Einheitliche zinsgünstige Kredite Westfälische Sparkassen schlagen zurück

Mit einheitlichen zinsgünstigen Krediten wollen die Sparkassen in Westfalen und Lippe auf die Kampfpreise der Direktbanken reagieren.

HB MÜNSTER. „Bei wichtigen Ankerprodukten sollten die Sparkassen einheitliche Preise anbieten, die uns die Preisführerschaft bringen“, sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverbandes (WLSGV), Rolf Gerlach, am Dienstag in Münster. Im September oder Oktober würden die 76 Sparkassen im WLSGV erstmals einen Privatkredit mit einem einheitlichen Zinssatz von 4,99 % anbieten. Kampfpreise belasteten zwar den Ertrag der Sparkassen. Ein Teil der Ertragseinbußen könne aber durch Einsparungen wettgemacht machen, sagte Gerlach.

Die Sparkassen in Deutschland wüchsen seit gut zwei Jahren im wichtigen Kreditneugeschäft praktisch nicht mehr, stellte der Verbandschef fest. Hauptgrund dafür sei der wachsende Wettbewerb durch die Direktbanken. In seinem Verband sei das Kreditgeschäft im ersten Halbjahr auf unter vier (Vorjahr: 4,2) Mrd. € gesunken, vor zwei Jahren seien es noch 4,4 Mrd. gewesen.

Auch die Kundeneinlagen seien rückläufig, die Bilanzsumme stagniere, moniert Gerlach. „Die alte Selbstverständlichkeit, dass eine Sparkasse im Jahr um drei bis fünf Prozent wächst, gibt es nicht mehr.“ Die Marktverhältnisse hätten sich dauerhaft verändert. Darauf müssten die Sparkassen reagieren. „Es gibt eine Strategielücke in der Sparkassenorganisation, die dringend geschlossen werden muss.“

Der Verbandspräsident forderte weitere Konsolidierungen im Lager der öffentlich-rechtlichen Institute. Drei Rechenzentren und drei Wertpapierentwickler seien „zwei zu viel“ Auch Fusionen von Bausparkassen und anderen Verbandsstrukturen seien möglich, rechnete der WLSGV-Chef vor. Die Gründung von Direktbanken durch einzelne Landesbanken oder die Sparkassenorganisation lehnte er jedoch ab. „Das ist in meinen Augen eine defensive Strategie, und damit werden wir uns auf Dauer keinen Gefallen tun.“

Dabei ging Gerlach mit der Konkurrenz aus dem eigenen Lager ins Gericht. Das Vorgehen der BayernLB, deren Internettochter DKB den Sparkassen bundesweit Konkurrenz mache, sei nicht akzeptabel. Auch auf den Kauf der Berliner Privatbank Weber-Bank durch die WestLB müssten die Sparkassen noch Antworten finden, sagte er. Gerlach ist auch Aufsichtsratschef der WestLB. „Die Landesbanken jagen nach Sparkassen-Kunden, das ist kein Spaß, das ist eine Fehlentwicklung.“ Die BayernLB könne wegen der DKB ihre Einbindung in den Sparkassen-Sicherungsfonds verlieren. Mit dem Sicherungsfonds sichern sich die Sparkassen gegenseitig bei Schieflagen einzelner Institute ab.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%