DZ Bank
Genossen beenden Agrarspekulation

Die Volks- und Raiffeisenbanken wetten künftig nicht mehr auf die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln. Entsprechende Produkte lassen sie nun endgültig auslaufen. Konkurrenten halten aber an der Agrarspekulation fest.
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FrankfurtDie DZ Bank verzichtet auf Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln. Das Zentralinstitut von 900 Volks- und Raiffeisenbanken und die Fondstochter Union Investment haben sich aus dem Geschäft mit Spekulationen auf Agrarrohstoffe zurückgezogen, wie „Spiegel Online“ unter Verweis auf einen Brief der DZ Bank an die Verbraucherorganisation „Foodwatch“ berichtet. In dem Schreiben, das auch Handelsblatt Online vorliegt, spricht sich DZ-Bank-Vorstand Lars Hille außerdem für eine strengere Regulierung der Agrarrohstoffmärkte aus.

Im Januar hatte das Handelsblatt bereits berichtet, dass DZ Bank und Union Investment „mangels Kundeninteresse“ keine neuen Produkte auf Agrarrohstoffe auflegen wollten und in bestehenden Fonds nicht mehr in Agrarrohstoffe investieren. In dem Schreiben an „Foodwatch“ erläuterte Hille das Vorgehen nun genauer. Die DZ Bank macht darin deutlich, dass es „derzeit keine Nachfrage nach solchen Produkten“ gebe. Die Bank lasse daher Wertpapiere auf Basis von Agrarrohstoffen 2013 auslaufen. Nachfolgeprodukte würden nicht emittiert, auch würden keine Agrarderivate anderer Banken gekauft. Produkte ohne begrenzte Laufzeit seien von Seiten der Bank zum 3. Juni 2013 gekündigt worden.

Auch für die Fonds von Union Investment gelte ein absoluter Verzicht auf Produkte, die Agrarrohstoffpreise abbilden. Zwei Rohstofffonds seien per 1. März 2013 nicht mehr in Agrargütern investiert. Lediglich zwei Garantiefonds mit Laufzeit bis 2016 beziehungsweise 2017 enthielten noch Produkte auf Agrargüter. Hier könnten die Anlagerichtlinien nicht nachträglich geändert werden. In die Fonds fließt seit Ende der Zeichnungsfrist aber kein neues Geld mehr.

Verbraucherschutz-Organisationen beklagen seit längerem einen Zusammenhang von Nahrungsmittelspekulationen mit starken Preisschwankungen an den Agrarmärkten und dem Hunger in der Welt. Ob Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte in armen Ländern tatsächlich nach oben treiben, ist unter Experten allerdings umstritten. Entsprechend hitzig wird die Debatte geführt.

Auch andere Institute haben sich nach massiver Kritik an der Agrarspekulation aus dem Geschäft zurückgezogen. Zuletzt kündigte etwa die Commerzbank an, das Geschäft auslaufen zu lassen. Zuvor hatten bereits der Fondsdienstleister Deka und die LBBW den Ausstieg aus der Nahrungsmittelspekulation beschlossen.

„Es ist wichtig, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich sind im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen verstärken können“, erklärte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner über einen Sprecher. „Wer als großes Geldinstitut angesichts von fast 900 Millionen hungernden Menschen auf der Welt hier keinen Unterschied macht, handelt verantwortungslos.“ Auch „Foodwatch“-Geschäftsführer Thilo Bode begrüßte die Entscheidung der DZ Bank. „Daran sollten sich andere Institute, die die notwendige politische Regulierung der Finanzmärkte mit allen Mitteln hintertreiben, ein Beispiel nehmen – allen voran die Deutsche Bank.“

Deutschlands größtes Geldhaus hält am Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen fest. Das Management von Deutschlands größtem Bankhaus sieht anders als Verbraucherschutzorganisationen keinen Zusammenhang dieser Geschäfte mit starken Preisschwankungen an den Agrarmärkten und dem Hunger in der Welt. Im Gegenteil: Agrar-Derivate erfüllten für Nahrungsmittelproduzenten eine wichtige Funktion im weltweiten Handel. Mit dem Kauf dieser an Börsen gehandelten Papiere könnten sich Landwirte gegen fallende Preise absichern und ihr Angebot besser planen. Auch der Versicherer Allianz hält an dem Geschäft fest.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " DZ Bank: Genossen beenden Agrarspekulation"

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  • @Gaffel
    Möglicherweise fehlt Ihnen das Grundwissen und die Funktionsweise über die Rohstoffmärkte.

    Eines ist unbestritten: Je kleiner der Markt, desto einfacher lässt er sich manipulieren. Ihre Argumentation würde eine derartigen Manipulation begünstigen - aber dazu verwenden Sie das falsche Vokabular.

    Ich schätze, dass Sie mit dem Finanzgeschäft nichts am Hut haben und reden nur das nach, was Sie glauben verstanden zu haben.

    Agrarrohstoffhandel wird derzeit von einer gewissen Lobby schlecht geredet. Dessen Bedeutung soll aus Gründen der Manipulationsmöglichkeiten sinken. Das ist das Ziel.

    Das ist die gleiche Kiste wie das Thema Finanztransaktionssteuer oder TOPIN-Steuer. Die Diskussion ist nicht ehrlich.

  • das ist nicht ganz korrekt, Inv.fonds dürfen per Gesetz nicht direkt! in Rohstofffutures investieren sondern bilden die Wertentwicklung per swap mit einer Bank ab - dies erfolgt so auch bei z.B. Rohstoff-ETF´s - so finden sich i.d.R. in der Vermögensaufstellung eines Rohstofffonds (ETF) neben Aktien eben swap´s und die reagieren genau auf die Rohstoffunderlyings (Ausgleichszahlungsverpflichtung der Bank)
    keine Marketingaktion ;-)

  • Ohne Spekulation werden die Märkte zersplittert, es gibt keine allgemein verbindliche Preisgrundlage und die Großen machen ihre Preise im Hinterzimmer von Darkpools. Eine Kontrolle wird unmöglich und KMUs haben das große Nachsehen. Die Linken und die Gegner der Nahrungsmittelspekulation zerstören mit ihrer Unkenntnis der Märkte und ihrer ideologischen Verblendung die Existenzen vieler Kleiner und am Ende das Leben derer, die sie angeblich vorgeben zu schützen. Es ist einfach menschenverachtend, was diese Gegner der Agrarspekuation hier abliefern. Dem darf man nicht widerstandslos nachgeben. Ich möchte später nicht ratlos dastehen, wenn gefragt wird "Und was hast Du dagegen gemacht?"

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