EBA-Vorgaben
Neue Kapital-Hürde aus London

Europas Banken mussten sich gehörig strecken, um die harte Kernkapitalquote zu erfüllen. Doch jetzt kommt heraus: Die Institute sollen die neun Prozent dauerhaft vorhalten. Das könnte einige überfordern.
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London/FrankfurtSeit dem Ausbruch der Finanzkrise hat die Bankenbranche viel Vertrauen verspielt. Zudem stehen viele Finanzinstitute auf wackeligen Füßen - gerade in Europa. Die European Banking Authority (EBA) will den Banken einen festeren Sockel gießen. Doch die heutige Ankündigung der europäischen Bankenaufsichtsbehörde wird vielen Finanzvorstände der Institute den Schweiß auf die Stirn treiben.

Eigentlich sollte es nur eine einmalige Anforderung sein - doch zum Schrecken der europäischen Banken bleibt die harte Kernkapitalquote von neun Prozent auch in Zukunft bestehen. Das sagte Andrea Enria, der Chef der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA der „Financial Times“.

Eigentlich sollten die Institute die Quote von neun Prozent „nur“ bis Ende Juni dieses Jahres erreichen. Aber Enria betont: „Das Wichtigste ist jetzt die Konservierung von Kapital.“ Die EBA hat die Befürchtung, dass das Kapital „wieder freigesetzt wird“. Die Behörde will die Banken dazu zwingen, Kapitalpläne zu entwickeln, mit denen sie die neun Prozent dauerhaft vorhalten können.

Die große Bilanz der EBA hatte in der vergangenen Woche ein vorsichtiges Bild gezeichnet: Die europäischen Großbanken seien auch nach der von den Aufsehern verordneten massiven Sanierung ihrer Bilanzen noch nicht aus dem Gröbsten heraus.

27 Institute hätten ihre Kapitalbasis seit Ende des vergangenen Jahres um insgesamt 94,4 Milliarden Euro aufgebessert. Sieben Institute brauchten aber Finanzspritzen des Staates von zusammen 9,5 Milliarden Euro, um das geforderte Kapitalpolster von neun Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme zu erreichen. Einige davon sind auch noch nicht geflossen.

„Da muss noch eine Menge getan werden“, resümierte EBA-Chef Andrea Enria. „Das ist noch nicht die Wunderwaffe, um die schwierige Situation der europäischen Banken zu lösen.“ Die Banken dürften bei der Reparatur ihrer Bilanzen nicht nachlassen.

Die EU hatte mit der Aktion, die Kernkapitalquote auf neun Prozent zu erhöhen, an der ursprünglich 31 Banken beteiligt waren, das Vertrauen und die Stabilität in die Branche wiederherstellen wollen. Die Vorgabe sollte ursprünglich solange gelten, bis die neuen Regeln des Regelwerks Basel III greifen. Diese treten bis 2019 schrittweise in Kraft und sehen lediglich eine Kernkapitalquote von sieben Prozent vor. Bei den großen globalen Banken kann ein Aufschlag von bis zu 2,5 Prozent hinzukommen.

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  • Vielen Dank!

  • @madhouse: In der Tat schwirren ziemlich viele Behörden rum. Vielleicht etwas pauschal, folgende Einteilung:

    Internationale Ebene: Baseler Ausschuss. Keine rechtlichen Vorgaben, eher Vorschläge.

    Europäische Ebene: EU "giesst" die Ideen aus Basel in Europäisches Gesetz, hat also einen bindenden Charakter. Die CEBS "firmiert" seit Januar 2011 als EBA.

    Deutsche Ebene: Bundesbank und BaFin teilen sich Befugnisse. Hier liege ich eventuell falsch: BaFin erteilt Lizenzen, die Bundesbank hat eher Prüfaufträge.

    Warum es auf der deutschen Ebene diese Zweiteilung gibt hat vermutlich eher politische Gründe.

  • Gerne, bitte!

    Am besten vergleichen sie einfach das Beispiel Tagesgeld:

    Interbanken
    13.07.2012 0,1170% TAGESHOCH (Quelle: http://www.finanzen.net/zinsen/EONIA)

    2,5% entspricht ca. dem 21,37 fachen für die selbe Laufzeit (1 Tag).

    Da keine Fristentransormation vorgenommen wurde, bezahlt die Bank X also das 21 fache vom aktuellen Marktzins!!
    Frage
    Würden Sie in ein Geschäft gehen, um dort das 21 fache für das selbe Produkt - wie in anderen Läden - zahlen? Wahrscheinlich nicht...

    AUßER, die anderen Geschäfte verkaufen an Sie nicht mehr "auf Rechnung"...

    Einfache Standardregel dazu:

    Hohe Rendite= Hohes Risiko

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