DZ-Bank-Chef
Regulierung kein guter Deal für europäische Banken

Schon seit Jahren laufen die Gespräche zu neuen Regeln für die Bankenregulierung. Wolfgang Kirsch, Chef der DZ-Bank, fürchtet nach dem Beschluss Wettbewerbsnachteile für europäische Institute.
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FrankfurtDer sich abzeichnende Kompromiss bei den neuen globalen Kapitalregeln für Banken belastet nach Ansicht von DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch die europäischen Institute deutlich stärker als ihre US-Konkurrenten. „Dass im Moment gesagt wird, dass es ein guter Deal sei aus europäischer Sicht, den man da ausgehandelt hat, kann ich nicht nachvollziehen“, sagte Kirsch auf der „Euro Finance Week“ am Montag in Frankfurt.

Die unter dem Stichwort „Basel III“ laufenden Verhandlungen über global gültige Kapitalanforderungen für Banken sind auch nach jahrelangen Gesprächen im Baseler Ausschuss der Bankenaufseher noch immer nicht abgeschlossen. Beim wichtigsten Streitpunkt, wie stark Banken die Risiken in ihren Bilanzen mit eigenen Modellen herunterrechnen dürfen, hatte sich zuletzt ein Kompromiss abgezeichnet: demnach soll der errechnete Kapitalbedarf nicht unter 72,5 Prozent des nach einem Standard-Modell ermittelten Werts fallen dürfen. Allerdings hatte Frankreich Insidern zufolge zuletzt noch Bedenken angemeldet.

Kirsch bemängelte, der Kompromiss werde bei vielen Banken dazu führen, dass die Eigenkapitalanforderungen deutlich steigen. „Das wird dazu führen, dass sich ganze Geschäftsmodelle ändern müssen oder gefährdet werden“, sagte der Chef der zweitgrößten deutschen Bank, dem Spitzeninstitut der deutschen Volks-und Raiffeisenbanken.

Zentral für die deutschen Banken sei nun, dass die US-Seite den Kompromiss zu Basel III uneingeschränkt akzeptiere, forderte Kirsch. Die früheren Kapitalregeln - Basel II - hatten die USA zwar mitbeschlossen, dann aber nicht eingeführt. Nun sorge die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren andauernden Prüfungen dafür, dass die strengeren Regeln - trotz auf dem Papier längerer Übergangsfristen - de facto sofort gelten würden. Dadurch würden die europäischen Banken im Vergleich zu ihren US-Konkurrenten benachteiligt.

Auch Helaba-Chef Herbert Grüntker forderte auf derselben Konferenz, dass es keine durch die Aufsicht verursachte Benachteiligung der europäischen Institute geben dürfe. „Es darf kein verkapptes Phase-in geben.“ Die hiesigen Banken würden dadurch im internationalen Wettbewerb angreifbar, da sie die Regulierung zu einem Zeitpunkt treffe, an dem sie vergleichsweise schwach seien. Es müsse den Regulierern, Aufsehern und der Politik klar sein, „dass die US-Banken derzeit vor Kraft kaum laufen können“, sagte auch Kirsch. Gegenwärtig sei deshalb an gleiche Wettbewerbsbedingungen nicht zu denken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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