Die griechische Piraeus-Bank in Frankfurt
Ein Bankrun für Anfänger

Die Angst vor dem Grexit geht um: Griechenland droht die Pleite, alle Banken bleiben geschlossen. Alle? Nicht ganz: Denn in Frankfurt gibt es eine Filiale der Piraeus-Bank, die noch geöffnet hat. Ein Ortsbesuch.
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FrankfurtSchnell hin, bevor es zu spät ist: Als ich zur Frankfurter Filiale der Piraeus-Bank fahre, rechne ich fest damit, vor verschlossenen Türen zu stehen. Als Journalist ist man schließlich Berufsskeptiker. Doch der einzige Mensch, der es in der Filiale im Frankfurter Bahnhofsviertel eilig zu haben scheint, ist ein Handwerker, der gerade aus der Bank gelaufen kommt. Wahrscheinlich steht er im Parkverbot. Das soll ein Bankrun sein? Ich hatte mich auf vernagelte Fenster und wütende Kunden eingestellt. Jetzt stehe ich vor einer Bankfiliale, die wie jede andere aussieht. Und schlimmer noch: Sie ist sogar geöffnet.

Alles sieht geradezu verdächtig wie in jeder anderen Bank aus. Es gibt einen Schalter, diverse Schreibtische, ein paar Büropflanzen. Auf einem Werbeplakat hält eine freundlich lächelnde Frau ihre Kaffeetasse fest. „In Zeiten niedriger Zinsen auf der Suche nach renditestarken Geldanlagen? Ich habe meine gefunden“, steht da geschrieben. Was kann bei einem Zinssatz von 1,75 Prozent für zwölf Monate Festgeld schon schiefgehen?

Das will ich auch von einem Mitarbeiter der Bank wissen. Das Geld sei sicher. Er verweist auf das griechische Einlagensicherungssystem, das auch für die Frankfurter Filiale der Piraeus-Bank gilt. Es hafte für Spareinlagen bis 100.000 Euro. Nun ja. Auch Premierminister Alexis Tsipras hat versprochen, dass die Bankeinlagen der Griechen sicher sind. Trotzdem bildeten sich am Wochenende lange Schlangen vor den griechischen Geldautomaten, nachdem die Verhandlungen im Schuldenstreit gescheitert waren. Die griechischen Banken hängen am Tropf der Europäischen Zentralbank. Bis auf weiteres bleiben sie geschlossen. Zudem hat die Regierung Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, damit die Griechen ihr Geld nicht ins Ausland schaffen. Sie können am Tag nur 60 Euro pro Geldautomat abheben.

An der Frankfurter Filiale der Piraeus-Bank gibt es solche Beschränkungen nicht. Auch der Geldautomat funktioniert noch. Trotzdem will ich lieber nur zwanzig Euro abheben. Schließlich sind die griechischen Banken auch so schon klamm genug, da muss man es nicht noch schlimmer machen. Es wird spannend, denn erst einmal tut sich gar nichts. Das liegt aber nicht an Kapitalverkehrskontrollen, sondern daran, dass ich meine Pin falsch eingegeben habe. Beim zweiten Anlauf surren die Scheine sofort durch den Automaten: „Bitte entnehmen Sie Ihr Geld.“ Geht doch!

Ich scheine der einzige Mensch zu sein, der sich darüber wundert. In der Bank gehen Kunden ein und aus, Mitarbeiter sprechen auf dem Gang miteinander. Manche auf Deutsch, andere auf Griechisch. Der Chef lässt sich entschuldigen. Doch ein Banker erzählt mir, dass der Schuldenstreit natürlich auch hier das wichtigste Thema ist. Man telefoniere noch häufiger mit den Kollegen und Verwandten in der Heimat als sonst. Zitieren lassen will sich mein Gesprächspartner lieber nicht. Aber zwei Dinge werden mir klar: Die Leute hier tun, was sie können. Aber tun können sie nicht viel. Denn wie es mit den griechischen Banken weitergeht, liegt vor allem in den Händen der Politik.

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Wer ist eigentlich schuld?

Kommentare zu " Die griechische Piraeus-Bank in Frankfurt: Ein Bankrun für Anfänger"

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  • Was soll dieser stumpfsinnige Hinweis auf Kriegsverbrechen des 2. Weltkriegs?

    Das ist nun wirklich ein absolut anderes Thema und hat mit der aktuellen Situation nicht das geringste zu tun.

    Die Forderungen gegen Deutschland sind nach allgemeiner Rechtsauffassung mit de rLondoner Schuldenkonferenz abgegolten worden.

    Damit jetzt, 70 Jahre nach Kriegsende zu kommen, ist aberwitztig.

    Oder muss ich Griechenland meinen germanischen Ur-Ur-Ur- Ur......Onkle, der von Herakles anno 300 v..Ch. erschlagen wurde, in Rechnung stellen?

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