Engagement in Indien: Deutsche Börse steigt bei Bombay Stock Exchange ein

Engagement in Indien
Deutsche Börse steigt bei Bombay Stock Exchange ein

Beim Ausbau ihrer Aktivitäten in schnell wachsenden Schwellenländern ist die Deutsche Börse einen guten Schritt vorangekommen. An Asien war die größte deutsche Börse schon immer interessiert und Indien gilt dabei als besonders attraktiv.

DELHI. Die Deutsche Börse wird zum strategischen Partner der Bombay Stock Exchange (BSE) und bekommt so einen Fuß in die Tür zu Indiens boomendem Wertpapiermarkt. Die Frankfurter haben sich bei der BSE mit fünf Prozent eingekauft. Mehr dürfen einzelne Auslandsinvestoren nicht halten. Das Engagement kostet 43 Mill. Dollar und bewertet Indiens zweitgrößte Handelsplattform mit insgesamt 854 Mill. Dollar. „Das ist mehr als ein Finanzinvestment“, beteuerte BSE-Chef Rajnikant Patel trotz der geringen Beteiligungssumme. „Die strategische Partnerschaft mit der Bombay Stock Exchange ist für uns ein wichtiger Schritt zum weiteren Ausbau der Aktivitäten in Asien“, präzisierte der Vorstandschef der Deutschen Börse Reto Francioni.

Vorteile aus der Verbindung erwarten die Deutschen durch eine Bündelung ihres IT-Know-Hows, Pro-duktportfolios und globalen Kundenetzes mit der starken lokalen Präsenz der BSE. Zusammen wollen beide neue Produkte entwickeln und sich bei deren Vertrieb helfen. Vor allem bei Derivaten sollen die Inder von der Erfahrung der Frankurter profitieren. Darin hinken sie besonders weit hinter ihrem Hauptkonkurrenten, der National Stock Exchange (NSE) zurück. Das ist ein Grund, warum der Gewinn der BSE im Vorjahr mit 20 Mill. Dollar viel geringer ausfiel als der des Lokalrivalen mit 47 Mill. Dollar. Nahezu alle indischen Firmen sind jedoch an beiden Börsen gelistet, und die Bombay Stock Exchange verwaltet mit dem aus 30 Blue-Chips bestehenden Sensex Indiens international bekanntesten Leitindex. Kapitalmarktexperten sehen darin eine gute Basis für neue Produkte wie Derivate.

Die BSE war bei der Suche nach einem internationalen Partner ins Hintertreffen geraten, nachdem die NSE im Januar einen 20-Prozent-Anteil an eine Gruppe strategischer Investoren unter Führung der NYSE und Goldman Sachs verkauft hatte. Der Emporkömmling ist zwar erst 14 Jahre alt. Aber er agiert flinker und moderner und wickelt inzwischen ein mehr als doppelt so großes Handelsvolumen ab als die Traditionsbörse BSE. Daher musste die NYSE für ihren fünf Prozent-Anteil 115 Mill. Dollar bezahlen.

Um ihre alte Führungsposition zurückzuerobern, hat sich die BSE eine Generalüberholung verordnet. Im Vorfeld eines geplanten Börsengangs will sie insgesamt ein Viertel ihrer Aktien bei Großinvestoren platzieren. Offen ist, ob die Deutschen ihr exklusiver Partner bleiben oder ob die Inder neben Banken oder Fonds eine weitere Börse an sich binden. „Wir überlegen, ob wir mehr als einen Partner haben können“, erklärte BSE-Chef Patel gestern. Singapurs Börse umwirbt die BSE ebenfalls und ließ wissen, sie verhandele weiter. Indischen Medien zufolge haben auch London Stock Exchange und Nasdaq Interesse an der BSE.

Die Rivalen der Deutschen blicken ebenfalls verstärkt nach Asien. Indien ist neben China besonders attraktiv. Seine Finanzmärkte sind für Ausländer offener als in der Volksrepublik, dazu moderner und besser reguliert. Vor allem aber steht Indiens Wirtschaftswachstums dem in China nicht mehr viel nach: Im zweiten Jahr in Folge dürften es neun Prozent werden. Ausländische Portfolio- und Direktinvestitionen schwellen an und reihenweise überspringen Firmen die magische Schwelle von einer Milliarde Dollar Marktkapitalisierung. Milliardenschwere Zukäufe in Europa und Amerika haben in rascher Folge Tata Steel und Hindalco zu Fortune-500-Firmen katapultiert.

Auch in anderen asiatischen Märkten sucht die Deutsche Börse Wachstum: Am Tag vor dem Einstieg in Bombay hatte sie eine Absichtserklärung mit dem chinesischen Indexanbieter CSI unterzeichnet. Die Partner wollen beim Vertrieb von Indexprodukten zusammenarbeiten und gemeinsam neue entwickeln. Und erst am Montag hatte die Börse ihren neuen DAX-Global-Asia-Index vorgestellt, der die 40 größten und liquidesten Werte der Region bündelt.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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