Druck auf Finanzkonzerne
Bonität der Bankenriesen steht auf der Kippe

In den Frankfurter Bankentürmen wird es ungemütlich. Von der einen Seite drohen die Ratingagenturen mit Bonitäts-Herabstufung. Von der anderen diskutieren Experten über noch schärfere Regulierung der Institute.
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FrankfurtDen europäischen Finanzkonzernen stehen schwere Zeiten bevor. Während die Ratingagentur Fitch damit droht, die Bonität von gleich mehreren Großbanken herunterzustufen, fordern die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Eigenkapitalanforderungen an die Branche nochmals zu verschärfen. Ajai Chopra, Direktor der Europa-Abteilung beim IWF, sagte am Wochenende in Irland, dass die bisher beschlossenen Eigenkapitalregeln nach Basel III zu lasch seien, um die Finanzbranche besser auf künftige Krisen vorzubereiten.

Dabei sieht das neue Regelwerk Basel III bereits schärfere Eigenkapitalanforderungen für die Banken vor. Der Regelkatalog stammt aus der Feder des sogenannten Baseler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Die neuen Spielregeln sollen ab 2013 Schritt für Schritt von den Banken umgesetzt werden, um diese nicht zu überfordern.

Großbanken, die als systemrelevant eingestuft werden, sogenannte „Sifis“, sollen zudem bis zu 2,5 Prozent extra an Eigenkapitalpuffern zurücklegen. Es wird ungemütlich in den Bankentürmen.

In den Zentralen der großen europäischen Finanzkonzerne wird deshalb derzeit fieberhaft nach Möglichkeiten gesucht, sich frisches Kapital zu beschaffen und eine Zwangskapitalisierung, so wie derzeit von vielen Politikern gefordert, durch die Staaten zu verhindern.

So wird etwa bei der Deutschen Bank eine Kapitalerhöhung nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Zwar sprächen die aktuellen Marktverhältnisse aktuell dagegen, sagte ein hochrangiger Banker des Frankfurter Dax-Konzerns. Der technische Rahmen aber stehe dafür seit der letzten Hauptversammlung bereit.

Zuletzt wurde mehrfach darüber spekuliert, die Deutsche Bank könnte sich rund neun Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung beschaffen. Bankchef Josef Ackermann hatte derlei Gerüchte mehrfach zurückgewiesen. Allerdings will der Schweizer tunlichst vermeiden, Geld vom Staat aufgedrängt zu bekommen.

US-Investor Warren Buffett als Investor

Beobachter gehen davon aus, dass auch der Einstieg eines Staatsfonds aus dem Nahen Osten oder den Schwellenländern durchaus eine Möglichkeit wäre für die Deutsche Bank, sich frisches Kapital zu beschaffen. Allerdings sei eine solche Privatplatzierung nicht gerade einfach, da die politischen Unsicherheiten über die Regulierung der Kreditinstitute zu groß seien.

„Wenn beispielsweise die freiwillige Beteiligung der Banken an der Sanierung Griechenlands revidiert wird, dann werden sich Investoren fragen, wie verlässlich die Rahmenbedingungen in Europa sind“, sagte ein Insider. Das werde die Kapitalsuche europäischer Banken bei privaten Investoren nicht gerade erleichtern.

Zuletzt wurde spekuliert, US-Investor Warren Buffett könnte einsteigen bei der Deutschen Bank. Beim Dax-Konzern hält man jedoch nicht allzu viel davon. Der Name Buffett wird meist mit Kreditinstituten in Verbindung gebracht, die in größeren Schwierigkeiten stecken; vor kurzem war der Investor aus Omaha etwa bei der angeschlagenen Bank of America eingestiegen. Diesen Eindruck wolle man bei der Deutschen Bank aber auf jeden Fall vermeiden, heißt es in Finanzkreisen.

Andere europäische Finanzkonzerne versuchen, sich über den Verkauf von Beteiligungen frisches Geld zu beschaffen. BNP Paribas etwa will bis Anfang 2013 seine harte Kernkapitalquote auf mehr als neun Prozent erhöhen. Dabei planen die Franzosen, einen Prozentpunkt zu gewinnen, indem sie Geschäfte einstellen und Teilbereiche verkaufen. Außerdem sollen die Dividenden für die Aktionäre radikal gekürzt werden.

Goldman-Studie: Fehlen bis zu 300 Milliarden Euro?

Druck kommt derweil auch von den Ratinggesellschaften. So drohte etwa die Agentur Fitch Ende vergangener Woche, gleich mehrere große Investmentbanken herunterzustufen, darunter auch die Deutsche Bank. Zu komplex sei das Geschäftsmodell der Investmentbanker – und deshalb zu anfällig im Krisenfall, sagen die Fitch-Experten.

Das Frankfurter Kreditinstitut wird derzeit noch mit „AA-“ bewertet. Standard & Poor's dagegen beließ es nicht bei einer Drohung, sondern senkte das Langfrist-Rating von BNP Paribas von „AA“ auf „AA-“.

Mit Spannung wird derzeit erwartet, wie der „Blitzstresstest“ der Europäischen Bankenaufsicht EBA ausfällt. Die Analysten von Goldman Sachs haben ausgerechnet, dass mindestens 50 von 91 europäischen Großbanken diesen Test nicht bestehen werden und – je nach der Höhe der EBA- Anforderungen – insgesamt 139 bis 298 Milliarden Euro mehr Kapital bräuchten.  

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
Robert Landgraf
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Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

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