EFG International
Kunden ziehen ihr Vermögen von Privatbank ab

Der Schweizer Vermögensverwalter EFG verzeichnet Geldabzüge der Kunden in Milliardenhöhe. Während das verwaltete Vermögen schrumpft, steht unterm Strich aber ein unerwarteter Gewinn.
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ZürichDer Schweizer Vermögensverwalter EFG International will den Schwund an Kundengeldern bei der neuen Tochter BSI bis zum Jahresende stoppen. „Wir sind zuversichtlich, dass sich das Geschäft weiter stabilisieren wird und wir zu gesundem Wachstum zurückkehren können“, sagte Bankchef Joachim Straehle am Mittwoch. Im ersten Halbjahr hatten die vermögenden Kunden konzernweit netto 5,5 Milliarden Franken abgezogen – nach einem Minus von 5,3 Milliarden Franken im Halbjahr davor.

Zum einen haben im Zuge der Übernahme der in einen Skandal verwickelten neuen Tochter viele Kundenbetreuer die Bank verlassen – und mit ihnen auch Kunden. Zum anderen hätten sich die negativen Schlagzeilen der vergangenen Monate ausgewirkt. „Es gibt Kunden, die sich gesagt haben: Diese Bank könnte wegen der ganzen Aufregung nicht mehr sicher sein. Lass uns einen Teil des Geldes abziehen und sehen, was passiert“, sagte Straehle. BSI ist in den Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verstrickt, bei dem Milliardenbeträge verschwunden waren. Zudem hat die italienische Notenbank wegen „struktureller und verwaltungstechnischer Schwächen in der Compliance“ in der Zeit vor der Übernahme mit der Schließung von zwei Filialen gedroht.

Die Analysten von Baader Helvea bezeichneten die Abflüsse als enttäuschend. Die Aktie gab im Tagesverlauf knapp zwei Prozent nach.

Doch ab dem kommenden Jahr soll mit den Rückgängen bei den Kundengeldern Schluss sein. EFG erwartet ein Wachstum der Neugelder, wenn auch unter – oder am unteren Rand – der Zielbandbreite von drei bis sechs Prozent des Bestandes. Dieses Band will der Vermögensverwalter 2019 wieder erreichen. Gelingen soll das, indem EFG verlorene Kunden wieder zurückgewinnt und die bestehenden Kundenberater unter anderem über zusätzliche Boni motiviert, sagte Strähle.

Unter dem Strich schrumpfte der Gewinn von EFG im ersten Halbjahr auf 19,2 Millionen Franken, während Analysten mit deutlich höheren Integrationskosten und daher mit einem Verlust gerechnet hatten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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