Diskussion um Eigenheimzulage sorgte für gutes Neugeschäft: Bausparkassen droht Einbruch

Diskussion um Eigenheimzulage sorgte für gutes Neugeschäft
Bausparkassen droht Einbruch

Für Renditejäger ist das Bausparen als Sparbuchersatz nicht mehr interessant

FRANKFURT/M. Nach dem Boom droht die Flaute. Die privaten Bausparkassen verbuchten 2003 beim Neugeschäft ein Plus von 32 %, mit Spitzen wie bei der Debeka von 57 %. Und auch die elf Landesbausparkassen gaben gestern bekannt, dass sie um fast ein Drittel zugelegt haben, die nordrheinwestfälische LBS West sogar 37 %. Doch diese Zahlen werden sich kaum wiederholen. Die niedrigen Zinsen, der Vertrauensverlust der Anleger nach dem Börsentief im Vorjahr und die Diskussion um die Streichung der Eigenheimzulage waren im vergangenen Jahr ausschlaggebend für das gute Geschäft der Bausparkassen. „Das wird in der Kombination nicht mehr der Fall sein“, schätzt Stefan Jokl, Sprecher des Verbands der privaten Bausparkassen. „Es wird sicherlich schwierig, das Niveau zu halten“, ist Jokl überzeugt.

Die Diskussion um die Abschaffung der Eigenheimzulage hat viele Deutsche dazu bewegt, ihren Traum von den eigenen vier Wänden eher zu realisieren als geplant. „Auf Grund der Sondereffekte des Vorjahres ist im Bereich der privaten Wohnungsbaufinanzierung mit einem eher rückläufigen Markt zu rechnen“, räumt auch Reinhard Wagner, Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Bausparkasse BHW Holding AG, ein. Der Verband rechnet für 2004 mit einem Rückgang der Baugenehmigungen um 20 %.

Beim Neugeschäft wiederum werden vor allem jene Kunden wegbleiben, die den Bausparvertrag als Sparbuchersatz genutzt haben. Da das Geld auf dem Sparbuch meist lächerlich niedrige Zinsen bringt, haben viele Anleger das Bausparen mit 4 % und mehr Verzinsung als renditestarke Alternative entdeckt. Vermögensverwalter hätten die Bausparkassen förmlich zugeschmissen mit Geld, berichtet Max Herbst, Inhaber des Finanzdienstleisters FMH. Viele legten dabei die gesamte Bausparsumme auf einmal an.

Diese „Sparbuch-Kunden“ machen bei einigen Anbietern einen erheblichen Teil des Neugeschäfts aus: „Kunden, die den Bausparvertrag als Passivprodukt nutzen, machen etwa ein Drittel bei uns aus“, schätzt BHW-Chef Wagner. Max Aigner, Sprecher der Geschäftsleitung der LBS Rheinlandpfalz stellt fest, dass 20 % seiner Kunden nicht zu dem geänderten Tarif gewechselt sind, der ihnen zwar niedrigere Zinsen, dafür aber günstigere Darlehen bot. „Die sind mehr auf die Rendite aus“, schließt er daraus.

Vor allem dank des besseren Börsenumfelds werden sich die Schnäppchenjäger dieses Jahr voraussichtlich nach anderen Anlageformen umsehen. „Ein Aktienmarkt-Crash ist in diesem Jahr nicht zu erwarten“, sagt Verbandssprecher Jokl und rechnet daher nicht mit einem weiteren Ansturm der Renditejäger. Die Vermögensverwalter werden in diesem Jahr ausbleiben, prophezeit auch Finanzdatenspezialist Herbst: „Der Boom, der kurzfristig bestand, kann sich nicht nochmal wiederholen“, sagt er. Schließlich müssten die meisten Verträge mindestens 18 Monate laufen, bevor sie zugeteilt werden. Das heißt, die Anleger kommen anderthalb Jahre nicht an ihr Geld und können es auch nicht in renditeträchtigere Alternativen investieren. „Wenn sie das Geld zwei Jahre liegen lassen, verpassen sie ja neue Chancen“, erklärt er.

Das Wegbleiben der Renditejäger vermiest zwar die Zahlen beim Neugeschäft, bietet aber nicht nur Grund zur Sorge: Denn wer nur die Rendite von 4 % und mehr abschöpft und dann kein Darlehen nimmt, bringt auch kein Geld. Deshalb haben einige Bausparkassen bereits im vergangenen Jahr einen Riegel vorgeschoben und etwa die Mindestlaufzeiten verlängert. Ein Beispiel ist die Bausparkasse Mainz (BKM): Hier gibt es das angesparte Geld nicht vor sieben Jahren – außer man baut. Deshalb sieht man hier dem Einbruch im Neugeschäft gelassen entgegen: „Uns tangiert das nicht“, sagt der Vorstandssprecher Peter Ulrich.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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