Dexia-Gruppe
Drei Regierungen bringen Dexia-Rettung auf den Weg

Die Diplomatie der Benelux-Länder hatte Erfolg: Laut ersten Meldungen haben Frankreich, Belgien und Luxemburg eine tragfähige Lösung für die angeschlagene Dexia-Gruppe gefunden. Die Rettung könnte aus Russland kommen.
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BrüsselDie Tage der belgisch-französischen Dexia -Bank sind gezählt. Belgiens amtierender Ministerpräsident Yves Leterme und sein französischer Kollege Francois Fillon beschlossen am Sonntag in Brüssel die Aufspaltung und weitgehende Verstaatlichung des Instituts. Die in Griechenland stark als Finanzier aufgetretene Dexia ist damit das erste Opfer der Euro-Krise.

Leterme sagte nach dem zweistündigen Treffen, der belgische Arm - der vor allem das Filialgeschäft betreibt - werde vom Staat übernommen, gestützt und „in eine sehr sichere Bank verwandelt“. An gleicher Stelle - im Palais Egmont - hatte die Bank bereits 2008 gerettet werden müssen. Die Entscheidung über die Verteilung der Lasten könnte sich Leterme zufolge bis Montagmorgen hinziehen. Luc Frieden, der Finanzminister von Luxemburg, wo Dexia eine Privatbank für vermögende Kunden betreibt, nahm ebenfalls an den Beratungen teil.

Am Sonntagabend tagte auch der Dexia-Verwaltungsrat, um die Entscheidungen abzusegnen. Er dürfte den Startschuss für einen Verkauf der Auslandstöchter wie der türkischen Denizbank und der luxemburgischen Dexia BIL geben, von dem sich die liquiditätsschwache Bank Milliardeneinnahmen erhofft. Die Zeit drängt: Die Finanzmärkte schauen mit Argusaugen auf den Fall Dexia. Er gilt vielen Investoren als Test dafür, ob es Europas Staaten gelingt, den Zusammenbruch von Banken im Sog der Staatsschuldenprobleme zu verhindern.

Inzwischen diskutieren die Euro-Länder über neue Milliardenhilfen für die gesamte Branche, um diese auch gegen eine Staatspleite immun zu machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärten am Sonntag, bis Ende des Monats in einem Gesamtpaket zur Lösung der Krise auch Empfehlungen für eine Stützung betroffener Banken zu geben.

Dexia musste bereits im Jahr 2008 mit Milliarden von den Staaten am Leben gehalten werden. Nun droht infolge massiver Liquiditätsprobleme erneut der Kollaps. Dexia braucht dringend Mittel, um die von Bank vergebenen langfristigen Darlehen zu refinanzieren. Die Zwangslage ähnelt der der deutschen Hypo Real Estate (HRE), die - ebenfalls ein Staatsfinanzierer - in der Finanzkrise verstaatlicht werden musste. Wichtig ist Dexia vor allem als langfristiger Finanzier französischer Kommunen. Dieser Bereich soll abgespalten und von der französischen Staatsbank Caisse des Depots (CDC) und der Postbank (Banque Postale) aufgefangen werden. 95 Milliarden Euro an riskanten Papieren sollen in eine „Bad Bank“ gesteckt werden.

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  • Postbank, Commerbank, PBI (Portugal) genauso gefährdet wie Dexia- siehe hier: (Dokument als pdf: UBS-the-debt-crisis; google findet's)

    European Banks' net exposure to Greek sovereign debt and impact of a restructuring
    in EURmn
    Country Exposure to Greek Sovereign Debt Core Tier 1 ratio Core Tier 1 ratio
    Trading book Bank book Net total 40% loss adjusted 60% loss adjusted
    Postbank Germany 0 1'337 1'337 35.55% 5.67% 4.90% 4.51%
    Commerzbank Germany 0 2'900 2'900 19.02% 5.69% 5.28% 5.07%
    BPI Portugal 0 0 501 25.51% 7.51% 6.80% 6.44%
    Intesa Italy 207 568 776 2.97% 7.88% 7.79% 7.75%
    BPCE France 39 1197 1'197 3.75% 7.98% 7.86% 7.81%
    Credit Agricole France 120 535 655 2.10% 8.40% 8.34% 8.30%
    Soc Gen France 500 2'400 2'700 9.49% 8.50% 8.20% 8.06%
    Unicredit Italy 152 649 801 2.05% 8.58% 8.52% 8.48%
    Erste Austria 8 748 757 6.97% 9.07% 8.84% 8.72%
    ING Bank Netherlands 506 1'919 2'425 7.87% 9.60% 9.33% 9.19%
    BES Portugal 0 0 309 4.69% 9.62% 9.46% 9.37%
    LBBW Germany 87 1'357 1'389 10.07% 10.07% 9.71% 9.52%
    BCP Portugal 5 713 718 11.70% 10.30% 9.87% 9.65%
    HSH Nordbank Germany 1 196 196 4.58% 10.33% 10.16% 10.07%
    Deutsche Bank* Germany 0 0 1 '601 4.42% 10.45% 10.28% 10.20%
    HSBC** UK 800 300 1 '100 0.95% 10.53% 10.49% 10.47%
    RBS UK 854 1'511 2'365 4.10% 10.61% 10.45% 10.37%
    BNP Paribas France 479 4'539 5'046 7.84% 10.71% 10.41% 10.26%
    Dexia Belgium 3'461 1 3'462 21.60% 11.39% 10.51% 10.07%
    Rabobank Netherlands 0 0 408 1.33% 14.02% 13.96% 13.93%
    Greece exposure
    / core capital
    Core Tier 1
    ratio
    Sources: UBS WMR, UBS IB, BNP Paribas, CEBS, Fitch Ratings, company data
    * including Postbank figures ** quoted in USD
    UBS The debt crisis
    Wealth Management Research

  • Guten Tag,... Na dann .... Viel Freude damit. Besten Dank

  • Der Euro ist ein gescheitertes Experiment


    Die EU-Finanzminister haben am Dienstag zu verstehen gegeben, die Inhaber der griechischen Staatsan- leihen werden wohl grössere Verluste hinnehmen müssen. Es geht nicht mehr ob ein Schuldenschnitt passiert, sondern nur noch wie sie den Schaden daraus eindämmen können. Viele Banken die solche Papiere halten werden wegen den daraus resultierenden Abschreibungen in ihren Bilanzen deshalb pleite gehen. Die nächste Bankenrettungsaktion steht wohl vor der Tür und dann sind Italien, Spanien und Frankreich auch noch da und müssen gerettet werden ... Hallo!

    Moody's hat die Kreditwürdigkeit Italiens erneut herabgestuft. Aber auch die der UniCredit Bank, der Konzerne Eni und Enel und sogar der staatlichen italienischen Post. Die Finanzsituation Italiens sieht echt schlecht aus und das Land könnte der nächste Pleitekandidat sein.

    Die franko-belgische Bankengruppe Dexia ist mit 14,5 Milliarden Euro in italienische Staatsanleihen investiert. Das ist die grösste Position im Anleihenportfolio der Bank. Jetzt ist sie dem Bankrott noch näher gerückt und wird wohl gerettet werden müssen.

    Die Märkte schätzen die Ausfallwahrscheinlichkeit der Staatsanleihen von Portugal und Irland mit 50 Prozent ein. Die von Griechenland sogar mit 70 und mehr Prozent. Belgien wird wohl sein AAA-Rating verlieren. Das Trauerspiel geht immer weiter.

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