Dresdner Bank: Späte Einsicht der Nazi-Hausbank

Dresdner Bank
Späte Einsicht der Nazi-Hausbank

Die Dresdner Bank legt 2006 Rechenschaft über ihre Geschichte von 1933-1945 ab. Journalisten und Historiker hat die Bank nun eingeladen, um sich diesen zwölf Jahren zu stellen, die sie bisher so beharrlich verdrängt hat.

HB FRANKFURT/ BERLIN. Trostlos wirkt der Pariser Platz. Der Regen verjagt an diesem Freitag jeden Touristen von der zentralen Stätte Berlins zwischen Brandenburger Tor, Akademie der Künste, dem Edelhotel Adlon und den protzigen Bankgebäuden. Trostlos ist auch die Geschichte, die an diesem Tag im Eugen-Gutmann-Haus, der Hauptstadt-Repräsentanz der Dresdner Bank am Pariser Platz, analysiert wird. 61 Jahre hat das Institut gebraucht, um Rechenschaft über seine Geschichte von 1933 bis 1945 abzulegen – und sich attestieren zu lassen, wie tief es in die Nazi-Herrschaft und die Vernichtung der Juden verstrickt war. Journalisten und Historiker hat die Bank nun eingeladen, um sich diesen zwölf Jahren zu stellen, die sie bisher so beharrlich verdrängt hat.

Vor der Repräsentanz verteilen einsame Demonstranten durchnässte Flugblätter: „Die Naturfreunde-Jugend Berlin beglückwünscht die Dresdner Bank sehr herzlich zu diesem längst überfälligen Schritt“, steht darauf. Der überfällige Schritt ist das vierbändige Werk über die „Dresdner Bank im Dritten Reich“, das in der Dresdner-Repräsentanz vorgestellt wird. Eine knapp 1 400 Seiten dicke, 1,6 Millionen Euro teure Studie, die vier Historiker unter Leitung des Professors Klaus Dietmar Henke im Auftrag der Bank in acht Jahren zusammengetragen haben.

Schnell erweist sich der Presseraum im obersten Geschoss des Bankgebäudes als zu klein für die Fernsehteams und die schreibende Zunft. Mehr Platz wäre im Foyer. Dort findet aber kurz darauf ein wissenschaftliches Kolloquium statt. Ursprünglich hatten sich die Teilnehmer im Jüdischen Museum treffen sollen – auf Einladung des Museumsdirektors Werner Michael Blumenthal. Doch war dies für den Zentralrat der Juden in Deutschland eine schwer erträgliche Vorstellung. Er protestierte, warnte vor einer „kalkulierten Vereinnahmung“. Darauf verlegte die Dresdner Bank die Veranstaltung ins Eugen-Gutmann-Haus, benannt übrigens nach dem 1925 gestorbenen jüdischen Mitbegründer der Bank.

Was die Historiker dann in großer Detailfülle präsentieren, lässt erahnen, warum das Institut so beharrlich geschwiegen hat. So war die Dresdner Bank Großaktionär des Unternehmens Huta und damit indirekt am Bau der Gaskammern in Auschwitz beteiligt. Der Historiker und Mitautor Johannes Bähr spricht vom „bedeutendsten Engagement einer Bank bei einem Unternehmen“, das in Auschwitz Massenvernichtungsanlagen errichtet hat.

Henke bezeichnet das Institut überdies als „führenden Finanzdienstleister der obersten Raub- und Besatzungsbehörden im unterjochten Polen“. Es übte den Schulterschluss mit nationalsozialistischen Spitzenfunktionären bei der „Germanisierung“ der tschechischen Rüstungsindustrie und war aktiv an der „Arisierung“, der Konfiszierung des jüdischen Vermögens, beteiligt. Zudem galt das Institut bereits vor Kriegsbeginn als „Vertrauensbank der SS“.

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