Engere Zusammenarbeit
Neue Strategie für Commerzbank und Comdirekt

Die Internetbank Comdirect will sich mit ihrer neuen Strategie wieder mehr auf die aktiven Aktien- und Derivate-Kunden konzentrieren. Das Commerzbank plant nach Medienberichten eine Engere Zusammenarbeit mit der Tochter.

FrankfurtDie Commerzbank soll nach den Vorstellungen ihres neuen Privatkunden-Vorstands Michael Mandel enger mit ihrer Internet-Tochter Comdirect zusammenarbeiten. "Die Zwei-Marken-Strategie bleibt, solange beide, Comdirect und Commerzbank, wachsen und profitabel sind", sagte Mandel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe). Doch könne die Mutter die Stärken der Tochter beim Umbau zur digitalen Bank stärker nutzen. "Diese Frage ist berechtigt, und wir werden sie uns gemeinsam mit den Kollegen der Comdirect zunehmend stellen."

Der bisherige Bereichsvorstand hatte zum 1. Mai die Leitung der Privatkundensparte von Martin Zielke übernommen, der zum Konzernchef aufgerückt ist. Von 2008 bis 2010 war Mandel selbst Comdirect-Chef.

Die Comdirect, die sich in den vergangenen Jahren zu einer vollwertigen Bank ohne Filialen hatte entwickeln wollen, will sich mit ihrer neuen Strategie wieder mehr auf die aktiven Aktien- und Derivate-Kunden konzentrieren. "Der Fokus liegt auf dem Wertpapiergeschäft und dem Depotvolumen", hatte Comdirect-Chef Arno Walter kürzlich in Frankfurt gesagt.

Ein Basisangebot für reine Girokonto-Kunden wolle Deutschlands größter Direkt-Broker aber beibehalten. Die Commerzbank hält mehr als 80 Prozent an Comdirect.

Im Filialgeschäft setzt die zweitgrößte deutsche Bank laut Mandel auf großflächige Filialen in den Großstädten. Derartige "Flagship-Filialen", die in den vergangenen Jahren in Berlin und Stuttgart getestet worden waren, sollten bald in drei Ballungsräumen eröffnet werden. Dem Bericht zufolge denkt Mandel perspektivisch sogar an 65 bis 100 solcher Filialen. Dagegen hätten die ebenfalls getesteten kleinen "City-Filialen" keine Zukunft.

Das Filialnetz der Commerzbank war seit 2012 von 1200 auf 1050 abgeschmolzen. Mandel schließt eine weitere Bereinigung nicht aus. "Wir werden nicht im großen Stil Filialen schließen." Die Bank prüfe vielmehr, welche Art von Zweigstellen man brauche, wenn die Kunden sich immer mehr der E-Mail oder des Telefons bedienten.

Um sich gegen die Niedrigzinsen zu stemmen, baut Mandel mehr auf zusätzliches Geschäft als auf Einsparungen. "Wir werden nicht einfach brutal die Kosten senken, sondern wir setzen auf sukzessive Ertragssteigerungen", sagte er.

Die Kosten von drei Milliarden Euro sollen trotz steigender Ausgaben für IT und die Regulierung stabil bleiben. Dem Bericht zufolge müssten dafür mindestens 300 Millionen Euro eingespart werden. In der Sparte arbeiten 12.000 Mitarbeiter.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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