Stresstestergebnisse, seien Einlagen in unbekannter Höhe verschoben worden. Grund für den Abzug des Geldes sei die Entwicklung der Anlage gewesen, nicht der Zustand der französischen Banken.

Ziel sei es gewesen, für das Geld einen sicheren Hafen zu finden. Hintergrund seien zum einen Sorgen um die künftige finanzielle Gesundheit der französischen Bank und zum anderen Anlagevorteile durch höhere Zinszahlungen der EZB, hieß es unter Berufung auf eine Person, die unmittelbar mit der Angelegenheit vertraut sei.

Der Vorgang habe bereits vor zwei Wochen stattgefunden. Insgesamt habe Siemens bei der EZB zwischen vier und sechs Milliarden Euro geparkt, größtenteils in Form von Einlagen, die über eine Woche laufen.

Siemens darf Geld bei der EZB parken, weil der Konzern inzwischen eine eigene Banklizenz hat. Genauso diese Möglichkeit war eines der Motive für die Gründung der Bank von Siemens - wenn auch nicht das zentrale. Der Konzern verfügte zuletzt über eine Nettoliquidität von mehr als 13 Milliarden Euro.

Siemens äußerste sich am Dienstagmorgen zu den Gerüchten mit den Worten, dass der Bericht "faktisch nicht korrekt" sei. Allerdings verzichtete der Konzern auf eine genauere Äußerung.

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26 Kommentare zu "Devisengeschäfte gestoppt: Französische Banken verlieren immer mehr Vertrauen"

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  • Mir war gar nicht bewusst, dass Siemens ne eigene Banklizenz hat. Das wirft gleich Fragen auf: kann sich Siemens so eigentlich direkt über die EZB finanzieren? Und was ist mit Kreditschöpfung? Wenn das alles für Siemens jetzt möglich ist, dann muss man hier doch als Anleger einsteigen. Der Konzern hat so doch einen Mega Wettbewerbsvorteil. Oder sehe ich das falsch?

  • Aber wenn die Banken die Anleihen halten,diese bedient werden und es zu keinem Zahlungsausfall kommt.Was dann?

  • Das muss dann aber schon eine richtige Kriegserklärung sein. Dies werden die europäischen Freunde Amerikas zu verhindern wissen ...

  • @ Hardie67:

    Schlechter als die Schweizer Banken? Nein. Natürlich gibt es dafür - noch - keine Beweise, aber starke Indizien: Die Schweizer Regierung hat - ohne vorherige Volksabstimmung - für die beiden Großbanken eine "unbegrenzte" Garantierklärung abgegeben, die jeden Schweizer mit 4,5 Mio. CHF ins Obligo stellt. Alleine die Verbindlichkeiten der UBS aus dem "regulären" Bankgeschäft beträgt das 4-fache der Jahreswirtschaftsleistung der Schweiz. EK-Quote der UBS unter 2%. Die Credit Suisse sieht nicht wirklich besser aus. Der Anteil dieser beiden Banken an dem weltweiten 700-Milliarden-$-Derivate-Müll-Markt (Zahl der BIZ) ist tödlich. Die Beteilgung der franz. Banken an diesem Ponzi-System ist deutlich geringer. Die Schweiz und ihre Banken: ein riesiger Mythos. Ach so, was Q4 betrifft: Singapur soll es richten, dazu darf aber an keiner Stelle in der Welt irgendeine negative Überraschung passieren. Diese Wahrscheinlichkeit ist aber, nach meiner Einschätzung, nicht sehr hoch.

  • nicht korrekt, das glauben alle seit "Goldfinger". Der größte Teil liegt in den Trsoren FED in NewYork und teilweise bei den franzosen in Paris!

  • @oekonomiker: Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu. Dennoch dürften die Franzosenbanken schlechter dastehen, da sie sich vermutlich wieder extrem verzockt haben. Der UBS-Vorstand kündigte als Ausgleich für die Milliardenverluste für das vierte Quartal ein hervorragendes Ergebnis der Investmentsparte an. Nun, das vierte Quartal beginnt erst am 1.10.! Offenbar hat man dort nun endgültig die "Alles oder Nichts"-Taste gedrückt. Der Schweizer Steuerzahler sollte sein Erspartes besser schon mal auf die Bermudas auslagern....

  • Das ist doch wohl schon längst offensichtlich: Es soll nicht GR gerettet werden, GR ist schon längst als "Default" eingeplant. Es geht ausschliesslich um die Rettung der Franzosenbanken durch den deutschen Steuerzahler. Möglich, dass Merkel und Sarko der DeuBa als Gegenleistung für's Stillhalten die günstige Übernahme der BNP "nach Rettung" versprochen haben ;-)))

  • Wie ich schon ein paar Kommentare zuvor geschrieben habe, sollte die E.U. eine klare Kampfansage an die USA schicken. Denn wir sollten uns nicht sturmreif schießen lassen, damit die USA ihren US-Dollar retten können!

  • Die franz. Banken stehen nicht schlechter da, wie die großen Banken in der Schweiz, Deutschland, Holland, Spanien, Italien, Amerika, China, usw. (Reihenfolge beliebig). Deshalb geht es hier nur um eins: Frankreich vorbereiten auf eine Rating-Herabstufung. Sonst nichts. Ist Frankreich abgefertigt, kommt das nächste Land an die Reihe. Die Ursache dafür ist Amerikas Währungskrieg gegen den Euro. Die vermeintliche Dollar-Vorherrschaft muss um jeden Preis und mit allen Mitteln so lange wie möglich verteidigt werden. Ergo geht auch keine der großen franz. Banken pleite, die Folgen für die weltweite Finanzwirtschaft wären, wegen der intensiven Geschäftsbeziehungen, fatal. Deshalb muss sich z. B. auch die Schweiz keine Gedanken über ihre völlig überschuldeten Großbanken keine Gedanken machen: Die Welt wird beide retten. Bevor sich jetzt wieder Kommentatoren auf meine Aussagen stürzen und in der Luft zerreissen: Bleibt gelassen, ich bin es auch. Warten wir einfach, wer am Ende recht behält. Gerne tue ich dann hier öffentlich Buße!

  • Liebe Mitbürger,

    die Einführung des EURO lag damals der Idee zugrunde, eine Währungsunion und nicht eine Transfer- oder Schuldenunion zu schaffen. Am 29. September diskutiert der Bundestag über eine "Reform" des Euro-Rettungschirms (EFSF). Unterm Strich soll Deutschland und damit sie liebe Mitbürger, für die Schulden anderer Länder mehr haften, als zuvor. Ich bitte sie daher, über Portale wie "abgeordnetenwatch" Kontakt zu ihren Vertretern des Bundestags aufzunehmen. Fragen Sie ihre Abgeordneten, ob sie für oder gegen eine Erweiterung des EFSF stimmen. Bitten sie um eine Begründung der Entscheidung. Ermuntern sich auch andere Mitbürger, ihre Volksvertreter zu kontaktieren. Schreiben sie Leserbriefe in Lokalzeitungen und machen sie auf das Thema aufmerksam. Das Volk ist nun gefragt!

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