Einführung der Bürgerversicherung Von der Intensivstation in den Operationssaal

Die privaten Krankenversicherer sind erst zu Reformen bereit, seit die Politik sie massiv angreift.
  • Caspar Dohmen

HB DÜSSELDORF. Ab auf die Intensivstation. Die gerade wiedergewählte rot-grüne Regierung ist kaum im Amt, da hebt sie die Pflichtgrenze zur Krankenversicherung deutlich an. Auf einen Schlag gehen den privaten Krankenversicherern (PKV) so 700 000 potenzielle Kunden verloren. Und eine ganze Branche fühlt sich auf einmal selbst ernsthaft krank. Manche Versicherungsmanager sprechen gar von einer politischen Entscheidung, die die Branche in ihrer Existenz gefährde.

Warum diese Notoperation? Tatsächlich möchte die Regierung so das Gesundheitssystem stabilisieren, vor allem den gesetzlichen Krankenversicherern helfen.

Und sie plant sogar noch mehr: die Einführung der Bürgerversicherung. Was wohl das Aus für die private Vollversicherung bedeuten würde. Zwar dürfte dies aus verfassungsrechtlichen Gründen wohl nur für Neukunden gelten. Doch der Bestandsschutz für die bisherigen Kunden wäre kaum mehr als ein Trostpflaster. Das Hauptgeschäft der 51 privaten Krankenversicherer wäre weg. Schließlich stammen 71 Prozent der Einnahmen aus der Vollversicherung, bei steigender Tendenz. Auch für die Versicherten würde es unangenehm, weil durch die dann einsetzende Überalterung aller bereits Versicherten die Beiträge steigen dürften.

Aber ob es je eine Bürgerversicherung geben wird? Zweifel sind angebracht, die letzten Umfragewerte sprechen eher für einen Machtwechsel in Berlin, so dass der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eng beim Projekt Bürgerversicherung berät, sich wohl nicht durchsetzen kann.

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