Einigung im US-Steuerstreit: Warum Julius Bär so günstig davonkommt

Einigung im US-Steuerstreit
Warum Julius Bär so günstig davonkommt

Die Privatbank Julius Bär muss 547 Millionen Euro für eine Einigung im Streit um Steuerhinterziehung an US-Behörden zahlen. Im Vergleich zu Strafen anderer Banken ist das günstig. Was die Behörden milde stimmte.

ZürichDer Blick in die Details der Einigung von Julius Bär mit der US-Justiz im Steuerstreit enthüllt Interessantes. Denn noch nachdem UBS mit Beihilfe zur Steuerhinterziehung 2008 aufgeflogen war, nahm Julius Bär Steuerflüchtlinge, die von UBS kamen, bei sich auf, teilte die Schweizer Finanzaufsicht Finma mit. Doch wenig später warf das Management das Ruder herum – und legte damit den Grundstein dafür, dass die Bank mit einem blauen Auge davon kommt.
Wie bereits zuvor bekannt war, muss Julius Bär eine Buße von 547 Millionen Dollar an die USA für Beihilfe zur Steuerhinterziehung zahlen. Darüber hinaus haben sich zwei Berater schuldig bekannt. Ihnen wird im August der Prozess gemacht, ihnen droht bis zu fünf Jahren Haft. Sie sind immer noch bei Julius Bär angestellt, laut Finanzkreisen hilft ihnen die Bank im Rechtsstreit.

Im Vergleich zur Credit Suisse kommt Julius Bär damit richtig billig davon. Die zweitgrößte Schweizer Bank musste 2014 insgesamt Bußen von 2,8 Milliarden Dollar bezahlen und zudem als Bank selbst ein Schuldeingeständnis abgeben. Letzteres bleibt Julius Bär erspart. Die israelische Bank Leumi musste im Steuerstreit mit 400 Millionen Dollar Buße zahlen. Als war bekanntlich UBS mit Steuerflucht-Hilfe aufgeflogen und musste 2008 die Summe von 780 Millionen Dollar zahlen.

Laut dem US-Justizministerium hat Julius Bär mindestens von 1990 bis zum Jahr 2009 US Kunden beim Steuerhinterziehen geholfen. „Zum Höchststand im Jahr 2007 verwaltete Julius Bär rund 4,7 Milliarden Dollar in etwa 2589 nicht-deklarierten Konten, die US-Steuerzahlern gehörten“, schreibt das Justizministerium. „Von 2001 bis 2011 verdiente Julius Bär rund 87 Millionen Dollar und erzielte 219 Millionen Dollar Brutto-Einnahmen mit den unversteuerten Konten von US-Steuerzahlern“, heißt es weiter.

Diese Tatbestände – Milliarden versteckter Vermögen und Aufnahme von Steuerflüchtlingen der UBS – hätte eigentlich eine drakonischere Strafe erwarten lassen. Laut der Einigung der Credit Suisse hatte die zweitgrößte Bank insgesamt 22000 US-Kunden mit insgesamt zehn Milliarden Dollar Vermögen betreut; allerdings umfasst diese Zahl sowohl versteuerte wie unversteuerte Kundengelder. Eine exakte Zahl zu den unversteuerten Geldern nennen die US-Behörden nicht. Laut Finanzkreisen sollen die unversteuerten US-Gelder bei Credit Suisse sich aber in vergleichbaren Größenordnungen wie bei Julius Bär bewegt haben.

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Julius Bär wollte sich selbst anzeigen

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