Dramatischer Stellenabbau
Investmentbanken ziehen die Notbremse

Die Aussichten für Investmentbanken sind düster. Die Gewinne sind eingebrochen und schrumpfen trotz Kapitalmarkterholung weiter. Viele Institute haben die Konsequenzen schon gezogen und einen Stellenabbau angekündigt.
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FrankfurtDiese Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der Personalentscheider in den Investmentbanken, die in den letzten Monaten massive Stellenstreichungen angekündigt haben. Die Gebühreneinnahmen im Investment-Banking in Deutschland liegen nach dem dritten Quartal 31 Prozent unter dem Vorjahr.

Schuld an der Misere in Deutschland ist die anhaltende Euro-Schuldenkrise. Viele Akteure trauen der jüngsten und kräftigen Erholung an den Börsen noch nicht. "Sowohl die Unternehmen als auch die Banken warten auf politische Lösungen, doch selbst wenn diese kommen, werden sie an den aktuellen Trends bis zum Jahresende wenig ändern", sagt Leon Saunders Calvert, der bei Thomson Reuters für die Deals der Banken weltweit zuständig ist.

Mit 393 Millionen Euro war das Herbstquartal dabei das zweitschwächste seit 2007. Seit Jahresanfang haben die Geldhäuser gerade mal 1,5 Milliarden Dollar hierzulande verdient. Das hat Thomson Reuters exklusiv für das Handelsblatt ermittelt. Damit dürften die 2,5 Milliarden Dollar aus den letzten drei Jahren unerreichbar sein. Utopisch erscheinen die 3,7 Milliarden Dollar aus dem Boomjahr 2007.

Die schwachen Zahlen kündigten sich schon in den Vorquartalen nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit an. Zusätzlich verteuern die neuen Eigenkapitalvorschriften "Basel III" bestimmte Geschäftsbereiche des Investment-Bankings.

Zahlreiche Banken haben bereits die Reißleine gezogen. Denn wo weniger verdient wird, müssen Kosten gesenkt werden: Deutsche Bank, UBS, Credit Suisse, Société Générale, BNP Paribas, Morgan Stanley, Goldman Sachs, JP Morgan und RBS kündigten bereits einen vierstelligen Stellenabbau an.

Gestern wurde bekannt, dass die japanische Nomura mit einem dramatischen Stellenabbau im europäischen Investment-Banking beginnt. In Finanzkreisen ist von 30 Prozent die Rede. Parallel dazu meldete Italiens größte Investmentbank Mediobanca einen Verlust von 24 Millionen Euro im abgelaufenen vierten Quartal.

In Deutschland wird zwar der Kuchen, der sich mit dem Investment-Banking verdienen lässt, insgesamt kleiner, an der Verteilung ändert sich dabei wenig. Topverdiener ist nach wie vor die Deutsche Bank, die mit 151,5 Millionen dennoch 37 Prozent weniger eingenommen hat als im Vorjahreszeitraum. In den Top 10 können sich einzig Morgan Stanley und die Landesbank Baden-Württemberg über Zuwächse freuen. Größter Verlierer ist die UBS, die von Platz zwei auf Platz 13 abrutscht.

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  • Hoffentlich reißen die Riemen der Notbremsen und fliegt ihnen alles Restliche noch um die Ohren!!

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