Durchwachsene Zahlen der US-Banken
Ein Goldman macht noch keinen Sommer

Goldman Sachs bricht mit einem Umsatz- und Gewinnplus aus dem Reigen der Quartalsverlierer aus – und Bankaktien steigen. Aber die Risiken und Probleme aus Skandalen bleiben. Den US-Banken fehlen die Antworten.
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San FranciscoKaum abwärts ist das neue aufwärts: „Nicht so schlecht wie erwartet“ ist der Hoffnungsschimmer an Wall Street, der die Aktien der US-Banken am Dienstag steigen ließ. In erster Linie, weil Finanzriese Goldman Sachs anders als andere US-Finanzinstitute zuvor für das zweite Quartal keine schöngeredeten Rückgänge ablieferte, sondern zur Überraschung aller Analysten ein wirkliches Umsatz- und Gewinnplus. Der Nettoumsatz übertraf mit 9,13 Milliarden Dollar das Vorjahresquartal mit 8,61 Milliarden. Der Nettogewinn mit 1,95 Milliarden Dollar lag über Vorjahr mit 1,86 Milliarden Dollar.

Die größte Bank der USA, JP Morgan, hatte kurz zuvor einen Gewinneinbruch um acht Prozent auf sechs Milliarden Dollar ausgewiesen, mit 25,3 Milliarden Dollar lag der Umsatz um drei Prozent niedriger. Citi schnitt am Montag noch schlechter ab.

Generell findet Goldman jedoch so wie JP Morgan, Citigroup und andere keine Antwort auf eine der bohrenden Fragen der Industrie. Die Umsätze und Gewinne aus dem Handel mit festverzinslichen Papieren, Aktien, Derivativen und sonstigen Finanzprodukten gehen zurück. Die Geldmaschine Wall Street stottert und knirscht.

Bei Goldman gingen insgesamt gut zehn Prozent Handelsumsatz im Quartal verloren. Citi und JP Morgan büßten noch mehr ein. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Jamie Dimon, der 58-jährige CEO von JP Morgan, der sich einer Krebstherapie unterziehen wird, erklärte, die Bank sei vorbereitet, das Geschäft auf „niedrigerem Niveau“ weiter zu betreiben.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einmal fehlende Volatilität, was Anlegern wenig Grund gibt, Positionen umzuschichten. Daneben verschärfte Regulierungen, die Auswüchse verhindern sollen und Irrsinnsverluste durch unkontrollierte Händler wie in der Vergangenheit. Unter Beschuss sind daneben „Sekundenhandel“ und „Dark Pools“. In Dark Pools sammeln sich Großinvestoren, um untereinander und an den offiziellen Börsen vorbei, riesige Transaktionen in Aktien abzuwickeln. Ein glänzendes Provisionsgeschäft für die Banken.

Am Montag veröffentlichte die Financial Industry Regulatory Authority Zahlen, nachdem der Handel in Dark Pools von Barclays um dramatische 37 Prozent eingebrochen ist, seit der New Yorker Staatsanwalt Ermittlungen aufgenommen hat. Die britische Großbank soll Kunden über die Funktionsweise der Pools getäuscht haben.

Solche Ermittlungen zeigen heute Wirkung: Die Finanzindustrie lebt weiter unter dem Damoklesschwert massiver Strafzahlungen, die aus Verfehlungen der Jahre 2006 bis 2008 herrühren. Die hatten maßgeblich zur Kernschmelze der Weltwirtschaft beigetragen. Zuletzt musste die Citibank am Montag insgesamt sieben Milliarden Dollar zahlen, JP Morgan zuvor bereits 13,6 Milliarden Dollar. Bank of America und andere stehen noch aus.

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