EEX und Clearstream stark Deutsche Börse wächst leicht

Die Deutsche Börse verkauft eine Beteiligung an der US-Handelsplattform Bats, was dem Gewinn auf die Sprünge hilft. Ohne Verkäufe bleibt der Gewinn unter Druck – trotz Kostensenkungen.
Update: 27.10.2016 - 21:46 Uhr
Nach dem Brexit gab es verhaltene Handelsumsätze – mit Auswirkungen auf das Geschäft der Börse. Quelle: dpa
Börsenzentrale nahe Frankfurt

Nach dem Brexit gab es verhaltene Handelsumsätze – mit Auswirkungen auf das Geschäft der Börse.

(Foto: dpa)

FrankfurtVorstandschef Carsten Kengeter treibt den Umbau der Deutschen Börse voran. Das Unternehmen gab am Donnerstagabend bekannt, ein Drittel seines Anteils an der Handelsplattform Bats Global Markets für 86 Millionen Dollar losgeschlagen zu haben. Bereits im Juni hatte Kengeter die US-Optionsbörse ISE für 1,1 Milliarden Dollar an den US-Konkurrenten Nasdaq verkauft. Der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef will sich von Randbereichen trennen, in denen Deutschlands größter Börsenbetreiber nicht zu den führenden Anbietern weltweit gehört.

Im dritten Quartal baute der Konzern, der gerade mit der London Stock Exchange (LSE) fusioniert, Umsatz und Gewinn trotz einer Beruhigung der Aktienmärkte nach dem Brexit-Votum aus. Anleger, insbesondere aus den USA, hätten nach dem britischen Referendum im Juni Kapital aus Europa abgezogen, erklärte die Deutsche Börse in ihrem Quartalsbericht. Das Handelsvolumen am deutschen Aktienmarkt und an der Derivatebörse Eurex sei deshalb von Juli bis Ende September geringer gewesen als im Vorjahreszeitraum. Damals hatten der VW -Abgasskandals und Sorgen um ein geringeres Wachstums in China große Ausschläge an den Märkten verursacht.

Dass die Deutsche Börse ihre Nettoerlöse im dritten Quartal dennoch um ein Prozent auf 559 Millionen Euro ausbaute, lag an der guten Entwicklung der Energiebörse EEX und des Wertpapierverwahrers Clearstream. Zudem trug die Devisenhandelsplattform 360T zum Ergebnis bei, die erst seit dem vierten Quartal 2015 zum Konzern gehört. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) stieg um acht Prozent auf 286 Millionen Euro, was laut Finanzchef Gregor Pottmeyer auch auf Sparmaßnahmen zurückzuführen ist. Für das Gesamtjahr bekräftigte das Unternehmen aus Eschborn bei Frankfurt seine Ziele. Die Nettoerlöse sollen um fünf bis zehn Prozent steigen, der bereinigte Betriebsgewinn um zehn bis 15 Prozent.

Die größten Börsenbetreiber der Welt
Platz 10: BM&F Bovespa
1 von 10

Die Bedeutung der brasilianischen Börse hat in den vergangenen Monaten stark gelitten. Das Land steckt tief in der Rezession. Neben den hausgemachten Problemen lastet auch die globale Konjunktureintrübung auf dem südamerikanischen Schwellenland. Die Börse in Brasilien hat sich dementsprechend katastrophal entwickelt. Auf Jahressicht hat der Bovespa über 15 Prozent verloren. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung reicht es deswegen nur für den zehnten Platz.

Marktkapitalisierung: 4,6 Milliarden Euro*

*Stand: 23. Februar 2016

Platz 9: Singapore Exchange
2 von 10

Die Singapore Exchange ist 1999 aus der Fusion der Stock Exchange of Singapore und der Singapore International Montary Exchange hervorgegangen. Insgesamt sind knapp 800 Unternehmen an der Börse in Singapur gelistet.

Marktkapitalisierung: 5,0 Milliarden Euro

Platz 8: ASX
3 von 10

Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten hat auch Australien hart getroffen. Vor allem die Geschäfte mit dem Hauptabnehmer China verlaufen schleppend. Die jahrelang glänzend verlaufenden Geschäfte im Eisenerzhandel sind nicht mehr so gewinnbringend. Auf Jahressicht hat die ASX knapp 15 Prozent verloren. Das ging an der Marktkapitalisierung nicht spurlos vorbei.

Marktkapitalisierung: 5,3 Milliarden Euro

Platz 7: Japan Exchange Group
4 von 10

Die Börse in Tokio hat ein lange Geschichte. Gegründet wurde sie 1878. Seit 1999 gibt es keinen Parketthandel mehr, sondern nur noch den elektronischen Börsenhandel. Neben dem Tokyo Stock Exchange existierte noch die Osaka Securities Exchange, 2011 fusionierten sie. Die Japan Exchange Group ging 2013 an den Start und ist laut Marktkapitalisierung die siebtgrößte der Welt.

Marktkapitalisierung: 7,6 Milliarden Euro

Platz 6: Nasdaq
5 von 10

Die Nasdaq startete im Februar 1971 als vollelektronische Handelsplattform. Ihre ganz große Zeit hatte die Nasdaq in den 90er-Jahren. Inzwischen muss sie hart um Marktanteile kämpfen. Das Wahrzeichen der Börse im Herzen New York ist die Wand mit Bildschirmen. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung liegt die Nasdaq zwar noch vor der Japan Exchange Group, doch der Abstand zu den Spitzenplätzen ist groß.

Marktkapitalisierung: 9,5 Milliarden Euro

Platz 5: London Stock Exchange
6 von 10

Die London Stock Exchange (LSE) könnte bald mit der Deutschen Börse fusionieren. Das Interesse der Deutschen ist allerdings nicht neu. Bereits 2004 buhlten die Deutsche Börse um die LSE. Damals scheiterten die Verhandlungen, weil den Londonern das Angebot zu niedrig war. Die LSE ist mit 3000 handelnden Unternehmen aus über 70 Ländern der internationalste aller Handelsplätze und über 300 Jahre alt.

Marktkapitalisierung: 12,2 Milliarden Euro

Platz 4: Deutsche Börse
7 von 10

Bei einem Zusammenschluss könnte das fusionierte Unternehmen aus Deutscher Börse und LSE zu einem der größten Börsenbetreiber der Welt aufsteigen. Aktuell liegen die Deutschen schon auf Platz 4.

Marktkapitalisierung: 15,9 Milliarden Euro

Durch den Verkauf des Bats-Aktienpakets erwartet die Deutsche Börse im vierten Quartal einen Sondergewinn von 23 Millionen Euro. Das Unternehmen hielt vor der Veräußerung knapp zehn Prozent an Bats. Dies ist auf eine Beteiligung der Ex-Tochter ISE an dem Unternehmen Direct Edge zurückzuführen, das vor einiger Zeit mit Bats fusionierte. Und für Bats steht nun schon der nächste große Deal auf der Agenda. Der Konkurrent CBOE hat Ende September angekündigt, Bats für 3,2 Milliarden Dollar zu schlucken.

Die Deutsche Börse selbst benötigt für die geplante Fusion mit der LSE noch grünes Licht von den Aufsichtsbehörden. Die EU-Kommission will den gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss genau unter die Lupe nehmen und hat dafür noch Zeit bis März 2017. Anschließend muss auch die hessische Börsenaufsicht noch zustimmen. Sie hat gerade nach dem Brexit-Votum große Probleme damit, dass die fusionierte Mega-Börse den bisherigen Plänen zufolge in London angesiedelt werden soll. Die Deutsche Börse spricht deshalb Insidern zufolge mit der LSE über die Schaffung eines doppelten Firmensitzes beziehungsweise eine Verlagerung des Firmensitzes in die EU.

  • rtr
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