Eigenkapitalregeln: Versicherer bestehen Stresstest

Eigenkapitalregeln
Versicherer bestehen Stresstest

Die Versicherer haben die Bewährungsprobe für die neuen Eigenkapitalregeln bestanden. Dennoch erneuerten sie ihre Kritik an den Regeln - und den bestehenden Großbaustellen.
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FrankfurtDie deutschen und europäischen Versicherer haben die Bewährungsprobe für die neuen Eigenkapitalregeln in den Augen ihrer neuen Aufsichtsbehörde bestanden. Die fünfte und letzte Auswirkungsstudie (QIS5) für das „Solvency II“-Regelwerk habe gezeigt, dass Versicherer und Rückversicherer auch mit den neuen Vorschriften und trotz der schwierigen Marktlage auf eine gesunde finanzielle Basis bauen könnten, erklärte die EIOPA am Freitag. Der Wertverlust ihrer Anlagen in der Finanzkrise hatte die Versicherer hart getroffen.

„Solvency II“, das zu einer besseren Risikoeinschätzung führen soll, tritt Anfang 2013 in Kraft.

Die deutschen Versicherer erneuerten ihre Kritik an den neuen Regeln. „So erfreulich die gute Eigenkapitalausstattung der deutschen Unternehmen ist, so wenig darf sie darüber hinwegtäuschen, dass es weiterhin wichtige Großbaustellen im vorgeschlagenen Regelwerk gibt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes GDV, Jörg von Fürstenwerth. Solvency II sei zu komplex vor allem für kleine Versicherer und führe zu zu starken Schwankungen im Kapitalbedarf von Lebensversicherern.

Die Aufseher liefen damit Gefahr, dass die Versicherer ihre Rolle als große Kapitalanleger nicht mehr so spielen könnten wie in der Vergangenheit.

Allianz-Chef Michael Diekmann hatte gewarnt, dass Solvency II das Geschäftsmodell der deutschen Lebensversicherer insgesamt gefährde. In Erwartung des Regelwerks investieren sie kaum noch in Aktien.

EIOPA räumte ein, dass die geforderten Werte vor allem für Sach- und Katastrophenversicherungen noch nachjustiert werden müssten. Grundsätzlich zeige QIS5 aber, dass das System richtig aufgesetzt sei. Auch an der Komplexität der Modelle solle noch gearbeitet werden. In Deutschland ist der Markt zersplitterter als anderswo.

Nach Berechnungen von EIOPA haben die 167 Teilnehmer an der QIS5-Studie insgesamt 676 Milliarden Euro mehr Kapital zur Verfügung als sie mindestens brauchten, um die Aufseher nicht unmittelbar auf den Plan zu rufen. 395 Milliarden Euro groß sei der Puffer bis zu der Schwelle, bei deren Unterschreiten die Aufsicht eingreifen kann. Das sei zwar weniger als nach dem geltenden „Solvency I“-Standard. Dieses Minus könnten die Versicherer aber fast komplett wettmachen, indem sie auf neue Kalkulationsmodelle umstellten und Übergangsregelungen nutzten.

Der Probelauf war im November abgeschlossen worden.

Die EU hatte Übergangsfristen von bis zu zehn Jahren für die Umsetzung von Solvency II in Aussicht gestellt. Die EIOPA mahnte Augenmaß an. Die Fristen dürften nicht zu lang sein, um der Branche genügend Anreiz für die Einführung zu geben. EIOPA-Chef Gabriel Bernardino hatte in einem Reuters-Interview gesagt, die Versicherer bekämen zur Umstellung ausreichend Zeit.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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