Dunkle Geschäfte
Banken bleiben Sünder

Nach dem Höhepunkt der Finanzkrise haben die Banken alles daran gesetzt, ihren Ruf zu renovieren. Doch die Affäre um Zinsmanipulationen wirft erneut einen dunklen Schatten auf die Branche. Das Ansehen ist im Keller.
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London/FrankfurtLutz Raettig ist einer der erfahrensten Banker in Frankfurt. Er hat schon viele Krisen erlebt, aber im Moment ist er besonders nachdenklich. „Ich habe Angst davor, dass wir das Vertrauen nicht wieder ins System bekommen“, sagte er vor wenigen Tagen in einer Rede in Frankfurt.

Die Branche sei in der Wertschätzung der Öffentlichkeit „ganz unten am Laternenpfahl“, meinte der Aufsichtsratschef der deutschen Tochter von Morgan Stanley. Landauf, landab sind die Vorstände der Banken bemüht, den Ruf wiederherzustellen und den „Vertrag mit der Gesellschaft“ zu erneuern, wie es Anshu Jain, der neue Co-Chef der Deutschen Bank, formuliert.

Doch immer wieder werden derzeit die hehren Ziele von der Realität eingeholt wie jetzt beim Libor-Skandal. „Das Ansehen der Banker ist leider im Keller und der Vertrauensverlust durch die Krise so groß, dass es lange dauern wird, bis es wieder aufgebaut ist“, fürchtet deshalb Stephan Paul, Professor an der Universität Bochum.

Seit Monaten gehen die Aufseher auf vier Kontinenten dem Verdacht nach, dass ein Kartell internationaler Banken über Jahre hinweg den globalen Interbanken-Zinssatz Libor manipuliert haben soll. Die Regulierer werfen den Instituten vor, dass sie von 2005 bis 2009 absichtlich falsche Libor-Sätze gemeldet haben, um ihre Handelsgewinne in die Höhe zu treiben und die Refinanzierungskosten zu verschleiern.

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  • Eines ist doch bestimmt klar:
    Es gibt auch kriminelle Menschen unter uns und die arbeiten nicht an einem Fließband eines Industriebetriebs. Sicher gibt es da noch viele weitere Abstufungen, aber es macht doch deutlich, dass kriminelle Energie mit zunehmender Hierarchie lohnenswerter wird.

    Es dürfte auch klar sein, dass ein Diebstahl in einem Stahlwerk schwerer wegzuschaffen ist als in einer Bank. Deshalb ist daher zu vermuten, dass kriminelle Aktivitäten in Banken leichter zu bewerkstelligen sind als in anderen Branchen.

    Wenn auf der Gegenseite Personen agieren, denen es an Fachwissen zur Kontrolle mangelt, völlig unbedarft sind oder aber von gleichem "Schlag" sind, dann wundert doch nichts mehr.

    Es ist daher auch kein Wunder, dass z.B. in Spanien die Banken direkt über den ESM gesponsert werden sollen, der ESM weder auskunfts-, noch rechenschaftspflichtig ist und deren Akteure von jeder Strafverfolgung freigestellt sind. Unklar ist da lediglich noch wie man es schaffen konnte, dass 86 % unserer Abgeordneten aus Regierungs- und Oppositionsparteien dieses Procedere absegnen konnten.

  • Was sonst, es haut ihnen ja auch keiner kräftig auf die Finger: http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/stanpunkt-291-derivate-desaster.html

  • Ich wäre auch bitter enttäuscht gewesen, wenn sich die Deutsche Bank diese Gelegenheit zum Betrug hätte entgehenlassen. Goldman Sachs ist doch auch in London vertreten...

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